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Tierfänger-Vorwurf gegen Altkleider-Sammler

13.06.2007 | 08:00 Uhr

Menden. Müssen sich Mendener Hunde- und Katzenbesitzer Sorgen um ihre Tiere machen? Zurzeit ist im Stadtgebiet ein Verein unterwegs, der angeblich Altkleider und -schuhe sammelt. Im Internet gibt es Dutzende Seiten, auf denen gewarnt wird, es handele sich

Seit Wochen werden in verschiedenen Mendener Stadtteilen im Auftrag des "Clubs für Behinderte in Brasilien e.V." (Frankfurt/Main) graue Wäschekörbe aufgestellt, in denen ein Zettel klebt, mit dem um Kleider- und Schuhspenden gebeten wird. Das gewerbliche Sammelbüro Ercan Recycling hole die Kleidung als Vertragsunternehmen ab. Der Erlös aus der Lizenzvergabe werde für soziale und karitative Zwecke verwendet.

Tierfreunde warnen im Internet vor dem "Club für Behinderte in Brasilien". Regelmäßig verschwänden im Zuge der Sammlungen auch Tiere, insbesondere Katzen, so der Vorwurf. Auf der Internetseite www.haustierdiebstahl-in-deutschland.de wird für den vergangenen Monat sogar für Menden eine Tierfängerwarnung ausgesprochen. Ausdrücklich wird die "so genannte Eimer - oder Wäschekörbemethode" genannt, mit der die Tiere gefangen würden: "Die Sammlungen werden genutzt, um sich in Einfahrten oder Straßen aufzuhalten, ohne direkt aufzufallen. Während dieser Zeit wird wahrscheinlich ausgespäht, wo Haustiere sitzen. (...) In der Nacht wird die Straße mit einem Lieferwagen abgefahren und die Haustiere ebenfalls mit Lockstoffen angelockt. Sie werden eingefangen und betäubt."

Bei der Stadt und dem auch für Menden zuständigen Tierheim Iserlohn gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass in Menden vermehrt Tiere verschwinden. "Aber da muss man trotzdem vorsichtig sein", warnt die Mendenerin Barbara Kemper, Vorsitzende des Tierschutzvereins. In Iserlohn seien vor einiger Zeit kurz nach einer anderen Spendenaktion etliche Tiere verschwunden: "Die ziehen die Spendenaktion durch, um vom Tierfang abzulenken. Damit haben wir ganz schlechte Erfahrungen gemacht. In einer Straße sind zum Beispiel gleich fünf oder sechs Katzen verschwunden, in einer anderen drei Hunde." Die Tiere seien nie wieder aufgetaucht. Anwohner hätten beobachtet, dass die Insassen eines weißen Kombis, dessen Scheiben verhangen waren, Katzen anlocken wollten.

Und wie werden die Tiere gefangen? "Bei Hunden reichen oft normale Leckerchen", berichtet Barbara Kemper. Katzen werden mit Lockmitteln (zum Beispiel Baldrian) geködert, der durch eine Klappe am Boden eines Lieferwagens geträufelt wird, weiß Barbara Kemper. Befinden sich die Tiere unter dem Fahrzeug, "kommt von oben der Griff mit der Hand oder eine Schlinge". Die Tiere werden ins Ausland gebracht, um dort weiterverarbeitet zu werden, berichtet Barbara Kemper. "Rheumadecken aus Katzenfell zum Beispiel. Oder man kauft in einer Boutique in Deutschland einen Pulli mit Fellbesatz. Darauf steht dann die Bezeichnung ,Gae-Wolf'. Dabei handelt es sich um ganz normale Haushunde. Viele kaufen das gutgläubig und ahnen nicht, was sie anziehen."

Gehört der "Club für Behinderte in Brasilien" auch zu solchen Tierfängern, wie vielfach im Internet behauptet wird? Der Verein wehrt sich auf seiner Homepage www.clubrazil.de gegen die Vorwürfe. Die Frankfurter Kripo habe wegen Verdachts auf Katzendiebstahl gegen den Verein ermittelt. Das Verfahren sei eingestellt worden. "Manchmal hauen Katzen einfach ab. Und dann sollen wir es gewesen sein", klagt Vereinsvorsitzender Michael Erich Lickar im Gespräch mit der WP. Er sieht nur ein Manko: Die Fahrzeuge fahren zurzeit ohne jeglichen Vereinshinweis, demnächst sollen Aufkleber angebracht werden. Auch Handan Ercan, Geschäftsführerin des Sammelbüros Ercan, beteuert: "Für unsere Fahrer lege ich die Hand ins Feuer. Die haben damit nichts zu tun. Viele Katzen werden auch von Jägern erschossen."

Die Stadt Menden hat keine Handhabe, um gegen die Sammlung vorzugehen. "Es gibt leider kein Sammlungsgesetz mehr", erläutert Hans Schmidt, Leiter der Ordnungsbehörde. "Nur wenn die Behältnisse auf öffentlichen Straßen aufgestellt werden, muss eine Sondernutzungsgenehmigung beantragt werden." Genau das muss der "Club für Behinderte in Brasilien" aber nicht, weil die Körbe auf Privatgrundstücken platziert werden.

Die für Menden zuständige Verbraucherzentrale Iserlohn empfiehlt, "lieber die Kleiderkammern vor Ort zu unterstützen", so Susanne Wasmuth, Leiterin der Beratungsstelle. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) - das gemeinnützigen Vereinen eine Art Gütesiegel verleiht - rät von Spenden an den "Club für Behinderte in Brasilien" ab. Wie Geschäftsführer Burkhard Wilke vorrechnete, sei bei dem Verein der Anteil von Werbe- und Verwaltungsausgaben mit mehr als 35 Prozent "unvertretbar hoch".

Von Corinna Schutzeichel

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