Wartezeit

Kennen Sie das? Da hat ein mir lieber Mensch, ein Freund, die Partnerin, ein Kind, eine Reise angetreten. Und hat natürlich versprochen, sich zu melden, wenn das Ziel erreicht ist. Kein Problem eigentlich in Zeiten von Handys, Skype oder sms. Aber manchmal vergehen dann doch einige Tage, bis das erste Lebenszeichen eintrifft.

Bis dahin ist Warten angesagt – und damit verbunden auch die Frage und Sorge, ob denn alles geklappt hat: ob die Reise problemlos und unfallfrei verlaufen ist; ob es dem, der sich noch nicht gemeldet hat, auch gut geht. Je länger ich warte, desto größer die Sorge. Und vielleicht auch die Ungewissheit, ob ich dem, auf dessen Nachricht ich warte, noch wichtig bin - kann ja sein, dass die Reiseerlebnisse den Gedanken an den Daheimgebliebenen in den Hintergrund gedrängt haben...

Ganz ähnlich, stelle ich mir vor, muss es den Freunden und Freundinnen von Jesus in der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ergangen sein. „Himmelfahrt“, das bedeutete ja für sie zuerst und vor allem: Jesus ist nicht mehr da.Die Begegnungen, die sie nach Ostern mit dem auferstandenen Jesus erlebt hatten, haben aufgehört. Erscheinen ihnen im Rückblick vielleicht sogar wie ein Traum: eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Und auch, wenn sie Jesus’ Versprechen, dass es neue Begegnung, neuen Kontakt zu ihm geben wird, noch im Hinterkopf haben: Da ist zunächst Warten angesagt. Und Warten (siehe oben!) bedeutet auch

Fragen, Zweifel und Unsicherheit.

Pfingsten, erzählt die Bibel, ist dann das Ereignis, der Moment, in dem die Jünger begreifen, wie diese neue „Begegnung“, dieser neue „Kontakt“ mit Jesus Wirklichkeit wird: Die Jünger erleben Gottes „Geist“, durch den Jesus vergegenwärtigt und ihr Denken und Handeln durch seine Gegenwart verändert wird.

Natürlich sind diese biblischen Begriffe – „Himmelfahrt“, „Warten“, „Heiliger Geist“ – Sprach-„Bilder“, Metaphern, die eine Erfahrung in Worte zu fassen versuchen, für die es eigentlich keine Worte gibt.

Nicht mehr – aber auch nicht weniger.


Denn: Erfahren, erleben – und manchmal auch erleiden – müssen auch wir, was schon die Jünger in dieser „Wartezeit“ zwischen Himmelfahrt und Pfingsten erlebt haben.Weil Gott auch für uns unsichtbar ist. Weil auch wir Gottes Gegenwart (so sehr wir uns das manchmal wünschen mögen!) nicht einfach herbeizaubern können. Und weil wir vor Fragen gestellt werden, auf die es keine Antwort zu geben scheint. Deshalb gehören auch „Wartezeiten“ zum Glauben dazu. Und sind manchmal nur schwer auszuhalten. Genau wie das Warten auf einen Anruf, einen Brief oder eine sms, die uns versprochen sind, aber einfach nicht kommen wollen...

Die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist sozusagen das Symbol für solche „Wartezeiten des Glaubens“. Und steht zugleich von ihrem Ende, von Pfingsten her unter der Verheißung, dass wir auf die Begegnung mit Gott nicht vergeblich warten werden. Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Ihr