Spielhallenraub: Gutachter gefragt

Menden..  Kann ein geständiger Angeklagter ohne Gutachten über seine Schuldfähigkeit für den Überfall auf eine Spielhalle verurteilt werden, wenn in der Hauptverhandlung herauskommt, dass er seit 20 Jahren Drogen konsumiert? Im Fall des 40-jährigen Mendeners, der gestern vor der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts Arnsberg stand, verneinte der Vorsitzende Richter Teipel diese Frage: Die Verhandlung, die schon kurz vor dem Abschluss zu stehen schien, wurde – auch auf Zuraten der Staatsanwaltschaft – für drei Wochen unterbrochen. In dieser Zeit soll ein Sachverständiger den in U-Haft einsitzenden Mendener untersuchen.

In Handschellen in den Saal

Der Angeklagte, in Handschellen in Saal 3 des Landgerichts geführt, gab an, auch vor der Tat am Morgen des 21. Oktober letzten Jahres Amphetamine und Marihuana konsumiert und zudem nächtelang nicht geschlafen zu haben. In einer Spielhalle am Bräukerweg habe er sein letztes Geld verzockt, als ihm auf dem Heimweg die Idee zu dem Überfall kam. Er holte von zuhause ein Messer, zog sich einen Kapuzenpulli über und kehrte zu der allein in der Spielhalle verbliebenen Aufsicht zurück. Der 65-jährigen Frau habe er dann das Messer gezeigt, sei hinter die Theke gegangen und habe die Kasse ausgeräumt. Kleingeld und Scheine ergaben als Beute einen mittleren dreistelligen Betrag. Damit flüchtete er.

Die einzige Tatzeugin sah sich indes nicht in der Lage, an der Verhandlung in Arnsberg teilzunehmen: Ihr Arzt attestierte ihr, dass sie seit der Tat unter Angstzuständen und Panikattacken leidet. „Ich bitte Sie um Verständnis, ich möchte das nur vergessen“, las der Richter aus ihrem Schreiben vor. Zuvor hatte der Angeklagte ihr über seinen Anwalt aus der U-Haft ein Entschuldigungsschreiben zukommen lassen – nach Angaben der Hagener Anstaltsleitung führt er sich als Häftling „beanstandungsfrei“. Auch Anhaltspunkte für eine Suchterkrankung seien in der Haft nicht erkennbar.

Dennoch entschied sich das Gericht nach zwei Beratungspausen für die Einschaltung eines Gutachters, auch um auszuschließen, dass der Bundesgerichtshof sonst das Urteil in einer Revision kassieren könnte. Man unterliege der Pflicht zur Aufklärung, begründete Richter Teipel. Und: Während einer vorangegangenen Bewährungsstrafe habe der Angeklagte im Ergebnis „mehr schlecht als recht“ versucht, seine Sucht nach Aufputschmitteln abzulegen. Hier müsse aber der erste Ansatz liegen.

Folgetermin jetzt der 2. März

Für den Mendener geht es mit der Bewertung des Sachverständigen um viel: Zum einen soll geklärt werden, ob er damals erkennen konnte, dass er ein Unrecht begeht. Zugleich entscheidet der festgestellte Grad seiner Abhängigkeit über die Frage, ob er zum Entzug in eine Spezialklinik muss, oder ob er im Fall einer erneuten Bewährung eine bereits beantragte Therapie als freier Mann antreten kann.

Die Verteidigung plädierte für letzteres, da es aus ihrer Sicht auf einen minder schweren Fall hinauslaufen kann. Eine Einweisung hält der Anwalt für „übertrieben“, auch kämen Patienten aus Entzugskliniken nicht unbedingt gesünder heraus.

Diese Bewertung will das Gericht indes dem Gutachter überlassen. Folgetermin ist nun der 2. März.