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Kreditbetrug

Täter kaufen unter falschem Namen im Elektromarkt ein

12.04.2010 | 21:00 Uhr

Das Strafgericht in Menden hat gestern einen 22-jährigen ehemaligen Elektrowarenverkäufer zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Er hatte Kunden mit Hilfe gefälschter Personalien Kredite für Spielkonsolen, Computer und Fernseher verschafft.

Günstiger sind neue Notebooks oder TV-Geräte nicht zu bekommen. Man geht in einen Elektronikladen, beantragt mit falschem Namen einen Kundenkredit, nimmt seinen neuen Flatscreen unter den Arm und lässt die Bank auf ihren Ratenforderungen sitzen.

Genau zehn Mal hat diese Taktik im vergangenen Frühjahr in Menden funktioniert. Die unbekannten Täter erhielten bei ihren Betrügereien allerdings die Hilfe eines Angestellten des Elektrogeschäfts. Er verschaffte ihnen die Kreditverträge, obwohl für ihn klar war, dass er die falschen Personalien bekommen hatte — davon jedenfalls war Strafrichter Jens-Christian Festersen gestern nach der Beweisaufnahme überzeugt.

Im Januar 2009 kamen die Gauner zum ersten Mal in das Geschäft. Der 22-Jährige füllte für sie die Kreditunterlagen aus. Spätestens am nächsten Tag musste für ihn klar sein, dass etweas nicht stimmte. Denn die selben Kunden tauchten erneut auf, um per Ratenkredit einzukaufen — allerdings unter anderem Namen. Der 22-Jährige fragte nach. Und bekam sinngemäß zur Antwort: „Das geht dich nichts an”. Mehr noch: Die Unbekannten hätten ihm gedroht, dass sie seinen Heimweg und seine Familie kennen würden, berichtete der Angeklagte gestern.

Und so füllte der 22-Jährige weiter Kreditanträge aus. Immer wieder genehmigte die entsprechende Bank die Kredite. Die falschen Personalien fielen nicht auf, weil die Bank nicht die Existenz der angegebenen Personen überprüfte, sondern lediglich bei der Schufa nach negativen Einträgen nachfragte — und nicht existierende Personen haben nun einmal gar keine Schufa-Einträge.

Für Richter Festersen stand am Ende der Beweisaufnahme fest, dass der junge Mann wissentlich an zehn vollendeten Betrugsfällen beteiligt war. Gesamtschaden: Mehr als 20 000 Euro zu Lasten der Bank. Ein elfter Betrugs-Versuch scheiterte, weil eine andere Verkäuferin misstrauisch wurde und die Firmenleitung einschaltete. Die Betrüger waren zu leichtsinnig geworden und hatten sich typisch deutsch klingende Namen ausgedacht, obwohl sie selbst südländisch aussahen.

Der 22-Jährige büßt nun doppelt für seine Betrügereien: Sein Arbeitgeber kündigte ihm noch am selben Tag, an dem der Schwindel aufflog. Der junge Mann hält sich nun mit 400-Euro-Jobs über Wasser. Vom Strafgericht bekam er gestern auch noch eine zehnmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung aufgebrummt, was eine aktenkundige Vorstrafe bedeutet.

Richter Festersen ließ jedoch auch das Vorgehen der geschädigten Bank nicht unkommentiert: „Erschreckend einfach” sei die Betrugsmasche gewesen. Das hat sich offenbar auch in Kriminellenkreisen herumgesprochen, denn ähnliche Betrugsfälle hat es auch in umliegenden Städten gegeben.

Thorsten Bottin

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