Sucht bei Frauen beginnt unauffällig

Gabi Weißkirchen und Anne-Kristin Hitzschke (links) sind die Ansprechpartnerinnen der Suchtberatung Menden.
Gabi Weißkirchen und Anne-Kristin Hitzschke (links) sind die Ansprechpartnerinnen der Suchtberatung Menden.
Foto: privat

Menden..  „Wir haben festgestellt, dass wir es in unserer Beratungsstelle immer häufiger mit längeren Beratungsprozessen zu tun haben“, sagt Anne-Kristin Hitzschke von der Suchtberatung Menden. Der Katholische Verein für Soziale Dienste in Menden SKM und die Diakonie Mark-Ruhr in ökumenischer Trägerschaft bieten die Beratung gemeinsam am Westwall in der Innenstadt an.

„Erfreulicherweise ist die Hemmschwelle geringer geworden, sich bei uns zu melden, was auch damit zu tun hat, dass das Thema Suchterkrankung in den Medien und in den Schulen in den letzten Jahren intensiv aufgegriffen worden ist“, sieht Anne-Kristin Hitzschke hier einen Zusammenhang. Im zurückliegenden Jahr haben 101 Männer und 41 Frauen die Hilfe der Beratungsstelle in Anspruch genommen.

Gabi Weißkirchen bietet eine frauenspezifische Gesprächsgruppe dienstags um 10 Uhr an: „Die Sucht bei Frauen beginnt leise und unauffällig. Ein Glas Wein oder ein Beruhigungsmittel nach einem langen Arbeitstag – niemand denkt sich etwas dabei, doch irgendwann läuft nichts mehr ohne den kleinen Schluck nach Feierabend oder die Pille vor dem Schlafengehen“, so Gabi Weißkirchen. Die Gruppe verfolgt unter anderem die Ziele, das eigene Rollenverständnis zu klären, sich mit der persönlichen Suchtentwicklung auseinanderzusetzen oder Abgrenzungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Darüber hinaus lädt Anne-Kristin Hitzschke immer montags um 10.15 Uhr zur Orientierungsgruppe für Menschen in der Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten ein. Hier werden einerseits grundlegende Kenntnisse über Abhängigkeit und Hilfsmöglichkeiten vermittelt, und andererseits soll eine Auseinandersetzung mit der persönlichen Suchtgeschichte angestoßen werden. Beide Gruppen werden in der Suchtberatung (Westwall 19) angeboten.

Gabi Weißkirchen ist neu im Team der Suchtberatung seit Ende des vergangenen Jahres. Sie ist als Elternzeitvertretung für Barbara Schary-Marty beschäftigt. Die Diplom-Sozialarbeiterin verfügt über eine suchttherapeutische Zusatzausbildung und hat in den zurückliegenden Jahren für die Diakonie in Gelsenkirchen und Wattenscheid ebenfalls in der Suchtberatung gearbeitet. „Die Probleme und Herausforderungen sind mit Blick auf das Thema Sucht ähnlich wie in Menden, auch wenn man das vielleicht zunächst nicht vermutet“, sagt Gabi Weißkirchen.

Thema Essstörungen

Für das Jahr 2015 hat sich die Suchtberatung Menden viel vorgenommen, so wird sie sich beispielsweise wieder an der Aktionswoche Sucht beteiligen und sich in Kooperation mit der Stadt Menden dem Thema Essstörungen widmen.

Wie gewohnt bietet die Suchtberatung auch dieses Jahr wieder eine offene Sprechstunde an – und zwar dienstags von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 11 bis 12 Uhr. Darüber hinaus können Termine unter 02373/2688 sowie per E-Mail an suchtberatung.menden@diakonie-mark-ruhr.de vereinbart werden.

In den Fokus rückt auch 2015 wieder das ambulante therapeutische Angebot für Menschen mit einer Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigkeit. Geeignet ist diese ambulante Behandlung vor allem für Personen, die sozial eingebunden sind sowie ihre Erwerbsfähigkeit oder ihren Arbeitsplatz nicht weiter gefährden wollen. „Wir haben hiermit gute Erfahrungen gemacht. Für manche ist die ambulante Therapie besser und effektiver als eine stationäre. Aktuell stellen wir dieses Angebot bei den Ärzten in unserer Region vor“, erläutert Gabi Weißkirchen.

Die ambulante Rehabilitation und die ambulante Nachsorgebehandlung, die im Rahmen des Therapieverbunds ARS-MK als Leistung der Rentenversicherungsträger angeboten wird, wurden im Jahr 2014 stark nachgefragt und sollen deshalb auch weiter fortgeführt werden. Denn gerade auch das Feedback der Teilnehmenden ist hier für Ansporn.

„Hilfestellung im Alltag“

Auf die Frage, was an dieser ambulanten Behandlungsform hilfreich und unterstützend ist, bekamen Gabi Weißkirchen und Anne-Kristin Hitzschke von den Teilnehmern der laufenden Therapiegruppe unter anderem diese Antworten: „Ich sehe die Suchtberatungsstelle als einen Ort, wo man vorübergehend alles loswerden kann, was einen belastet, und hier Verständnis von anderen erhält“; „Ich kann dort meine Abstinenz festigen, Lebensthemen, die für mich wichtig sind, besprechen und aufarbeiten“; „Ich erhalte Hilfestellungen zu allen Dingen des täglichen Lebens“; sowie „Vertrauen aufbauen zu den Bezugstherapeuten, nicht ständig wechselnde Bezugspersonen, wie in den stationären Fachkliniken“.

Anlaufstelle

Die Suchtberatung Menden bietet Information, Prävention, Beratung, Begleitung und Vermittlung in (teil-)stationäre Einrichtungen im Bereich legaler Suchtmittel und nicht substanzbezogener Süchte.

Sie ist eine Anlaufstelle für suchtgefährdete und suchtkranke Menschen und deren Angehörige: „Mit ihren jeweils individuellen somatischen, psychischen und sozialen Belangen“, so die Einrichtung.