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Sprechstunde beim Blutegel: Wenn Bisse heilen können

14.02.2012 | 17:59 Uhr
Sprechstunde beim Blutegel: Wenn Bisse heilen können
Heilpraktikerin Bettina Schauerte bietet mobile Blutegel-Therapie an.

Hüingsen.   Die 53-Jährige Bettina Schauerte hat im vergangenen Jahr ihre Heilpraktiker-Prüfung absolviert und bietet nun bei verschiedensten Erkrankungen die Therapie mit Blutegeln an.

Die meisten Patienten müssen sich erst mal ein wenig überwinden, die kleinen Helfer an ihre Haut zu lassen. Mit einem Vorgespräch will die Mendenerin Bettina Schauerte helfen, Ängste abzubauen. Die 53-Jährige hat im vergangenen Jahr ihre Heilpraktiker-Prüfung absolviert und bietet nun bei verschiedensten Erkrankungen die Therapie mit Blutegeln an.

Zwei Blutegel befinden sich neben einigen Steinen in einem Glasgefäß auf dem Tisch vor Bettina Schauerte: „Das ist ein so genanntes Egel-Auge“, erläutert Bettina Schauerte. Die 53-Jährige ist gelernte Medizinisch-Technische Assistentin, hat nach ihrem Studium in Osnabrück als Gesundheitswissenschaftlerin am Placida-Viel-Berufskolleg unterrichtet und nimmt derzeit ein Sabbat-Jahr. Die Auszeit will die Mendenerin dazu nutzen, ihre mobile Blutegel-Therapie-Praxis aufzubauen.

Durch den oben aufliegenden gläsernen Verschluss des Gefäßes können Patienten die Blutegel erst einmal aus sicherer Entfernung unter die Lupe nehmen. Dass der Verschluss dicht ist, ist sehr wichtig, denn: „Egel flüchten auch mal gerne“, schmunzelt Bettina Schauerte. Zudem seien es „sehr sensible Tiere“: Bei Witterungsumschlägen, bei Patienten mit eingecremter oder parfümierter Haut beißen die Egel nämlich nicht.

Heilpraktikerin Bettina Schauerte

Genau das sollen die Egel aber tun: Beißen, um zu heilen. Die possierlichen Tierchen raspeln mit ihren kleinen Kalkzähnchen wie mit einem Sägemesser in die Haut des Patienten. Dann „bearbeiten“ sie eine Stelle, saugen sich fest und nehmen dabei Blut des Patienten auf. Dabei geben sie verschiedene Wirkstoffe (Salvia) an den Patienten ab. Wenn sie satt sind, lassen sie sich in der Regel einfach abfallen. Je nach Hautstelle dauert das meistens 20 bis 30 Minuten, kann aber in Einzelfällen auch mal eineinhalb Stunden in Anspruch nehmen. Bei seiner „Mahlzeit“ sollte man den Blutegel auf keinen Fall stören. Nebenwirkungen habe eine Blutegel-Therapie keine, sagt Bettina Schauerte, „man merkt höchstens ein leichtes Zwicken beim Ansetzen des Blutegels“. Nachdem die Egel abgefallen sind, kommt es für 12 bis 24 Stunden zu Nachblutungen, so dass die Stelle verbunden werden muss.

Die Therapie mit Hilfe von Blutegeln ist sehr alt. „In der indischen Medizin wurden Blutegel bereits 100 bis 600 vor Christus eingesetzt, in Europa ab 200 vor Christus“, weiß Bettina Schauerte. „Durch die moderne Medizin sind die Blutegel dann in Vergessenheit geraten.“

Seit 2005 sind Blutegel Medizinprodukte und unterliegen dem Arzneimittelgesetz, so Bettina Schauerte. Das bedeutet auch, dass jeder Blutegel nur ein einziges Mal eingesetzt werden darf. Danach muss er getötet werden, berichtet Bettina Schauerte. Dazu könne er entweder in Spiritus gelegt oder eingefroren werden: „Ich friere die Blutegel lieber ein und nach 24 Stunden kann ich sie – gut verpackt – über den Hausmüll entsorgen.“

Corinna Schutzeichel

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