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Seit 150 Jahren auf fremden Dächern

30.08.2011 | 13:00 Uhr
Seit  150 Jahren auf fremden Dächern
Der Dachdeckerbetrieb Nolte ist seit 150 Jahren in Menden. WP-Foto: privat

Menden.Dass er Dachdecker werden wollte, stand für Jörg Nolte schon von Kindesbeinen an fest: „Das war mein Herzenswunsch.“ Kein Wunder, schließlich haben schon vor ihm mehrere Generationen seiner Familie das Handwerk gelernt. Im August feiert der heimische Betrieb sein 150-jähriges Bestehen.

„Den geehrten Bewohnern von Menden und Umgegend mache ich hiermit die ergebene Anzeige, daß ich mich vom heutigen Tage ab als Schiefer- und Ziegeldeckermeister hier etablirt habe. Zudem ich prompte, reelle und billige Bedienung verspreche, empfehle ich mich für alle in mein Fach schlagende Arbeiten bestens.“ Mit diesen Worten gab Dachdeckermeister Bernhard Niggemann am 14. August 1861 in einer Zeitungsanzeige bekannt, dass er sich selbstständig gemacht hatte.

Nach Bernhard Niggemann, der eine Witwe namens Nolte heiratete, übernahm deren Sohn Franz später den Betrieb. Nach ihm folgte Carl Nolte (manchmal auch Karl geschrieben, er war von 1919 bis 1923 Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Menden), dann wieder ein Franz Nolte, anschließend Karl Nolte. Der heutige Inhaber Jörg Nolte führt den Betrieb mittlerweile in der sechsten Generation – davon in der fünften Generation unter dem Namen Nolte.

Sein Handwerk gelernt hat er bei einem Betrieb im Hochsauerland, kehrte danach in das Familien-Unternehmen zurück, das er 2000 als Inhaber übernahm. Neben ihm kümmern sich neun Mitarbeiter und seine Ehefrau Nicole (im Büro) um das Tagesgeschäft. Das Kerngeschäft des Betriebes Am Vogelsang liegt in Menden: „Wir machen zwar auch mal Aufträge in Iserlohn oder Hemer“, erläutert der Dachdeckermeister. „Aber ich habe was dagegen, wenn sich Handwerker auf der Autobahn begegnen. Das macht keinen Sinn.“

Das Arbeitsgebiet, das Dächer und Fassaden umfasst, hat sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert: „Zum Beispiel wird das Thema Wärmeschutz immer wichtiger“, erklärt Jörg Nolte. Und bei Fassaden werden auch neue Werkstoffe eingesetzt, die einem Gebäude beispielsweise „eine futuristische, ganz moderne Optik“ verleihen. „Es gibt für fast jedes Problem eine Lösung“, setzt Jörg Nolte auf die Zusammenarbeit mit seinen Auftraggebern.

Eines hat sich in den 150 Jahren, in denen der Dachdeckerbetrieb Nolte nunmehr besteht, nie geändert: Ein Dachdecker sollte schwindelfrei sein. Jörg Noltes Urgroßvater Carl Nolte starb, als er am 20. April 1904 bei der Arbeit in Hemer-Sundwig vom Kirchturm fiel. „Er hat offensichtlich das Gleichgewicht verloren“, berichtet Jörg Nolte.

Der 49-Jährige ist selbst vor eineinhalb Jahren mit einer Leiter, die vermutlich auf Raureif stand, weggerutscht. Dabei zog er sich einen Fersenbeintrümmerbruch zu. Heute gebe es zwar im Vergleich zu früher viele Sicherheitsvorschriften, erläutert Jörg Nolte: „Aber absolute Sicherheit gibt es nie.“

Corinna Schutzeichel

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