Schlechte Zeiten für die Hasen

Ein selten gewordener Schnappschuss: WP-Fotografin Martina Dinslage erwischte hier einen waschechten Mendener Feldhasen.
Ein selten gewordener Schnappschuss: WP-Fotografin Martina Dinslage erwischte hier einen waschechten Mendener Feldhasen.
Foto: WP

Menden..  Morgen kommt der Osterhase in viele Mendener Haushalte und erfreut kleine und große Kinder. Seinem natürlichen Vorbild, dem Feldhasen, geht es in Menden dagegen „richtig schlecht“, weiß der Leiter des heimischen Hegerings, Philipp Nikodem. „Im Norden unserer Stadt, wo die großen Felder liegen, gibt es wegen der modernen Landwirtschaft mit ihren schnellen Maschinen, mit Gülle und Chemie kaum noch Feldhasen, da wird es drastisch weniger“, berichtet Nikodem.

In den Wäldern, wo die Hasen mehr Schutz finden, gebe es sie noch häufiger – allerdings stellen ihnen dort die Uhus nach, die sich seit einiger Zeit stark vermehrten. Auch Krähen gingen auf die Hasenjagd, wobei sie nur kranke und schwache Tiere erwischen könnten. „Ein gesunder, ausgewachsener Hase ist dagegen alles andere als eine leichte Beute.“

Hinzu kämen aber noch andere Faktoren: So dürfte der vergleichsweise kalte und nasse März dem ersten Wurf des Jahres stark zugesetzt haben, vermutet der Mendener Hegeringleiter. „Das überleben die wenigsten Junghasen, und es gibt nur noch ein bis zwei Würfe.“ Damit nicht genug, gebe es zum Herbsthin immer wieder so etwas wie eine Hasenpest, die plötzlich haufenweise tote Tiere hinterlasse.

Vor Jahren, berichtet Nikodem, habe er nach dem Auffinden zahlreicher verendeter Hasen einen dieser Kadaver an die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) geschickt. Das alarmierende Ergebnis: Fast alle Organe des Tieres wiesen Entzündungen auf, die offenkundig auf die Aufnahme von Gülle und Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft zurückgingen.

Eine Bejagung der Feldhasen finde daher kaum noch statt, in vielen der 28 Mendener Reviere verzichteten Jäger auch außerhalb der Schonzeit darauf, um die Bestände nicht einschneidend zu dezimieren. Laut Nikodem funktioniert das auch trotz Jagd: „Man fährt nachts los und beleuchtet die Felder mit starken Scheinwerfern. Dann werden die Hasen gezählt und später höchstens ein Drittel dieser Zahl geschossen.“ Dass der Bund für Naturschutz Deutschland BUND neben einer ökologischen Landwirtschaft gerade wieder ein Verbot der Hasenjagd forderte (Infobox), wundert Nikodem nicht. Aber: „Noch nie in den letzten 200 Jahren haben Jäger eine Tierart ausgerottet. Mit den Naturschützern verbindet uns viel mehr, als es diese ständigen Angriffe vermuten lassen. Wenn die mit uns zusammenarbeiten würden, könnten wir das Doppelte erreichen.“

So schließe sich auch der Hegering der Aufforderung der Landwirtschaftskammer an Bauern an, die an Feldrändern „Blühstreifen“ für Wildkräuter anpflanzen sollen. Darin könnten die Feldhasen und andere gefährdete Arten Deckung und Nahrung finden. Bisher sei ihm aber nicht bekannt, dass solche zehn Meter breiten Streifen in Menden schon angelegt worden wären, sagt Philipp Nikodem.

Der einzige Hase, den er in letzter Zeit zur Strecke gebracht habe, „das war ein Schoko-Osterhase aus dem Fundus meiner Frau“.