Walram-Chefin wird verabschiedet

Oberstudiendirektorin Christel Schmidt-Timmermann führte das städtische Walram-Gymnasiumn nicht nur erfolgreich  in das 100. Jahr des Bestehens.
Oberstudiendirektorin Christel Schmidt-Timmermann führte das städtische Walram-Gymnasiumn nicht nur erfolgreich in das 100. Jahr des Bestehens.
Foto: WP

Menden..  Nicht einmal der offizielle Abschied in den Ruhestand lässt die Gedanken derzeit Richtung Urlaub schweifen. „Ein paar Tage werde ich in den Sommerferien wohl noch arbeiten müssen.“ Powerfrau und Oberstudiendirektorin Christel Schmidt-Timmermann gleitet mit proppenvollem Terminkalender aus dem Schuldienst als Leiterin des städtischen Walram-Gymnasiums.

In kaum einer anderen Person spiegeln sich ähnlich viele herausragende Daten der Walram-Schulgeschichte wider. Und einige Mendener Politiker erinnern sich derzeit eher verschämt an damalige Fehleinschätzungen: eine Frau, Protestantin und zudem aus Iserlohn kommend an der Spitze des ältesten Gymnasiums der Stadt? Das schien im Jahr 2000 so manchem ungeheuerlich.

Christel Schmidt-Timmermann kam indes nicht nur mit besten Referenzen, nachdem sie zuvor acht Jahre stellvertretende Schulleiterin am Stenner-Gymnasium in Iserlohn war. Sie setzte am Walram Meilenstein um Meilenstein.

„Als Quotenfrau habe ich mich nie verstanden“, obwohl Christel Schmidt-Timmermann die erste Frau an der Spitze einer städtischen weiterführenden Schule in Menden mit gymnasialer Oberstufe war. Es fiel ihr nicht schwer, schnell den so besonderen Geist des Walram-Gymnasiums zu atmen: „An dieser Schule herrscht seit jeher und bis heute ein faszinierendes Wir-Gefühl. In der Schülerschaft, bei den Eltern und Lehrern.“

Die Walram-Leiterin wurde schnell mit dem Kollegium, den Schülern und den Eltern warm. Und bereits kurze Zeit nach Dienstantritt kämpfte sie für eine deutlich bessere Ausstattung der schulischen Infrastruktur. Die Politik hatte große Defizite angehäuft, die es abzuarbeiten galt.

Vieles trug Christel Schmidt-Timmermanns Handschrift, was für positive Schlagzeilen sorgte. Dazu gehörte auch das Qualitätssicherungsprogramm, bei dem das Walram landesweit zu den besten Gymnasien zählte.

Lange Zeit ohne Stellvertreter

Darf man traurig sein, wenn der Lehrerberuf immer mehr mit Management-Aufgaben befrachtet ist? „Mein Herz hat in erster Linie immer für die Schüler geschlagen. Für die wollte ich vor allem da sein.“ Was in der Praxis zwischenzeitlich als unterrichtende Lehrkraft immer schwieriger wurde, weil die Zeit dafür kaum noch da war.

Christel Schmidt-Timmermann stand in der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts über längere Zeiträume kein Stellvertreter zur Seite. Das reduzierte schon mal die Zahl der verfügbaren Stunden, an denen sie noch unterrichten konnte. Gleichwohl lag ihr die individuelle Förderung ihrer Schüler am Herzen, und sie unterstützte Arbeitsgemeinschaften intensiv.

Derzeit bangt Christel Schmidt-Timmermann beispielsweise mit Finn Spancken, der als Walram-Bester und NRW-Landessieger sogar das Bundesfinale bei „Jugend debattiert“ in Berlin erreicht hat.

Die Förderung besonders begabter Schüler ist am Walram Tradition, an die Christel Schmidt-Timmermann gern angeknüpft hat. Doch immer galt: „Wir dürfen Schüler, die etwas mehr Zuwendung benötigen, nicht aus den Augen verlieren.“

Nur wenigen Oberstudiendirektoren ist es vergönnt, ihre Schule in das 100. Jahr des Bestehens führen zu dürfen. Es geschah gleichermaßen behutsam wie energisch. Denn Schulleitung und Kollegium blendeten nicht aus, dass es am Walram in der Nazi-Zeit auch eine braune Vergangenheit gab. Prof. Feldmann, selbst einst Walram-Schüler und -Studiendirektor, stellte sich diesem Aspekt als Laudator beim Jubiläum.

Im Umfeld des großen Ereignisses mit vielen Einzelveranstaltungen deutete sich bereits die gravierendste Veränderung der gymnasialen Schulgeschichte in Menden an, die Fusionierung der beiden städtischen Gymnasien. Nie zuvor dürften zwei Schulleiter derart eng zusammengearbeitet haben wie Christel Schmidt-Timmermann und Dr. Thomas Hardt, Leiter des Heilig-Geist-Gymnasiums. Beide waren bestrebt, die Fusion zu einem großen Gymnasium so reibungslos wie möglich zu organisieren.

Die Schüler sollen die Fusion so sanft wie möglich erleben. Am Donnerstag vor den Ferien steht für alle ein riesengroßer Kennenlerntag auf dem Programm. „Und es gibt zwei großartige Kollegien, die gut zusammenwachsen werden“, weiß Christel Schmidt-Timmermann.

Für die Sommerferien hat Christel Schmidt-Timmermann bereits feste Pläne, unter anderem die Hochzeit ihres zweiten Sohnes mit einer Französin in Bordeaux. Musik und Kunst dürften fortan eine größere Rolle spielen. „Ich male leidenschaftlich gern. Vielleicht kommt bald die Bildhauerei dazu.“

Die Familie soll für die zweifache Mutter und Großmutter eine deutlich größere Rolle spielen. „Auch die Gemeinschaften wie der Lions-Club und das Frauennetzwerk Menden bedeuten mir sehr viel.“

Dass manche Wünsche nicht respektiert werden, wird Christel Schmidt-Timmermann bei den Ruhestandsfeierlichkeiten hinnehmen müssen. Es spricht nach WP-Informationen nichts dafür, dass es heute bei einem kleinen Kreis von Gästen bleibt. Widerstand zwecklos.