Verfahrensende schont Rentner-Portemonnaie

Zwei Fälle von Fahrerfluchten wurden vor dem Amtgericht Menden verhandelt. Beide wurden eingestellt.
Zwei Fälle von Fahrerfluchten wurden vor dem Amtgericht Menden verhandelt. Beide wurden eingestellt.
Foto: Imago

Menden..  „Mein Auto ist ein Gebrauchsgegenstand, da sind schon ein paar alte Kratzer dran“, erklärte der Angeklagte. Neue Kratzer habe er aber nicht an seinem Auto bemerkt, als er nach einem Einparkmanöver Schrammen am Nachbarauto feststellte. Daher sei er guten Gewissens mit seinem Beifahrer zum Singverein gegangen.

Der Rentner hatte seinen Mercedes Baujahr 1982 im September 2011 auf einem Parkplatz an der Walramstraße geparkt. Beim Einparken soll der Angeklagte ein anderes Auto beschädigt haben. Die Parkplatzsituation sei schon sehr eng gewesen, sagte der Rentner. Beim Aussteigen seien ihm dann Macken am Nachbarauto aufgefallen. Nachdem am Mercedes aber keine Unfallspuren zu sehen gewesen seien, gingen die Kameraden zum Singen.

Von dieser Erklärung war Strafrichter Festersen wenig überzeugt. Er legte dem Angeklagten nahe, noch einmal mit seiner Verteidigerin in Klausur zu gehen und darüber nachzudenken, ob es nicht sinniger sei, den Strafbefehl von 900 Euro zu akzeptieren. Hätte der Angeklagte nämlich darauf bestanden, den Prozess fortzuführen, wären wahrscheinlich erheblich höhere Kosten auf ihn zugekommen. „Die Zeugen hätten das Gegenteil ausgesagt, wir hätten einen Sachverständigen einschalten müssen und dann wird’s teuer“, so Festersen. Der Strafrichter geht davon aus, dass sich der Schaden dann auf ein Vielfaches des Strafbefehls belaufen hätte. So kam der Angeklagte mit dem Strafbefehl von 900 Euro davon. „Ihre Verteidigern hat ihrem Portemonnaie einen großen Gefallen getan“, urteilte Strafrichter Festersen nach der Entscheidung.

Das zweite Verfahren wegen Fahrerflucht wurde gegen die Zahlung eines Bußgeldes vorläufig eingestellt. Der angeklagte DHL-Fahrer hatte beim Ausliefern eines Paketes nicht bemerkt, dass sich sein Fahrzeug plötzlich selbstständig machte, 50 Meter zurückrollte und eine Laderampe beschädigte. Als er zurückkam und den Schaden sah, soll er sich vom Unfallort entfernt haben. Der große Termindruck sei der Grund dafür, dass er nicht vor Ort geblieben war, erklärte der Angeklagte.

Der DHL-Fahrer zeigte aber schon im Vorfeld der Verhandlung seinen guten Willen und beglich den verursachen Schaden in Höhe von 1200 Euro. Das erkannte auch Richter Festersen an und stellte das Verfahren vorläufig ein. Der Angeklagte muss nun 1500 Euro in fünf Monatsraten a 300 Euro an die Verkehrswacht Iserlohn zahlen. Kommt er dieser Forderung nicht nach, wird er bald wieder vor Richter Festersen sitzen. Doch davon riet der Strafrichter eindringlich ab.