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Von der Künstlerin zur Schornsteinfegerin

28.10.2012 | 06:00 Uhr
Von der Künstlerin zur Schornsteinfegerin
Franziska Filthaut, Schornsteinfeger-Azubi, mit Ausbilder Schornsteinfegermeister Jan Sokol auf einem Dach in Schwitten.Foto: MARTINA DINSLAGE

Menden. Vor ein paar Jahren hat sie noch Kunst-Installationen entwickelt, jetzt steigt sie den Mendenern auf die Dächer: Franziska Filthaut (26) lässt sich zur Schornsteinfegerin ausbilden.

„Ich habe Ecken von Menden gesehen, die ich so noch nicht gekannt habe“, sagt sie. An diesem Vormittag ist sie auf ein Dach in Schwitten geklettert. Von hier oben reicht der Blick weit über die Häuser, zur Antonius-Einsiedler-Kirche, über Bäume und Wiesen. Nur der Nieselregen stört die entspannte Aussicht.

Nach dem Abitur hatte sich Franziska Filthaut zunächst an der Ruhrakademie in Schwerte zur Künstlerin ausbilden lassen. Für ihre Abschlussarbeit verwandelte sie einen Atelierraum in eine Arena voller Fundstücke: Malereien, Skulpturen, Konsumgüter, Lebensmittelverpackungen, Schmuck, Tand. Mit ihrem Diplom hätte sie als freischaffende Künstlerin arbeiten können. „Ich habe mir dann aber gedacht: Irgendwie musst Du ‘was Richtiges machen“, sagt sie heute rückblickend. „Das habe ich wohl von meinem Vater, der ist auch sehr bodenständig.“

Franziska Filthaut beantwortete die Fragen eines Berufswahl-Tests: Heraus kam das Berufsbild Schornsteinfeger. „Ich war selbst überrascht, dachte aber, das könnte etwas sein.“ Bei Jürgen Grethe fragte sie nach einem Praktikum. Die Arbeit gefiel ihr auf Anhieb, und auch Grethe war zufrieden und stellte die junge Frau als Lehrling ein. Jetzt ist die 26-Jährige im dritten Lehrjahr. Wenn alles nach Plan läuft, dann hat sie im Januar ihre große Prüfung.

Für Bezirksschornsteinfeger Jürgen Grethe ist die junge Mendenerin der erste Azubi überhaupt in seinem Betrieb. Dass sie eine Frau ist, sei in dem Berufsbild zwar ungewöhnlich, aber nicht vollkommen neu: „In jeder Klasse mit 20 bis 40 Schülern sind etwa zwei bis drei Frauen“, sagt er. Voraussetzungen für den Beruf sei es, schwindelfrei und wetterfest zu sein, Spaß am handwerklichen Arbeiten zu haben und eine gute Schulbildung zu haben. Das Geschlecht des Lehrlings sei zweitrangig.

Und auch Franziska Filthaut kann keine geschlechterspezifischen Anforderungen erkennen: „Manchmal wünsche ich mir nur, ein paar Zentimeter größer zu sein“, sagt die 1,60 Meter kleine Frau und lacht. Wenn ihr Ausbilder Jan Sokol mit ihr unterwegs ist, kann er die höheren Arbeiten erledigen, sie kriecht dafür in engere Ecken. Zieht sie allein los, dann muss auch einmal ein Hochker oder ein Tritt reichen.

Die Arbeit als Schornsteinfegerin macht der ausgebildeten Künstlerin Spaß: „Er ist vielseitig, spannend. Nur Angst vor der Höhe, vor Dreck und vor Spinnen sollte man nicht haben.“

Und irgendwie schließt sich dann doch der Kreis. Als Künstlerin traf sie viele Menschen, als sie auf dem Wochenmarkt bei ihren Eltern ausgeholfen hat, kam sie mit vielen unterschiedlichen Menschen ins Gespräch. Und auch jetzt hat sie Kontakt zu Kunden: „Kunst, Markt, Schornsteinfegen, das passt dann doch irgendwie zusammen.“

Von Pia Maranca



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