Stepptanz und Livemusik ohne Effekthascherei

Menden..  Sanfte Klänge einer keltischen Ballade perlen durch den dunklen Saal. Auf der Bühne im Hintergrund sitzen fünf Musiker, alle schwarz gekleidet, die einfach ruhig und konzentriert ihre Instrumente spielen: Flöte, Akkordeon, Gitarre, Banjo, Piano, irische Handtrommel. Eine zarte junge Frau im goldenen Kleid beginnt wunderschön rein und klar zu singen, während sich im Vordergrund vier Tänzerinnen auf den Bühnenboden hocken. Doch in Sekundenschnelle wandelt sich die anrührende Ballade zu einem rasanten irischen Stepptanz, bei dem sich die Wilhelmshöhenbesucher (leider ist der Saal nur zur Hälfte besetzt) zu ersten Juchzern und „Bravo!“-Rufen hinreißen lassen.

Großartige Show

Mit „Spirit of Ireland“ gastierte am Mittwochabend eine großartige Tanz- und Musikshow in Menden, die die besten irischen Stepptänzer und -tänzerinnen sowie erstklassige Musiker live auf der Bühne vereinte. Im Gefolge der Welterfolge „Riverdance“ und „Lord of the Dance“ bildeten sich seit den 80er Jahren zwar eine Vielzahl „irischer“ Tanz- und Musikshows heraus; doch „Spirit und Ireland“ ist da schon etwas sehr Besonderes: Die komplette Show wird nicht nur live auf der Bühne getanzt, sondern auch die Musik ist durchgehend live – bei fast allen anderen Irish-Dance-Produktionen kommt wenigstens ein Teil der Musik „aus der Dose“. Hier wird alles live von fünf Musikern gespielt, die man sich in ihrer völligen Unaufdringlichkeit und grundsympathischen Zurückhaltung sehr gut auch in jedem irischen Dorfpub vorstellen könnte.

Ihre künstlerische Bandbreite beweisen sie zusammen und im Wechsel mit den seelenvollen Klängen der Uilleann Pipes (traditionelle irische Flöte), sanft schwingendem Piano und Akkordeon und natürlich mit der ungestümen Irish Fiddle, zu der die Tänzer in schwindelerregendem Tempo „klackerdi-klack“ im Stepptanz über die Bühne wirbeln. Dazu farbenfrohe Kostüme – vier Tänzerinnen, eine hübscher als die andere, in Kleidern in Rot, Pink, Flaschengrün und Sonnengelb. Die ausgeklügelte Lichtshow wahrt ebenfalls dezente Zurückhaltung und verzichtet wie die Tanz- und Musikstücke auf Effekthascherei; extrem sympathisch ist das alles. Dazu gehört auch, dass das Ensemble dem Publikum ein denkbar schlichtes und nicht gerade kurzes Piano-Solostück zumutet, bei dem Stephan Heffernan mit irrsinnigem Gefühl nachdrücklich die künstlerische Qualität der Show unter Beweis stellt.

Leuchtende Augen

Es mag sein, dass „Spirit of Ireland“ Zuschauern mit kommerziellen Erwartungen ein bisschen zu ruhig ist. Auf der Wilhelmshöhe sah man jedoch überall strahlende Gesichter und leuchtende Augen; mitgewippt und im Takt geklatscht wurde reichlich, der begeisterte Zwischen- und Schlussapplaus sprach für sich. Und noch lange im Ohr bleiben wird dabei vor allem die wunderbare Stimme der feengleichen Sängerin Lisa Murphy.