Sommerzeit verschiebt 1 Megawatt

Menden..  Wenn in der Nacht zum Sonntag die Sommerzeit einsetzt und es statt 2 Uhr nachts plötzlich 3 Uhr ist, dann bedeutet das für die Mendener nicht nur eine Stunde weniger Schlaf. Auch die Zeit der Verbrauchsspitzen beim Strom verschiebt sich, bestätigte auf WP-Nachfrage Jochen Mertin, der bei den Stadtwerken den Messstellenbetrieb leitet.

Mertin verglich zwei „Lastgang“-Grafiken aus der Umstellungsphase im letzten Jahr. An ihnen ist das Einsetzen der Sommerzeit genau abzulesen: Für den 30. März 2014 zeigt die Kurve den höchsten Tagesverbrauch zwischen 19 und 20 Uhr an. Am Folgetag – nach der Umstellung – liegt die Spitze zwischen 20 und 21 Uhr.

Laut Mertin hat das vor allem mit der Beleuchtung zu tun: Nicht nur die Straßenlaternen werden abends eine Stunde später eingeschaltet, auch in den Haushalten drücken die Leute später auf den Schalter.

All das macht nach Angaben der Messstelle in der Verschiebung etwa ein Megawatt aus – die Leistung einer kleineren Windkraftanlage. Das ist keine Größenordnung, die den Strom-Experten der Stadtwerke Kopfzerbrechen bereitet: „Dafür müssen wir nichts zuschalten oder verändern“, allerdings sei der Mehrverbrauch durch die Umstellung beim kurzfristigen Strom-Einkauf zu berücksichtigen. Am Ende gleiche sich aber alles wieder aus, schließlich wird die Uhr im September auch wieder zurückgestellt.

Dass messbare Strom-Ausschläge zur Sommerzeit-Umstellung nur vom Licht herrühren, ist für Mertin klar: „Das Licht wird später eingeschaltet, während alle anderen Gewohnheiten dieselben bleiben. Wer immer um 19 Uhr zu Abend isst, wird das unabhängig von der Sommerzeit auch weiter so halten.“

Auch zum Duschen und Zähneputzen müssen die Mendener nach der Umstellung eine Stunde eher raus, doch das sei angesichts der Gesamtwassermenge kaum messbar, betont Jochen Mertin. Die großen Wasserreserven der Stadtwerke in den Hochbehältern glichen jeden Mehrverbrauch problemlos aus. Und auch hier müsse für die etwas später erhöhte Förderleistung kein Hebel umgelegt werden.

Auch sonst wird die Sommerzeit weitgehend automatisiert erkannt und eingestellt. Das gilt für zentral geschaltete Bahnhofsuhren ebenso wie für moderne, funkgesteuerte Parkschein-Automaten, PCs oder Navigationsgeräte.

In Menden gibt es laut Jochen Mertin etwa 30 000 Stromzähler, also Verbrauchsstellen. Grundsätzlich nimmt der Verbrauch ab etwa 17 Uhr zum Abend hin stark zu. Tagsüber liegt der Spitzenwert genau um die Mittagszeit, doch auch dann ist es noch deutlich weniger als abends. Im Winter ist der Verbrauch höher, weil Nachtspeicherheizungen als Stromverbraucher zugeschaltet werden. Richtig in die Knie gehen die Verbrauchskurven an langen Wochenenden.