Unterricht außerhalb des Klassenraums

Schulfahrten. Alleine der Begriff „Urlaubsangebot“ zeigt, dass sich die gestrige Leserbriefschreiberin in einem grundsätzlichen Irrtum befindet. Klassenfahrten sind von der Natur der Sache her „Unterricht außerhalb des Klassenraums“. Die betreffenden Lehrer/innen erstellen ein detailliertes und oft recht anstrengendes Programm an Besuchen und Besichtigungen: Ökoprojekte, Sternwarten, Museen, Naturparks und ähnliches.


Solche erzieherischen und kulturellen Ziele sind Sinn und Zweck solcher Fahrten, besonders für die immer noch (oder „wieder“) etwa 30 Prozent aller Schulkinder, die aus finanziellen Gründen nicht mit ihren Eltern in Urlaub fahren (können).

Die gemeinsamen Wanderungen, Bus- und Bahnfahrten oder Radtouren sind für den sozialen Zusammenhalt der Klassen und die zwischenmenschlichen Beziehungen von großer Bedeutung, bei denen viele Kinde erstmals über sich selbst hinauswachsen und gelegentlich neue, nachwirkende Freundschaften schließen.


Darüber hinaus weiten sie den Blick über den Mendener Talkessel hinaus (was auch vielen Erwachsenen gut täte) und bilden einen wirksamen Fokuspunkt für die fächerübergreifende, unterrichtliche Vorbereitung. Segelfahrten, z.B. auf dem Ijsselmeer, erzeugen in vielen Kindern das Gefühl, in der Gemeinschaft eine sinnvolle Aufgabe übernehmen zu können, in Zusammenarbeit mit anderen. Bei solchen Fahrten übernehmen viele ohne Murren und mit gutem Ergebnis auch Pflichten, die sie bis dato nicht akzeptiert hätten, vom Deckschrubben bis zum Kartoffelschälen.


Schüleraustausche sprechen von der Idee her für sich selbst. Das sind einige Gründe, warum Lehrerinnen und Lehrer auch heute noch die zusätzlichen Belastungen mit vielen unbezahlten Überstunden auf sich nehmen.


In einem Punkt hat die Schreiberin recht: Jedes Kind, das den mafiosen Umtrieben des Skizirkus als künftiger Kunde zugeführt wird, ist ein Kind zuviel. Skifreizeiten sind deswegen seit langem nicht mehr genehmigungsfähig.