Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft Zeitfrage

Menden..  Menden zählt zu den Städten, die für Kinder unter drei Jahren auch Kindergartenplätze für 25 Stunden pro Woche vorhalten – das kürzeste und preisgünstigste Angebot. Allerdings gilt auch in Menden wie andernorts, dass diese 25-Stunden-Plätze bei den Eltern die am wenigsten gebuchten sind: Nur 43 von 311 Kleinkindern sind fünf Stunden pro Tag der Kita. Am beliebtesten sind 35 Wochenstunden, gefolgt von 45er-Buchungen.

Nach der Erfahrung von Jugendamtsleiter Ulrich Schewe liegt das schlicht daran, dass sich die 25 Kita-Stunden an fünf Wochentagen auf die Zeit von 7.30 bis 12.30 Uhr verteilen. „Da fehlt es an der Flexibilität. Denn nur wenige der berufstätigen U3-Eltern können es in einer Halbtagsstelle schaffen, innerhalb dieser Zeit ihr Kind morgens in die Einrichtung zu bringen, danach arbeiten zu gehen und mittags rechtzeitig wieder im Kindergarten zu sein.“

35 Stunden nicht viel teurer

Deshalb buchten viele Eltern gleich die zehn Wochenstunden mehr, die ihnen am Nachmittag dann die nötige Luft verschaffen, nämlich bis 14.30 Uhr, berichtet Schewe. „Die Kinder immer pünktlich abholen zu müssen, kann auch am Arbeitsplatz für Druck sorgen“, weiß Schewe. Das sei vielen Eltern die Sache wert.

Zumal der Preisunterschied bei den Elternbeiträgen zwischen 25 und 35 Stunden in Menden nicht allzu groß sei. Bei geringeren Jahreseinkommen bis 25 000 Euro beträgt er 3 Euro im Monat: Man zahlt 34 statt 31 und bekommt zehn Stunden Aufenthalt mehr. Bei höheren Einkommen bis 112 000 Euro liege der Unterschied bei 36 Euro im Monat. Dann sind 382 statt 346 Euro zu berappen.

Geachtet habe die Stadtverwaltung allerdings darauf, dass es in jedem Stadtteil ein verlässliches 25-Stunden-Angebot gibt, betont Ulrich Schewe. Die jüngste Kritik der Landes-FDP an völlig fehlenden Plätzen dieser Art in 18 Jugendamtsbezirken in NRW (die WP berichtete im Hauptteil) treffe Menden also nicht. „Die Eltern haben an uns hier auch noch nicht herangetragen, dass die 25-Stunden-Zeit ein großes Problem darstellt.“

Die meisten Kinder bleiben länger

Die Aufteilung der aktuell 311 Plätze für Kleinkinder in Menden – die Zahl gilt für städtische Kitas wie auch Einrichtungen freier Träger – könnte man allerdings so lesen. Denn laut Schewe sind davon derzeit nur 43 Plätze für 25 Wochenstunden gebucht. Das macht einen Anteil von gerade 13,8 Prozent aus. 182 Kleinkinder verbringen eine 35-Stunden-Woche im Kindergarten, weitere 86 Kinder unter 3 haben mit 45 Wochenstunden die längste Verweilzeit.

Zum Vergleich: In Iserlohn gibt es 25-Stunden-Plätze für 175 Kinder, in Arnsberg für 412, in Siegen 492. Aber: In Hemer, Warstein, Ennepetal, Herdecke und Gevelsberg liegt der Anteil der Kurzzeitplätze sogar noch unter 5 Prozent.