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"Schwalbe"-Kriegsgefangene: Die Wahrheit zu missliebig?

04.05.2008 | 21:00 Uhr

Menden. Nirgendwo sonst in der Region sind in den 1940er Jahren ähnlich massiv Kriegsgefangene missbraucht und drangsaliert worden wie beim "Schwalbe"-Kriegsrüstungsprojekt in Menden. Die Stadt tut sich schwer mit der Aufarbeitung. ...

Elmar Dederich: "In meinen ,Schwalbe'-Vorträgen nie einen CDU-Ratsherren gesehen. Andere schon."

... Elmar Dederich, ausgewiesener Kenner des Themas, erfährt bei seinem "Schwalbe"-Buchprojekt wenig bis keine Unterstützung.

An einen Zufall mag Dederich längst nicht mehr glauben. Erst vor Wochen hatte er - nach eigenem Bekunden - bei Bürgermeister Düppe vorgesprochen, um für das Buchprojekt um Unterstützung zu bitten. Eine positive Antwort hat er nicht bekommen. Stattdessen musste Dederich Ende vergangener Woche einen Vorstoß des CDU-Stadtverbandes zur Kennntnis nehmen. Demnach solle das Thema "jetzt wissenschaftlich aufgearbeitet werden".

Ein Historiker - abgesehen von Fragen des Honorars - müsste einen reichlich langen Atem haben, um sich auch nur ansatzweise Dederichs Erkenntnisse zugänglich zu machen. "Ich habe intensiv acht Jahre recherchiert. Zwar nicht wissenschaftlich, aber seriös." Nicht nur für Dederich liegt der Verdacht nahe, dass viele Mendener Politiker das Thema am liebsten unter den Teppich kehren würden: "Mich haben mehrfach führende CDU-Ratsherren gebeten, ich solle die Finger davon lassen. Es bringe doch nichts."

Eine Premiere ist das, was Dederich gerade erlebt, keineswegs. Helmut Hoffmann, einst Leiter des Mendener Museums, hatte vor allem in den 1970er und 1980er Jahren akribisch Fakten zum Thema "Schwalbe" gesammelt. An Ergebnissen war freilich kaum ein Politiker ernsthaft interessiert. Mehr noch: Immer wieder wurde Hoffmann hinter vorgehaltener Hand bedeutet, sich gefälligst als Museumsleiter nicht öffentlich zu diesem Themenkomplex zu äußern.

Nicht unbeteiligt am CDU-Vorstoß, einen Wissenschaftler zu beauftragen, war Antonius Fricke. Der Heimatkundler und städtische Beauftragte für Bodendenkmalpflege teilt Dederichs Ergebnisse nur in Grenzen. Während Dederich von etwa 10 000 am "Schwalbe"-Projekt Beteiligten ausgeht, will Fricke eine deutlich geringere Zahl ausgemacht haben. Dederich und Fricke haben diesbezüglich auch schon mal öffentlich einen Disput ausgetragen.

Etliche Christdemokraten treibt indes auch ganz aktuell eine Sorge um: Ihnen scheint ein sich abzeichnender "Schwalbe"-Buch-Veröffentlichunggstermin schon jetzt im Magen zu liegen. "Erst die Massengräber in Barge, dann Neonazi Rieger mit Kaufabsichten für Gut Rödinghausen. Wenn da noch mehr Negativ-Schlagzeilen kommen, könnte Menden einen riesengroßen Imageschaden erleiden." Eine Haltung, die freilich nicht nur bei Christdemokraten anzutreffen ist. Obwohl Dederich feststellt: "Im Übrigen habe ich mit diesem Thema vor verschiedenen Institutionen in elf Vorträgen bereits ca. 1300 Mendener Bürger erreicht. In diesen elf Vorträgen saß nie ein CDU-Ratsmitglied; Ratsmitglieder aller anderen politischen Parteien wurden in den Vorträgen gesehen. Erstaunlich deshalb das jetzige Interesse der CDU an diesem Thema."

Gut möglich, dass neue und ganz aktuelle Erkenntnisse Dederich vom Publizieren abhalten sollen. Der ehemalige Lendringser Bürgeramtsleiter weiß mittlerweile, dass "fast 250 Lendringser Familien Quartiergeber für Mitarbeiter von Rüstungsfirmen aus allen Teilen des Landes waren".

Dederich sieht sich nicht in der Lage, das Buch-Projekt komplett allein zu stemmen. "Ich will mich nicht bereichern und auch kein Honorar für die viele Arbeit. Ich möchte nach Möglichkeit die Sicherheit haben, nicht über die Maßen privat zuzahlen zu müssen."

Die Stellungnahme von Elmar Dederich zum CDU-Antrag: Seite 3

Von Heinz-Jürgen Czerwinski

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Kommentare
06.05.2008
14:43
Schwalbe-Kriegsgefangene: Die Wahrheit zu missliebig?
von 58706Knut | #5

Nix gelernt - Wie Elmar Dederichs Aufarbeitung von Geschichte in seinen Schwalbe-Vorträgen bei den Stadtrepräsentanten nicht ankommt


Keine Atempause, Geschichte wird gemacht - es geht voran! - So sangen schon in den 80er Jahren die Fehlfarben in ihrem kulturkritischen Song Ein Jahr.

Ganz in dem dort kritisierten Sinne spukt durch das randgebietige Menden wohl leider immer noch Geschichtsverdrängungspolitik im Stile der adenauerschen 50er Jahre in vielen Köpfen und Gassen. Schade, dass vor allem die Mendener Christdemokraten das angebliche Risiko eines Imageschadens, offenkundig immer mit einem schiefschielenden Seitenblick auf die ökonomische Prosperität, höher bewerten als die Pflicht zur Aufklärung von NS-Verbrechen gegen die Menschheit. Offenbar tun sie das auch noch in Unkenntnis der Sachlage, haben sie sich doch nicht einmal in Dederichs Vorträgen informiert. Au weia!

Auch mit der moralischen Integrität der Stadtvertreter ist es angesichts solcher Vorlieben wohl nicht weit her. Ich finde das schockierend.

Alles Gute noch Herrn Dederich bei seinen weiteren Bemühungen.

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Kein Vergeben - Kein Vergessen!

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@zafas: [Ironiemodus an] Oh, da hat wohl einer schonmal was von Goethe gehört, wie beeindruckend. [Ironiemodus aus]

Es ist eine Frechheit und vollkommen weg vom Thema, Dederich lediglich Verlangen nach Publicity für einen Tag zu unterstellen... Aber es liegt ja so schön nahe, ihn zu diffamieren, wo finanzielle Interessen schonmal ausfallen. [kopfschüttel]

Ähnliches @Stefan

06.05.2008
10:23
Schwalbe-Kriegsgefangene: Die Wahrheit zu missliebig?
von zafas | #4

die Gretchenfrage ist: was bringt es, außer Publicity für einen Tag.

06.05.2008
08:56
Schwalbe-Kriegsgefangene: Die Wahrheit zu missliebig?
von Stefan | #3

Herr Dederich, was haben Sie eigentlich davon, die alten Geschichten aufzuwärmen ? Haben Sie eigentlich keine anderen Probleme ? Es sind alles interessante Geschehnisse, aber man sollte sich mehr um die heutigen Probleme Gedanken machen, oder nehmen Sie sich vielleicht für zu wichtig ?

05.05.2008
19:22
Schwalbe-Kriegsgefangene: Die Wahrheit zu missliebig?
von ichhier | #2

Oh wie süß-
Da sorgt man sich
Ob eines eventuell -wer -weiß riesengroßen Imageschaden wegen dem was vor langer Zeit gewesen ist.
Die meisten Wähler indes sorgen sich um das was heute ist, zB hier am Bahnhof wo der Besucher das Licht unserer Stadt erblickt....der übrigens weltstädtisch ist, zumindest sah ich gleiches in der NY-Bronx, damals 1984.

05.05.2008
11:21
Schwalbe-Kriegsgefangene: Die Wahrheit zu missliebig?
von osis | #1

Menden hat schon lange ine Problem mit mißgriffen der älterne und jüngeren Vergangenheit.

Egal ob NS-zeit, oder Bahnhof. Aber das hier leute aufegfordert werden ruhig zu bleiben ist unverchämt.

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