Strafprozess gegen Eltern zieht sich in die Länge

Menden/Arnsberg..  Die Strafverhandlung gegen die Eltern eines misshandelten Kleinkinds am Landgericht Arnsberg zieht sich immer weiter hin. Gestern wurde der Bericht einer psychiatrischen Gutachterin über die angeklagte Kindesmutter unterbrochen.

Konkreter Arbeitsauftrag

Die 2. Große Strafkammer am Landgericht formulierte den Arbeitsauftrag an die Psychiaterin konkreter und will ihre Aussage am 5. Februar fortsetzen. Mit den Plädoyers der Strafverteidiger und des Staatsanwalts sowie mit dem Urteilsspruch ist aber erst an einem der Folgetermine zu rechnen.

Die beiden Eltern sind angeklagt, weil sie ihre zum Tatzeitpunkt erst drei Monate alte Tochter Ende 2012 nicht vor Misshandlungen geschützt haben sollen. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft konnten in den Ermittlungen im Vorfeld des Verfahrens aber nicht klären, wer von den beiden Eltern für die Taten überhaupt in Frage kommt.

Im Raum steht auch noch die Möglichkeit, dass eine dritte Person das Baby verletzt hat. Die 2. Große Strafkammer will deshalb klären, inwieweit die Eltern die Misshandlungen erkannt und dennoch nichts zum Schutz des Kindes unternommen haben.

Schuldfähigkeit beurteilen

Von der psychiatrischen Gutachterin gab es im ersten Teil ihres Berichtes gestern Morgen zu dieser Frage keine eindeutige Antwort. Sie hatte im Dezember 2012 mit der Kindsmutter gesprochen. Beim nächsten Verhandlungstermin möchte die Strafkammer von der Psychiaterin erfahren, ob die Mutter die Verletzungen des Babys seinerzeit überhaupt als Misshandlung erkannte – oder ob sie von Unfallverletzungen ausging. Falls die Gutachterin Anzeichen dafür sieht, dass die Mutter selber als Täterin in Frage kommt, muss die Schuldfähigkeit der Kindsmutter beurteilt werden. Behandelnde Ärzte der Hemeraner Prinzhorn-Klinik hatten der Mutter nämlich eine posttraumatische Belastungsstörung attestiert, weil die Angeklagte selber als Kind von ihrem Vater misshandelt worden war.

Für den angeklagten Kindsvater ist im Übrigen kein psychiatrisches Gutachten erstellt worden. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin hatten die Ermittlungen zuvor auch keine Hinweise darauf ergeben, dass auch er vermindert schuldfähig sein könnte.