Tresor aus Fußball-Vereinsheim gestohlen

Letztendlich wurde der Angeklagte wegen Unterschlagung verurteilt.
Letztendlich wurde der Angeklagte wegen Unterschlagung verurteilt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Aus einem Vereinsheim in Menden wird ein Tresor gestohlen, in dem sich 240 Euro und eine Tankkarte befinden. Der Angeklagte gibt zu die Karte gefunden und benutzt zu haben. Der eigentliche Einbruchdiebstahl kann ihm nicht nachgewiesen werden.

Menden..  Wegen des Vorwurfs des besonders schweren Diebstahls musste sich ein ehemaliger Fußballtrainer vor dem Amtsgericht verantworten. Ihm wurde vorgeworfen, sich im Januar mit einem nachgemachten Schlüssel Zugang zu den Räumlichkeiten seines Mendener Ex-Vereins verschafft zu haben. Dort soll er den Tresor gestohlen haben, in dem sich 240 Euro sowie eine vorausbezahlte Tankkarte mit einem Guthaben von 25 Euro befanden.

Prepaid-Karte gefunden

Gleich zu Beginn der Verhandlung gestand der Angeklagte, dass er die Tankkarte in vier Fällen benutzt habe. Allerdings gab er an, die Karte neben einem Papiercontainer in der Nähe des Sportplatzes gefunden zu haben. Den Vorwurf des Einstiegs in die Räumlichkeiten des Vereins stritt er ab.

Insgesamt ein Geständniskompromiss, denn er eingehen musste. Denn die sogenannte Prepaid-Karte wurde viermal zum Kauf von Zigaretten benutzt – jedes Mal an Tankstellen in der Nähe des Arbeitsplatzes des Angeklagten und jedes Mal zu dessen Schichtende.

Geckofähigkeiten

Dass der Einbrecher nicht durchs Fenster stieg, lag nicht nur für den Geschäftsführer des Vereines, sondern auch für die Polizei auf der Hand. Einerseits sagte der Zeuge aus, dass gezielt nur der eine Schrank aufgebrochen wurde, in dem sich der Tresor befand. Andererseits gab es auch an den Fenstern keinerlei Einbruchsspuren. Und ohne eine Leiter wäre der Einstieg ohnehin nicht möglich gewesen, befand auch Richter Martin Jung in der Verhandlung: „Nur Geckos kommen ohne Weiteres diese Hauswand hoch.“

„Es ist klar, dass es jemand gewesen ist, der im Besitz der Schlüssel war“, sagte der Zeuge. Und die Anzahl der dafür in Frage kommenden Kandidaten sei auf lediglich sieben Personen einschränkbar, schließlich hatte man erst vor vier Jahren alle Schlösser ausgewechselt. Nicht einmal die Putzfrau hatte einen Schlüssel bekommen, sondern nur der Vereinsvorstand und der Trainer. Und diese Personen wurden alle mit einer Liste festgehalten. Diese erwies sich mit ein paar Lücken allerdings als Wimmelbecken menschlicher Ungenauigkeiten und trug nicht zur Belastung des Angeklagten bei.

Zudem war der Angeklagte zum Tatzeitpunkt nicht mehr im Besitz der benötigten Schlüssel gewesen. Und das Nachmachen der Schlüssel ist nicht ohne die dazugehörige Schlüsselkarte möglich.

Ob es jetzt tatsächlich der Angeklagte war, der sich Zugang zu den Räumlichkeiten des Vereines verschafft hatte und den kleinen Tresor, den der Geschäftsführer als einen „wie man ihn aus Hotel kennt“ beschrieb, aus dem Schrank riss, in dem er festgeklebt war, das konnte ihm nicht nachgewiesen werden. In dubio pro reo lautet hierfür der lateinische Fachterminus – zu Deutsch: Im Zweifel für den Angeklagten.

Fundunterschlagung

Für eine Verurteilung wegen Unterschlagung plädierte die Staatsanwältin dennoch. Denn schließlich kann eine gefundene Geld-Karte nicht einfach behalten und benutzt werden. Vor allem nicht, wenn sich der Angeklagte noch von einer früheren Anstellung gut mit diesem Karten auskenne, wie er selbst angab. Das Urteil wegen Fund­unterschlagungs der Prepaid-Karte war eine Geldstrafe in Höhe von 300 Euro.