Von Staatsbürgerkunde bis Löschangriff

Fröndenberg..  Dieser Wettbewerb kennt nur Sieger und von guten Ergebnissen profitieren wir alle. 32 Löschgruppen aus der Umgebung absolvierten am Samstag auf dem Gelände der Firma Schmöle den Kreisleistungsnachweis.

Die Feuerwehrkameraden der Kamener Löschgruppe schauen ein wenig verdutzt. Im Großen und Ganzen haben sie ihre Aufgaben an der Station Löschangriff gut gemeistert, alle Rohre richtig angeschlossen, mit Seilen gesichert und die große Metallschüssel, welche eine offene Wasserentnahmestelle darstellen soll, angezapft. Aber knapp 50 Meter weiter, bei den Männern mit der Spritze in der Hand, kommt das dringend benötigte Nass nicht an. Erst mit etwas Verzögerung heißt es „Wasser marsch“.

Schiedsrichter schauen genau hin

Auch Dieter Ladwig rätselt über die Gründe: „Es scheint mir eher nach einem technischen Defekt am Auto als nach einem Fehler der Kameraden auszusehen. Die Schiedsrichter werden sich das genau ansehen und entsprechend beurteilen.“ Ladwig ist Zugführer von Zug 3 der Fröndenberger Feuerwehr und war damit am Samstag quasi Gastgeber für 32 Löschgruppen aus dem Kreisgebiet Unna sowie dem benachbarten Menden, die alle zum Kreisleistungsnachweis in die Ruhrstadt gekommen waren. Turnusgemäß ist jeder mal Ausrichter.

„Wir sind der Firma Schmöle sehr dankbar, dass wir ihr großes Außengelände den Tag über nutzen können. Und ebenso der Firma Honsel, die uns ihre Fläche als Parkplatz zur Verfügung gestellt hat“, so Ladwig weiter. Noch besser wäre eine Ausrichtung mitten in der Innenstadt, auf dem Marktplatz zum Beispiel, denn zu den Übungen sind grundsätzlich alle interessierten Bürger eingeladen, um die wichtigen Dienste der Freiwilligen Feuerwehren ein bisschen besser kennen zu lernen. „Aber dort reicht der Platz nicht aus.“

Aber auch am Rande von Westick war der Andrang am Samstag trotz einiger Regenschauer gut. Zu beobachten gab es für die Zuschauer quasi einen Parcours, den die Löschgruppen allesamt in der gleichen Reihenfolge absolvierten, die ersten starteten am Morgen, die letzten hatten ihre Arbeit am späten Nachmittag zu absolvieren. Und es begann für alle im Klassenzimmer, mit einem Fragebogen, der natürlich feuerwehr-spezifisches Wissen abfragte, zum Beispiel zur Lagerung bewusstloser Patienten oder zum Einsatz des passenden technischen Gerätes, aber auch Fragen aus Politik, Geschichte und Gesellschaft bot. Dieter Ladwig: „Die Feuerwehr ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft und bildet diese ab. Da gehört ein wenig Staatsbürgerkunde halt dazu.“

Draußen vor der Halle wurde es danach praktisch: Das Los entschied für jede Gruppe über die Zuteilung der einzelnen Aufgaben in Maschinist, Melder, Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupp. Acht Plätze sind jeweils zu vergeben, der Gruppenführer trägt die Oberverantwortung, jeweils ein Kamerad bekommt ein Freilos und darf dann an der Unfallstelle, wo ein auf die Seite gefallenes Fahrzeug mit Leitern vor dem Umfallen gesichert werden musste, das Unfallopfer darstellen.

Eine weitere Station erforderte den ganz oben beschriebenen Löschangriff, eine andere fragte die richtige Anwendung von Knoten und Stichen ab. „Die sind ganz wichtig für uns, damit werden zum Beispiel Rohre und Schläuche gegen das gefährliche Hin- und Herrutschen gesichert“, so noch einmal Ladwig.

Ausreden zählen bei den Aufgaben natürlich nicht. „Die Seile sind total nass“, hörte man den einen oder anderen Kameraden stöhnen über die schwierigen ­Bedingungen, dem Wetter sei Dank. „Aber jeder von uns weiß natürlich genau, dass wir keine Schön­wetter-Wehr sind“, so Dieter Ladwig.

Kriterien bundesweit gleich

Die Schiedsrichter der Leistungsnachweise stammen übrigens immer aus den eigenen Löschgruppen, sind bei Anwendung der festgesetzten Kriterien – im ganzes Bundesgebiet sind es die gleichen, zum Beispiel maximal fünf Minuten Zeit für den Löschangriff – aber sicher nicht gnädiger als erlaubt.

Am Abend gab es dann schon die Ergebnisse, welche nicht nur direkt mit den Schiedsrichtern, sondern auch später in den Gruppen nachbesprochen werden. Auf der Medaillentabelle kann man sich durch alljährliches Wiederholen des Nachweises bis zu Gold und noch weiter hocharbeiten. Eine direkte Konsequenz für den Feuerwehralltag hätte ein Nicht-Bestehen der Prüfung übrigens nicht. „Aber jeder will natürlich sein Abzeichen verteidigen“, so Zugführer Ladwig.

Noch am frühen Abend, als ein gewisses Fußballspiel schon kurz vor dem Anpfiff stand, sah man Feuerwehr-Einsatzwagen durch Fröndenberg fahren, um Geräte vom Einsatzort wegschaffen. Das ist Einsatz.