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Bürgermeister-Abwahl

Unternehmer Bettermann will Abwahl von Mendens Bürgermeister

22.07.2012 | 15:49 Uhr
Unternehmer Bettermann will Abwahl von Mendens Bürgermeister
Feier zum 100-jährigen Bestehen von OBO Bettermann (Volker Fleige in der 2. Reihe, 3. von links). Foto: Martina Dinslage

Menden.   Der Streit zwischen OBO-Chef Ulrich Bettermann und Mendens Bürgermeister eskaliert: Der Unternehmer Bettermann wird alles daran setzen, den SPD-Bürgermeister Fleige in ein Abwahlverfahren zu zwingen.

Wer beide kennt, der weiß: Im Streit zwischen OBO-Chef Ulrich Bettermann und Bürgermeister Volker Fleige prallen zwei Charaktere aufeinander, die wohl kaum einen Zentimeter zur Seite weichen werden. Der Zusammenstoß der Sturköpfe scheint damit unvermeidbar: Der Unternehmer Bettermann wird alles daran setzen, den SPD-Bürgermeister Fleige in ein Abwahlverfahren zu zwingen.

Dabei sah es vor der Wahl Fleiges zum Bürgermeister Ende August 2009 noch anders aus. Da galt er in Bettermanns Augen als Hoffnungsträger. Bettermann führte damals einen erbitterten Streit mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Heinrich Johannes Kehnen, aber ebenso mit dem CDU-Bürgermeister Rudolf Düppe. Die Diskussion um die teure Herrichtung des Sauren Kamps war der Auslöser. Also um jenes Grundstück an der Hönne, das mit erheblichen Steuermitteln für die letztlich gescheiterte Ansiedlung der Firma Purem, eines angedachten Gemeinschaftsunternehmens von Daimler und HJS, dienen sollte.

HJS ist die Firma von Bettermanns Erz-Rivalen Hermann Josef Schulte. Sein Verdacht: Der CDU-Mann Schulte sei bevorteilt worden, was die Stadt viel Geld gekostet und zudem die Erweiterung von OBO Bettermann verhindert habe. Als sich Bettermann dann noch massiv in die Diskussion um den Niedergang der Sparkasse Menden einklinkte, da galt das Verhältnis zur CDU als heillos zerstört.

Volker Fleige startete als Hoffnungsträger

Mit Volker Fleige sollte das anders werden: Der war SPD-Mann, aber zumindest indirekt wurde er von der FDP bei der Bürgermeisterwahl unterstützt, die keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hatte, einen CDU-Mann Düppe aber ablehnte. Ulrich Bettermann gilt als FDP-nah, und so durfte Volker Fleige auch kurz vor der Wahl im Spätsommer 2009 auf der Bühne der Schützenhalle Hüingsen Hans-Dietrich Genscher, dem Ex-Außenminister und FDP-Ehrenvorsitzenden, die Hand schütteln. Bettermann hatte seinen Freund Genscher für den Wahlkampfauftritt nach Hüingsen geholt. Kurz zuvor war Fleige -- damals noch als Sport-Fachbereichsleiter -- auch dabei, als Bettermann den Scheck überreichte, mit dem er einen Großteil des Hüingser Kunstrasenplatzes bezahlt hatte.

Bettermann sagte im Juni 2009 im WP-Interview über den SPD-Bürgermeisterkandidaten Fleige: „Ich habe jetzt mit ihm gesprochen. Gut finde ich seinen Ansatz, dass er sich als Bürgermeister eine Kraft an die Seite holen würde, die das Rathaus managt. Das ist nämlich das, was ich mir wünsche: Eine erstklassige Führung der Stadt.“ Und Fleige lobte kurz darauf im Interview Bettermanns damalige Pläne, gemeinsam mit der Gewoge das Bahnhofsgelände zu bebauen, als „attraktiv, ansprechend und konsensfähig“.

Im Mai 2011 war Fleige auch noch dabei, als OBO in der neuen Produktionsstätte in der Fischkuhle ein großes Fest zum 100-jährigen Jubiläum mit viel Prominenz feierte. Doch schon kurz darauf wurde deutlich, dass das Verhältnis belastet ist. Der Bürgermeister habe aus nichtigem Grund viel zu früh die Jubiläumsfeier verlassen, erzählte Bettermann. Kurz darauf wurde nur noch in Briefform kommuniziert. Bettermann fühlte sich von der Stadt allein gelassen. Der desolate Hüingser Ring ist ein Punkt: Eine Sanierung werde nicht angegangen und auf seine Vorschläge für eine Parkregelung werde auch nicht eingegangen. Die Anbindung des Gewerbegebiets Ohl, die nach seiner Ansicht über seine neue Firmenstraße hätte erfolgen können, sei ebenso wenig mit Nachdruck bearbeitet worden. Gleiches gelte für seinen Vorschlag, einen Doppelkreisel an der Kreuzung Westtangente/Bräukerweg zu bauen. Und jetzt auch noch die Grundschule Hüingsen. Schon im März hatte es einen ersten frostigen Briefwechsel zwischen beiden gegeben.

Bürgermeister Fleige glaubt aber gar nicht, dass es wirklich um diesen Punkt geht: Er ist sich sicher, dass eine Begegnung kurz nach seiner Wahl der entscheidende Einschnitt war. Bettermann soll ihn dabei aufgefordert haben, erneut die Angelegenheit Saurer Kamp zu prüfen. Fleige lehnte aber mit dem Hinweis ab, dass das alles aus der Zeit seines Vorgängers stamme und von Gerichten und vom Rechnungsprüfungsamt ausreichend bearbeitet worden sei. Auch ein von Bettermann eigens bei einer Anwaltskanzlei erarbeitetes Gutachten, wonach HJS rund 400 000 Euro mehr an die Stadt für die Herrichtung des Sauren Kamps hätte zahlen müssen, die die Stadt nun noch einfordern müsse, verfolgte Fleige nicht weiter: Das sei damals nun mal politisch ausdrücklich so gewollt worden.

Reizthema ist die Schützenhalle in Bösperde

Inzwischen herrscht offener Streit: Die Briefe und Erklärungen sind im harschen Ton verfasst. Da spricht Bettermann von Fleige als „mittelmäßigem Angestellten“, dessen Wirken „fatale Folgen“ habe. Und Fleige bezieht sich in seinem Brief auch auf die BVB-Halle in Bösperde, die für Bettermann ein großes Reiz-Thema ist. Und er spricht vom „vermeintlich größten Gewerbesteuerzahler der Region“. Nun ist man sich nicht mal mehr einig, wie oft man sich überhaupt schon im Leben gesprochen hat: Bettermann sagt drei bis vier Mal, aber nie habe es einen richtigen „Antrittsbesuch“ bei ihm als großen Arbeitgeber gegeben. Fleige hingegen sagt, es habe schon ganz viele Gespräche gegeben – „auch in meinem Büro“, was Fleige betont und Bettermann bestreitet.

Vielleicht gibt es aber doch Hoffnung, dass sich beide selbstbewussten Männer irgendwann wieder vertragen. So wie es bei Bettermann und Düppe der Fall war. Über den Ex-Bürgermeister sagt der OBO-Chef heute: „Man kann ja viel über den letzten Bürgermeister sagen, aber OBO wäre heute in großen Teilen nicht in Menden ohne Rudolf Düppe.“

Michael Koch

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Kommentare
24.07.2012
22:09
Unternehmer Bettermann will Abwahl von Mendens Bürgermeister
von marwang | #8

der zirkus ist doch in menden nur weil der bm kein schwarzer ist

24.07.2012
15:28
Zusammenstoß zweier Sturköpfe
von safri1811 | #7

Möchte mich noch einmal ganz kurz zu Wort melden. Letztendlich geht es hier - meiner Meinung nach - wirklich nicht um die Schulschließung sondern um viele andere Dinge, die man - wenn sie auch nicht mehr ganz aktuell sind - nicht unter den Tisch fallen lassen sollte. Ein Bürgermeister ist der erst Mann der Stadt, dementsprechend soll er sich gefälligst auch so verhalten und nicht seinen - nennen wir es mal gelinde gesagt Dickkopf - durchsetzen. Er hat auch zu repräsentieren und sich die Meinung der Bürger anzuhören. Wenn man dort nur auf taube Ohren oder (internes) Gelächter stößt, finde ich es schon mehr als peinlich. Wir bekommen zum größten Teil nur mit, wie sich Herr Fleige in Menden "präsentiert"...Bleibt zu hoffen, dass er sich in anderen Städten/Kommunen geschlossen hält oder zumindest seine Herkunft leugnet...

1 Antwort
Unternehmer Bettermann will Abwahl von Mendens Bürgermeister
von zilp | #7-1

Aber die Hauptaufgabe eines BM ist es nun mal nicht, oberstes Benimm-Vorbild zu sein. Bei den Worten sollte man auch nicht zu zartbesaitet reagieren. Außerdem sind am Ende Taten wichtiger als Worte.

24.07.2012
09:35
Grund für das Abwahlverfahren?
von Mendener_im_Exil | #6

Wenn ich es richtig sehe, hat Herr Bettermann als Grund für sein Vorhaben Herrn Fleiges Vergleich zwischen der Schulschließung und der Übernahme der BSB-Schützenhalle durch OBO genannt.
Warum brachte dieser Vergleich Herrn Bettermann so auf die Palme? Anscheinend habe ich da was verpaßt.

24.07.2012
08:49
Zusammenstoß zweier Sturköpfe
von Granit | #5

Schade herr Bettermann, wieder keinen gefunden der Ihre Interessen (und nur darum geht es) brav und ohne wiederworte folgt. Ich bin kein Fleige Fan und bin auch nicht immer mit der Vorgehensweise einverstanden, aber ein Abwahlverfahren eines BM aus privaten bzw. betrieblichen Gründen für Herrn Bettermann darf kein Erfolg haben. Auch der nächste BM wird es schwer haben wenn er nicht die Wünsche eines selbsternannten Retter (Bettermann) folgt.
Herr Bettermann, geben sie doch die Firmenleitung an Ihren Sohn ab und stellen sich selber als BM auf, dann können Sie ja zeigen ob Sie alles besser machen, aber für alle Bürger der Stadt Menden und nicht nur für Hüingsen bzw. OBO.
Und ob Herr Esken in Hemer alles richtig gemacht hat, sieht mann ja an der Erhöhung der Grundsteuer B (von 455% auf 680%).
Und jetzt sollte jeder, ob Politiker, Geschäftsmann oder Privatperson die persönlichen Animositäten weglassen und konstruktiv zusammenarbeiten.

1 Antwort
Unternehmer Bettermann will Abwahl von Mendens Bürgermeister
von zilp | #5-1

Genau, wenn Herr B. meint, alles besser zu können und zu wissen, kann man ihm nur zurufen: "Make it better, man!" ;-)

24.07.2012
00:22
Zusammenstoß zweier Sturköpfe
von Stenzel66 | #4

Es ist erstaunlich oder eigentlich auch nicht. Mal wieder lese ich eine Hasstirade vom selbsternannten dergerechteausmenden. Keiner der aufgeführten Punkte rechtfertigt auch nur im Ansatz ein Abwahlverfahren.

Der BM ist meiner Zeitrechnung nach nicht einmal drei Jahre im Amt. Wenn dann die Entfernung aus dem Amt des BM "seit drei Jahren überfällig" sei, geht es nicht mehr um eine ernsthafte Auseinandersetzung. Hier scheint Hass am Werke.

Meine Wahrnehmung dagegen ist, dass in den letzten knapp drei Jahren in Menden unfassbar viel geschah, was über mehr als zehn Jahre liegen blieb. Daran hat BM Fleige einen erheblichen Anteil und das kann ihm auch niemand absprechen.

23.07.2012
23:11
Zusammenstoß zweier Sturköpfe
von dergerechteausmenden | #3

Es ist unglaublich was sich der BM der Stadt Menden einem Menschen gegenüber erlaubt der sich immer wenn es um soziale Probleme in Menden ging hunderttausende Euro oder DM gespendet hat im stillen mit dem Pfarrer der Gemeinde Lendringsen viele Probleme gelöst hat, sich von einem BM in die Ecke eines Rechtsradikalen zu stellen nur weil der erkannt hat das Fass ist voll ist, der BM hat sein Konto überzogen und ich hoffe das endlich das vollzogen wird was seit drei Jahren überfällig ist.
Sein Rechnungsprüfungsamt als Volkgerichtshof zu bezeichnen, Menschen die sich beschweren mit Medikamenten ruhigzustellen, ein überforderter Mensch der die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat. Man kann nur hoffen das er zurücktritt bevor er die Stadt Menden in ganz Deutschland lächerlich gemacht hat.
Meine Stimme hat Herr Bettermann.

1 Antwort
Zusammenstoß zweier Sturköpfe
von zilp | #3-1

Dass Herr Bettermann seine -unbestrittenen- unternehmerischen und sozialen Leistungen und Erfolge über all die Jahre ganz im Stillen betrieben hätte, kann man nun nicht gerade behaupten.
Beide Mendener Köpfe haben jedenfalls ihre schlechten und guten Eigenschaften (vielfach sogar gleichartige), auf jeden Fall haben sie Willenskraft und Schaffensdrang.
Das können und sollten sie zum Wohle Mendens und seiner Bürger miteinander und nicht gegeneinander einsetzen!

23.07.2012
21:40
Zusammenstoß zweier Sturköpfe
von Stenzel66 | #2

Ich bestreite nicht, dass Fleige ein Dickkopf, ein Querkopf, ein Feuerkopf und Vieles mehr an Kopf sein mag.

Aber wo der BM in dem dargestellten Fall ein Sturkopf sein soll, erkenne ich nicht.

Ich erkenne nur einen Unternehmer, der mit seinem Betonkopf durch die Wand will.

23.07.2012
15:42
Uneinsichtigkeit
von catch_22 | #1

Mit wem kam Bettermann denn überhaupt klar?
Mit den Mendener Grünen jedenfalls nicht.
Mit Hermann Josef Schulte nicht.
Mit Heinrich Johannes Kehnen auch nicht.
Mit Rudi Düppe auch nicht, höchstens im Nachhinein.
Wie hieß noch einmal der BM-Gegenkandidat zu R.Düppe, der von Bettermann gepusht wurde?
Und jetzt nicht mit F. Fleige
Bei dem Letzteren kann man ein Abwahlverfahren wagen, da dieser nicht die stärkste lokale Partei hinter sich hat, im Gegensatz zu den früheren BMs.
Durchschaubar.
Und dann noch der Vorschlag, dass der große Esken aus Hemer die Mendener Verwaltung "mitführen" soll.
Absurde Vorstellung und rechtlich nicht möglich.
Und dabei immer die Gewerbesteuerkeule schwingend.
Es ging und geht darum, dass heute in Menden nur noch die Hälfte der Kinder in die Grundschulen gehen, wie vor 30 Jahren.
Und dass im Bereich der Grundschulen teure Kapazitätsüberhänge vorhanden sind.
Daum geht es - nicht mehr und nicht weniger.
Und dann solch ein Eskalation - unfassbar Herr Bettermann.

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