Verse entstehen am frühen Morgen

Hildegard Wiemann schreibt, wenn andere schlafen, und liebt den Optimismus, der in jedem Morgen liegt.
Hildegard Wiemann schreibt, wenn andere schlafen, und liebt den Optimismus, der in jedem Morgen liegt.
Foto: WP

Bösperde..  „Allen Lesern wünsche ich, dass sich ihre Träume erfüllen. Doch möge immer noch einer übrig bleiben.“ Diese Widmung schreibt die Autorin Hildegard Wiemann jedem Leser handschriftlich in ihr Buch. Es heißt „Apfelbaum und Rosen“, und es ist das Erstlingswerk der 69-jährigen Bösperderin. Sie erzählt Geschichten, die das Leben schrieb, und das in Versen, die sehr nah an der Wirklichkeit liegen.

Hildegard Wiemann schreibt über ihre kleine Schwester, über den Gymnastikkurs oder das Fußballmatch im Kindergarten. Alles selbst erlebt, alles zwischen 2009 und 2014, alles ist gewürzt mit großer Lebensweisheit oder einem Augenzwinkern à la Heinz Erhardt, wenn es etwa um die Fitness im Alter bei Vorturnerin Vicki geht:

„Und es knacken die Gelenke / und das Bein im Krampfe bebt / doch wir nehmen’s als Geschenke / da merkt man doch: Was bebt, das lebt!“

Dass sie Kinder und deren Lebensfragen über alles liebt, ist deutlich zu spüren – als etwa die kleine Enkelin Omas Falten einem Treppensturz zuordnet, irgendwo müssen die Falten schließlich herkommen. In Wiemanns Versen dürfen Kinder alles, sie geht viel lieber mit den schimpfenden Erwachsenen ins Gericht.

Und ja, es ist viel heile Welt in diesem Buch: die schicken Uniformen beim Schützenfest, das gottlob gehetzte Rentnerdasein, die lebenslange Freundschaft mit den Schulkameradinnen. Darin werden sich aber viele wiedererkennen, und warum soll ausgerechnet die Lyrik nur Problematikern vorbehalten bleiben? Darf man nicht dankbar sein für den Garten, für den Königsschuss, für den Morgen?

Der ganz frühe Morgen ist Hildegard Wiemanns Schreibzeit – sobald die Vögel einen neuen Tag begrüßen, fließt drinnen die Tinte. „Genau so hat es auch angefangen“, erzählt sie. „Ich saß morgens in der Küche und dachte, dass ich jetzt mit der Hausarbeit beginnen müsste – oder etwas tue, was ich schon lange viel lieber wollte.“ So entstand das erste Gedicht, und in ihrer Schublade liegen schon heute genug für den zweiten Band.

Ursprünglich war das Ganze für die Familie gedacht, doch kaum war der Band herumgezeigt, da kamen erste Anfragen von außerhalb. Um die Herstellungskosten hereinzubekommen, nimmt sie jetzt 12 Euro für jeden Band. Die ersten 100 sind schon weg.