Todes-Unfall in Airbuswerk: Freispruch

Menden/Nordenham..  Eine direkte Verantwortlichkeit für den Arbeitsunfall konnte ihm nicht nachgewiesen werden: Im Prozess um den Tod eines 29-jährigen Mendener Montagearbeiters im Airbus-Werk Nordenham ist der 54-jährige Angeklagte freigesprochen worden. Der Richter fand aber dennoch deutliche Worte.

Warum musste der Mendener am 21. April 2008 sterben? Es waren viele Arbeitsschritte, die dazu geführt hatten, dass er gegen 12.30 Uhr von einem herabfallenden Kranteil tödlich getroffen wurde – und sie lagen in verschiedenen Händen. Die Schuldfrage lässt sich deshalb schwer beantworten. Das ist während des Prozesses vor dem Amtsgericht Nordenham deutlich geworden.

Laut Richter Tobias Dumas ist es zu einer Verkettung mehrerer Ursachen gekommen. Der angeklagte Elektriker aus Franken sei das letzte Glied der Kette gewesen. Daher der Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung. Andere Personen waren zuvor beschuldigt, die Verfahren aber eingestellt worden.

Wären Verwandte des Getöteten bei der Zeugenvernehmung dabei gewesen, wäre das für sie unerträglich geworden, sagte Richter Dumas. Alle Zeugen hätten versucht, „sich herauszulavieren“, hätten gesagt, sie wüssten nicht genau, was passiert sei. „Die Zeugen äußerten sich eher nebulös, damit man ihnen nicht beikommen kann.“

Der Arbeitsunfall ist in einer Halle des damals noch zu Airbus gehörenden Werkes von Premium Aerotec in Einswarden geschehen. Eine Firma aus Franken hatte vier neue Kran-Transportwagen für die Galvanisierungsanlage hergestellt. Eine Anlagenbaufirma aus dem Sauerland hatte sie in der Werkshalle zusammengebaut. Bei einer Sichtkontrolle kam es zu dem Arbeitsunfall.

Wie sich herausgestellt hat, war die Fernbedingung für den Kranwagen, die der Angeklagte von einem Mitarbeiter der Anlagenbaufirma ausgehändigt bekommen hatte, noch nicht ausreichend programmiert. Darüber war der Angeklagte aber nicht informiert worden. „Davon wusste offenbar niemand, auch nicht der Mitarbeiter, der sie programmiert hat. Das ist erschreckend“, so Richter Tobias Dumas.

Der Anwalt der Mutter der Verstorbenen plädierte ebenso wie der Staatsanwalt für eine Geldstrafe. Denn der Angeklagte hätte ihrer Ansicht nach genauer hinsehen und auch reagieren können und müssen. Der Anwalt beklagte, dass niemand der Mutter gesagt habe: „Es tut mir leid“. Dies griff Richter Tobias Dumas auf. Es sei eine Schande, dass sich niemand, auch nicht der Arbeitgeber des Opfers, gerührt habe.

Der Autor ist Redakteur der Nordwest-Zeitung Oldenburg.