Senioren hinterfragen Strompreis

Menden..  Wegen der jüngsten Strompreiserhöhung der Stadtwerke Menden hatte Professor Horst Pieper, der erste Vorsitzende der Seniorenunion Menden, einen Besuch der Senioren bei den Stadtwerken arrangiert. Deren Geschäftsführer Bernd Reichelt lud die Seniorenunion in das neue Wasserwerk an der Fröndenberger Straße ein, um Rede und Antwort zu stehen. Gleichzeitig wurde die im November 2012 neu eröffnete Wasseraufbereitungsanlage besichtigt.

Versorgungssicherheit kostet Geld

Professor Horst Pieper stellte gleich zu Anfang die Frage: „In vielen Städten wird der Strompreis zurzeit gesenkt. In Menden geht es gegen den Trend. Warum?“ Bernd Reichelt erläuterte, dass die Stadtwerke viele Bereiche bearbeiten und finanzieren müssten. Es gehe um Netzentgelte, Klimaschutz, Versorgungssicherheit, Energiewende, Verbraucherschutz, CO2-Reduzierung und Wirtschaftlichkeit. „Für all dies müssen wir Geld in die Hand nehmen, denn es gilt die Regel: Jeder Haushalt soll jederzeit Wasser, Gas und Strom erhalten“, so Reichelt. Seinen Angaben zufolge hätten sich die Stadtwerke Menden in den Jahren 2010 bis 2014 immer im günstigsten Drittel der geprüften Versorgungsunternehmen befunden: „Wir belegten Platz 33 von 117 Unternehmen.“

Reichelt verdeutlichte, dass die Stadtwerke ein öffentliches Unternehmen seien: „Der Rat der Stadt ist unsere höchste Instanz. Er entscheidet, wohin der Weg geht. Was das Unternehmen erwirtschaftet, bleibt in unserer Stadt.“ In den nächsten Jahren würden die Investitionen nach oben gefahren, zum Beispiel werde im kommenden Jahr der Bau eines neuen Umspannwerkes begonnen.

Dann rechnete Bernd Reichelt vor: Bei einem Haushalt, der 3000 Kilowattstunden im Jahr verbrauche und einen Grundversorgungsvertrag habe, lägen die Mehrkosten der Preiserhöhung bei 1,60 Euro pro Monat. Wer einen Fixvertrag habe, zahlt 2015 bei diesem Verbrauch 0,60 Euro im Monat mehr. Der Stadtwerke-Chef lud die Mitglieder der Seniorenunion ein: „Wenn Sie Fragen zu Ihrem Vertrag haben, melden Sie sich bitte bei uns. Wir erklären Ihnen den Sachverhalt gern.“

Auf Antonius Frickes Nachfrage, warum man denn gegen den Trend den Preis erhöhe – in Werl würden 3500 KWh 972 Euro kosten, während in Menden 1027 Euro veranschlagt würden – betonte der Geschäftsführer der Stadtwerke: „Wir reagieren immer eng am Markt. Wir haben dem Bürger nicht vorher in die Tasche gegriffen.“

Gewinn geht an die Stadt Menden

Es wurde auch seitens der Senioren der Verdacht geäußert, dass der Kämmerer eventuell Wünsche geäußert und für die Stadt einen höheren Gewinnanteil gefordert habe. „Stadtkämmerer haben immer Wünsche. Wir kämpfen für unser Unternehmen, damit wir für die Zukunft finanziell gut genug ausgestattet sind“, antwortete Reichelt, ohne konkrete Zahlen zu nennen.