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Oesetalbahn

Von Menden fährt kein Zug mehr in die Metropole

24.10.2010 | 18:09 Uhr
Von Menden fährt kein Zug mehr in die Metropole
Der Förderverein Oesetalbahn lud am Samstag zum letzten Mal zu Sonderfahrten von Hemer nach Dortmund ein.

Menden/Hemer. Regelmäßige Fahrten von Mendens Bahnhof aus in die nächste Großstadt sind selten. Seit Mai veranstaltet der Förderverein Oesetalbahn Sonderfahren,d ie zeigen sollen, wie attraktiv und nachgefragt die Strecke ist. Doch Ende Oktober erlischt die Betriebserlaubnis des Vereins.

Um 9.47 Uhr, so stand es im Plan, sollte er losfahren, der Zug nach Dortmund. Schon um kurz nach neun am Morgen tummelte sich die Menge auf dem schmalen Bahnsteig. Hemer stand auf dem Schild. Von dort direkt ins Ruhrgebiet, ohne umzusteigen, das alles in einer knappen Stunde – die Oesetalbahn hat es möglich gemacht. Am vergangenen Wochenende jedoch möglicherweise zum allerletzten Mal.

Die Diskussion ist bekannt: Die Strecke Hemer – Dortmund, die auch über den Bahnhof Menden führt, sie ist derzeit kein offizieller Schienenabschnitt im Sauerlandnetz. Und das heißt, regelmäßige Fahrten in die nächste Großstadt, aber auch zwischen den Nachbarstädten Hemer und Menden, existieren im Fahrplan nicht. Der Förderverein Oesetalbahn will das ändern. Seit Mai veranstaltet er Sonderfahrten, die zeigen sollen, wie attraktiv und vor allem nachgefragt die Verbindung ist. Am vergangenen Wochenende hieß es noch einmal „Abfahrt“, denn am 31. Oktober erlischt die Betriebserlaubnis des Vereins.

Die Verantwortlichen sind sich sicher: Das Wochenende hat gezeigt, dass die Bevölkerung die Strecke ebenso will. Allein in den ersten drei Fahrten Dortmund – Hemer – Dortmund, transportierten die drei Waggons der Prignitzer Eisenbahn 600 Passagiere. Das kostenlose Angebot war da, die Nachfrage sehr groß. „Der Kostenfaktor ist nicht allein ausschlaggebend. Viele wären auch bereit gewesen, eine Fahrkarte zu kaufen“, sagt Matthias Gast vom Förderverein. Nun sei es an der Stadt Hemer, auf all die Signale zu reagieren.

Stadt muss sich für den Erhalt aussprechen

Denn ohne die Stadt kann der Verein Sonderfahrt um Sonderfahrt anbieten, ausrichten kann er damit nichts: Alle acht Jahre schreibt der ZRL, der Zweckverband Ruhr-Lippe, das Streckennetz neu aus. Das nächste Mal 2013. „Wir als Verein haben keinen Einfluss darauf. Die Stadt muss sich, wie Menden das auch schon getan hat, für den Erhalt aussprechen und es dem ZRL signalisieren“, so Gast.

2013, das Jahr ist das große Ziel des Fördervereins. Bis dahin will er ein Umdenken der Politik bewirkt haben und setzt bei diesem Vorhaben auch auf die Bevölkerung. „Die Stadt argumentiert damit, dass diese die Verbindung nicht will. Aber wir haben gezeigt, dass das nicht stimmt“, berichtet Vereinsmitglied Ingrid Ketzscher.

Im Zug selbst einmal nachgehorcht sind die Stimmen tatsächlich positiv. „Ich arbeite in Hemer und komme aus Menden. Mit einer direkten Verbindung zwischen den Städten würde ich auch auf das Auto verzichten“, verrät eine Mutter, die die Fahrt am Wochenende für einen Ausflug nutzte. Ihr Mann stimmt zu: „Der Verkehr muss ordentlich getaktet sein, dann lohnt sich die Strecke. Schon wegen der Pendler und mancher Schüler.“

Nicht die einzigen Argumente der Fahrgäste: „Für ältere Menschen ist die Verbindung ein klarer Vorteil. Es wird diskutiert, dass Ältere den Führerschein abgeben sollen, aber Alternativen gibt es nicht.“ Und ein ganz praktischer Grund, der die Großstadt betrifft: „Manch einer steht in Dortmund 50 Minuten vor dem Parkhaus und wartet. So ist er direkt in der Innenstadt.“ Für Mendener und Hemeraner ist die Alternative zum Umstieg in Fröndenberg wichtig. „Es geht darum, eine Region zu entwickeln. Das funktioniert nur mit guten Verbindungen“, so die deutlichen Worte eines Reisenden.

Erst einmal bleiben die Schranken nun aber oben. Der Verein muss eine neue Betriebserlaubnis beantragen. Wie es mit der Oesetalbahn weitergeht, bleibt vorerst offen.

Marylen Reschop

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Kommentare
27.10.2010
00:18
Von Menden fährt kein Zug mehr in die Metropole
von Ruhrik | #17

Wer ernsthaft glaubt, der Radweg nach Hemer wäre gebaut worden, der zieht sich auch die Hose mit der Kneifzange an. Die Stadtverwaltung in Hemer, insbesondere der Bürgermeister, waren lediglich an der freiwerdenden Bahnhofsfläche interessiert, um sie im Rahmen ihrer größenwahnsinnigen Ausbaupläne für die weitere funktionale Verwüstung der Innenstadt zu nutzen.
Hemer ist mit seinem autogerechten Rückbau der Einkaufszone stramm auf dem Marsch in die Vergangenheit.
Doch auch diese ÖPNV-Feindschaft ändert nichts daran, dass ein wachsender Bedarf .- auch in Hemer - die Bahn mit Durchbindung nach Dortmund rentabel laufen lassen würde, wenn das Angebot stimmt: sinnvoll getakteter Fahrplan, VRR-Bindung mit den entsprechenden Vergünstigungen und gleichzeitiges Betriebsverbot für die MVG in Konkurrenz zur Bahn.

26.10.2010
10:22
Blockierter Kommentar.
von nenene | #16

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.10.2010
07:11
Ein vorerst letztes Mal ohne Umsteigen in die Metropole
von kostenrechner | #15

#11
Mein lieber Freund geh in die Zeit der Pferdewagen.
Willst Du mit dem Fahrrad nach Dortmund zur
Arbeit fahren ?
Ich bin der Meinung :
DIESE ZUGVERBINDUNG BRAUCHEN WIR FÜR
MENDEN:

25.10.2010
23:35
Ein vorerst letztes Mal ohne Umsteigen in die Metropole
von zalp | #14

@#11:
Nein, ein Radweg ist bei weitem (!) nicht so leistungsfähig als Verkehrsweg wie eine Bahnstrecke. Man denke nur an Gütertransport, an Wind, Regen, Winter, Dunkelheit.
Radfahrer profitieren außerdem sehr von der Bahn durch bessere Radtransportmöglichkeiten als im Bus.
Zudem kann man den Radweg auch anderswo neben der Strecke oder an der Oese anlegen.
Die Schienen dagegen kann man nicht - oder nur mit immensem Aufwand - verlegen.

25.10.2010
23:33
Ein vorerst letztes Mal ohne Umsteigen in die Metropole
von zalp | #13

@#11:
Nein, ein Radweg ist bei weitem (!) nicht so leistungsfähig als Verkehrsweg wie eine Bahnstrecke. Man denke nur an Gütertransport, an Wind, Regen, Winter, Dunkelheit.
Radfahrer profitieren außerdem sehr von der Bahn durch bessere Radtransportmöglichkeiten als im Bus.
Zudem kann man den Radweg auch anderswo neben der Strecke oder an der Oese anlegen.
Die Schienen dagegen kann man nicht - oder nur mit immensem Aufwand - verlegen.

25.10.2010
22:50
Ein vorerst letztes Mal ohne Umsteigen in die Metropole
von Statement74 | #12

Wird der Betrieb aufgenommen... wird Menden einen Schritt in die Zukunft machen... Schaut euch mal die Einwohnerzahlen an... SCHOCKIEREND.... Von Jahr zu Jahr werden es weniger... hängt sicherlich auch mit den Zuständen in Menden ab!!!!

25.10.2010
22:41
Ein vorerst letztes Mal ohne Umsteigen in die Metropole
von Ich aus Menden | #11

Es ist ganz schon traurig...

Keiner denkt daran, dass man viel, viel günstiger mit dem Fahrrad über einen SICHEREN (!!!) Radweg nach Hemer fahren könnte. Ich denke dabei nicht über den lachhaften und gefährlichen Behelfsradweg. Nicht nur für die Pendler, sondern auch für die ganzen Hobbyradler.

Sollten wir dann die paar Schüler aus Balve noch mit dem Bus zur Schule fahren, so wie woanders auch, dann hätten wir sensationelle Radstrecken um Menden. Über den sehr bekannten Ruhrtalradweg würde man noch im Nebensatz sprechen...

Mal ganz, ganz ehrlich, hätten da nicht ALLE etwas von? Ob alt, jung, arm, reich, mit Auto, ohne Auto, Politiker...

25.10.2010
22:38
Von Menden fährt kein Zug mehr in die Metropole
von osis | #10

Naja, morgen kann man wieder im Ruhrgebiet erleben was es heißt wenn der ÖPNV nicht funktioniert.

Und ein steigender Anteil der Bevölkerung hat kein Auto mehr. Und wer nach Fröndenberg schaut, der stellt fest das sich das P&R-Aufkommen in den letzten 5 Jahren mindestens verdoppelt hat.
In Menden und Hemer passiert alles einfach nur 10 Jahre später. Das ist nichts Neues.

25.10.2010
18:14
Von Menden fährt kein Zug mehr in die Metropole
von alfredkwak | #9

richtig osis, im vergleich zu 1983 ist die lücke zwischen arm und reich noch viel größer geworden.

diejenigen, die wenig geld haben, können es sich nach wie vor nur schwer leisten. diejenigen, die es sich leisten können, die fahren lieber auto. bei einem arbeitstag der über die 20 uhr hinaus geht, da steht man dann da...

von daher, m.E. wird sich die reaktivierung der strecke keineswegs lohnen... ich arbeite mit 20-30 mendenern zusammen in neuenrade, kein einziger fährt mit dem zug... möglich wäre dies, aber bei annähernd identischen kosten bzw. teils noch geringeren kosten für das auto, würde niemand freiwillig in den zug steigen...

der clou ist, die meisten werden ihr auto deshalb trotzdem behalten, d.h. die fixkosten fallen immer an...

es muss also günstiger als die tatsächlich anfallenden kosten fürs auto, die liegen bei mir bei etwa 5€ pro tag... fährt mich da die bahn, mit gleicher flexibilität?

jeder, der 1 1 zusammenrechnen kann, wird wissen womit er zur arbeit fährt... dafür muss man nicht studiert haben...

grüße aus menden

25.10.2010
17:35
Von Menden fährt kein Zug mehr in die Metropole
von osis | #8

Mal wieder typisch: Wenn die Gegner keine Argumente mehr haben, dann werden Tatsachen verdreht. Nach allem was ich mitbekommen habe waren es sehr viele Neugierirge und interessierte die auch vom Komfort überrrascht waren.

Es gibt mittlerweile viele erfolgreich wiederbelebte Strecken.

Und auf die wirtschaftliche Lage der Bundesbahn von 1983 zu verweisen ist mehr als albern. Mit dem Argument könnte man heute auch behaupten das Walkman sich immernoch gut verkaufen müßte, weil es 1983 funktionierte.

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