Verabschiedung von Maria Cordes

Fröndenberg..  Diakone, Vikare, Pfarrer, Bischöfe, Erzbischöfe: „Eigentlich fehlt nur noch der Papst, und selbst der hätte mich nicht nervös gemacht.“ Nach fast 30 Jahren hat Maria Cordes ihren Küster-Job in der St.-Marienkirche an den Nagel gehängt. Beim Neujahrsempfang der katholischen Kirchengemeinde am Sonntagmittag wurde sie nun so aus ihrem Amt verabschiedet, wie es eines derart langjährigen Einsatzes würdig ist.

Angefangen hatte es damals eigentlich nur mit der Intention, kurz auszuhelfen. 1986 bat sie Hermann Bieker – der langjährige Pfarrer der St.-Marien-Gemeinde war damals schon gesundheitlich ein bisschen eingeschränkt – um ein wenig Unterstützung bei der Frühmesse am Mittwoch. Maria Cordes hatte in diesen Gottesdiensten bis dahin den Job der Lektorin und Messdienerin übernommen.

Nach und nach wurde der Umfang größer – es fand zu dieser Zeit in der Marienkirche noch jeden Tag eine Heilige Messe statt – und schließlich meldete sie Franz-Josef Bode – mittlerweile Bischof von Osnabrück – fest als Küsterin an. „Hinter meinem Rücken und gegen meinen Willen“, erinnert sich Maria Cordes mit einem Grinsen. „Denn es sollte ja nur eine vorübergehende Aufgabe werden.“ Schließlich sind es fast 30 Jahre geworden. Und noch etwas war ihr von Anfang an wichtig: „Auf Verträge und Gehalt habe ich nie groß geschaut. Es ist halt mehr Berufung als Beruf, und mir war es zuallererst wichtig, bei einem würdigen Messablauf zu helfen und das Gotteshaus in Ordnung zu halten.“

Opfer bringen musste in den fast 30 Jahren vor allem die Familie. Gerade Ostern und Weihnachten sind nun mal „Großkampftage“ für Küster. Ein typischer Heiligabend sah bei Familie Cordes so aus: „Die Vorbereitungen dauerten den ganzen Tag, von der Kindermesse kam ich am Abend gegen acht nach Hause, nach schnellem Essen und Bescherung standen schließlich um neun schon die ersten Besucher der Christmette um elf Uhr abends vor der Kirche.“ Guter und freundschaftlicher Kontakt und ein offenes Ohr für allen Priester, Gemeindemitarbeiter und Gläubigen war ihr immer wichtig – „besonders die nun mal alleine lebenden Priester sind häufiger mit ihren Sorgen zu mir gekommen“. Gleichzeitig, so betont Cordes, hat sie sich nie gescheut, auch gegenteilige Meinungen zum Wohle „ihrer“ Kirche zu vertreten.

Der „Theo Beiske der Gemeinde“

Pfarrer Paul Mandelkow hatte Maria Cordes im Gottesdienst am Sonntag Morgen übrigens den „Theo Beiske der Gemeinde“ genannt. Was ihre Bekanntheit anbelangt, sicher keine falsche Einschätzung. Mit ihr zusammen verabschiedet hat sich auch der Arbeitskreis, welcher kurz nach Beginn der Küstertätigkeit von Cordes ins Leben gerufen wurde, um einmal wöchentlich die Kirche auf Vordermann zu bringen. 35 Damen gehörten ihm in der Hochzeit an, zuletzt 15. „Eine ganz tolle Gemeinschaft“, so die Küsterin, die neben dem wöchentlichen Kirchputz und einem halbjährlichen Generalputz auch noch in anderer Weise in der Gemeinde aktiv war.

Schöne Erinnerungen bleiben nach fast 30 Jahren „und meinen festen Sitzplatz in der Kirchenbank behalte ich auf jeden Fall“, aber ohne Wehmut und mit all den körperlichen Einschränkungen, die das Leben jenseits der 70 und eine überstandene Krebserkrankung mit sich bringt, kann Maria Cordes sagen: „Wie es auch in der Bibel steht: Alles hat seine Zeit.“ Und die gehört jetzt zuallererst Ehemann Manfred, Kindern, Enkeln und Hund „Karlo“.