Vergnügliche Zeitreise in Bildern

Diethelm Westerhoff (rechts) als junger Mann beim Tischtennisspielen.
Diethelm Westerhoff (rechts) als junger Mann beim Tischtennisspielen.
Foto: WP

Menden/Schwerte..  Dass an den Wänden eines Gymnasiums Bilder eines Schülers ausgestellt werden, ist nicht außergewöhnlich. Wenn aber dieser Schüler das Gymnasium vor 66 Jahren besuchte, dann schon. Der Schüler von einst heißt Diethelm Westerhoff, seine Schule ist das Friedrich-Bährens-Gymnasium (FBG) in Schwerte, und seine Bilder müssen den heutigen Pennälern vorkommen wie eine Reise in die Vergangenheit.

Westerhoff, als Kind ein Lichtendorfer, ist inzwischen 78 und seit langem Mendener. Seine Bilder von damals entdeckte der talentierte Zeichner, der nicht umsonst zum Architekten wurde, im letzten Sommer in einer dicken alten Kunstmappe. „Die wollte ich nicht wegtun“, schmunzelt er. Dann kam ihm die Idee, die mehr als 80 Federzeichnungen und Drucke von Linol- und Holzschnitten seinem alten Gymnasium zur Verfügung zu stellen. Es folgte ein Gespräch in Schwerte mit Kunstlehrerin Sandra Obenhaus und dem Deutsch- und Kunstlehrer Dr. Peter Epp.

Gemeinsam entwickelten sie das Vorhaben, in der Schule Bilder zu zeigen, die ein FBG-Schüler zwischen 1949 und 1955 angefertigt hatte. Auch die Schülerzeitung „bährenstark“ ließ sich das Thema nicht entgehen: Sie brachte eine Auswahl der Westerhoff-Werke mit der unglaublichen Geschichte auf drei Seiten ihrer Januar-Ausgabe.

Die Bilder sind wie Zeitzeugen: So zeichnete Westerhoff kurz nach dem Sensationssieg der deutschen Nationalmannschaft 1954 eine Fußballszene. „Damals hatten Torhüter die klassische Mütze auf und es gab am Spielfeldrand weder Handläufe noch Werbebanden“, beschreibt Westerhoff sein Bild. Die Zuschauer sind überwiegend männlich, alle tragen Hut, wie es eben so war zu Zeiten des Wunders von Bern.

Züchtig ging es auch am Barren zu: Westerhoffs Bild zeigt den Turnlehrer mit Schlips und Kragen. Auch der Künstler selbst ist in der Schülerzeitung abgelichtet, ein Foto zeigt ihn in Pullunder und Schlaghose beim Tischtennisspiel.

Mit dem Hühner-Bild „Meine Lieblingszwerge“ hatte es noch eine besondere Bewandnis: In einer Großgarage des damaligen Hausmeisterehepaares waren schwarze Zwerghühner untergebracht, die auch der damalige Sextaner Westerhoff zu Hause hielt. Von Hausmeister Reddemann erhielt er 15 befruchtete Zwerghühnereier, die er von einer Glucke ausbrüten ließ. Die Hälfte der Küken entpuppten sich jedoch als Hähne, und weil die später zum Entsetzen des Jungzüchters auf dem Mittagstisch landeten, hat Diethelm Westerhoff bis heute keinen Appetit auf Geflügel mehr. Es sind eben nicht nur Bilder, die nachwirken.

Gegenständliche Malerei

Die Bilder zeigen im übrigen eine erstaunliche Palette an Motiven und Techniken, die Klein-Diethelm damals schon auf der Pfanne hatte. Stillleben sind ebenso vertreten wie Landschaftsaufnahmen – und natürlich Gebäude. Und auch wenn auffällt, dass in den Fünfzigern die gegenständliche Malerei noch das A und O war: Viele Parallelen zum heutigen Kunstunterricht, heißt es in „bährenstark“, seien nicht zu übersehen. Manches ändere sich eben nicht, ob in der Mathematik, in Cäsars „De bello gallico“ – oder in der darstellenden Kunst.