Schaubühne brilliert bei Kishon-Premiere

Herausragend bei der Kishon-Premiere „Es war die Lerche“: Die Mendener Schaubühne mit Werner Innig (Romeo) und Zlata Dahmen (Julia).
Herausragend bei der Kishon-Premiere „Es war die Lerche“: Die Mendener Schaubühne mit Werner Innig (Romeo) und Zlata Dahmen (Julia).
Foto: Tobias Schad

Menden..  TV-Legende Peter Frankenfeld hat einmal einen schönen Witz über die Liebe erzählt: „Liebe macht blind. Man liebt und liebt und irgendwann kann man sich nicht mehr sehen.“ Dieser Witz ist eine sehr passende Inhaltsangabe für Ephraim Kishons Stück „Es war die Lerche“, mit dem die Mendener Schaubühne am Freitagabend im Theater Am Ziegelbrand Premiere feierte.

Das „heitere Trauerspiel mit Musik“ spinnt die Geschichte von Romeo und Julia weiter. Was wäre passiert, wenn das größte Liebespaar aller Zeiten seinen Suizid überlebt hätte? Soviel sei verraten: nichts Gutes. Sie hassen sich bis aufs Blut. Weil ihre Familien stets gegen eine Verbindung waren, sind die einstigen Fürstenkinder mittlerweile verarmt. Ihre 14-jährige, arg promiskuitive Tochter Lucretia, genannt Luky, hasst sie genauso sehr, wie Romeo und Julia einander. Beide wollen aus der Ehehölle entfliehen, wissen aber nicht wie. Auch Pater Lorenzo, der sie einst verheiratete, weiß keinen Rat. Nicht einmal Romeos innige Beziehung zu seiner Wärmflasche geht als Ehebruch und somit als Scheidungsgrund durch. Die Situation ist so verfahren, dass der Geist von William Shakespeare persönlich einschreiten muss. Doch leider hat das ganz andere Folgen als von dem großen Dichter gedacht.

Großartig gespielt

Unter der Regie von Anke Lux spielen sich die Darsteller gegenseitig an die Wand. Allen voran die grandiose Zlata Dahmen als Julia. Ihre Wutausbrüche und ihre Zickigkeit sind einfach zum Niederknien. Die Frau kann wirklich alles spielen. Binnen Sekunden verwandelt sie sich von der angenervten Hausfrau zum zahmen Kätzchen und zurück. Ihr Spiel reißt alle anderen auf der Bühne mit. Da mutiert sogar der sonst eher zurückhaltende Werner Innig als Romeo schnell vom stoffeligen Verlierer zum Kotzbrocken. Wirklich sympathisch ist er nie, nicht einmal bei seinen herzzerreißenden Musicaleinlagen.

Romeo und Julia liefern sich gepfefferte Wortgefechte, die Liz Taylor und Richard Burton alle Ehre machen. Wenn dann auch noch Nadine Maier als Lucretia mitmischt, wünscht man sich eine Rückspultaste, um sich das wieder und wieder ansehen zu können.

Immer wieder gelacht

Das Premierenpublikum fällt vor Lachen fast von den Stühlen. Die ganze Situation ist gleichzeitig herrlich absurd und ein bisschen wahr. Irgendwie kann sich jeder ein bisschen in diese Streitereien einfühlen. Trotzdem vermag niemand, echte Empörung zu empfinden.

Rudolf Maier hat wahrscheinlich in seiner langen Zugehörigkeit zur Schaubühne schon alle Charakterrichtungen gespielt. Sein William Shakespeare ist irgendwo zwischen Märchenonkel, Alleinunterhalter und Graf Dracula angesiedelt. Ein alter Mann, der sein Lebenswerk in Gefahr sieht, aber allzu menschlichen Gelüsten erliegt und daher keinen Ausweg sieht. Ihm dabei zuzusehen, wie er ganz langsam den Glauben an sich und seine Kunst verliert, gleichzeitig aber wegen der jungen Lucretia aufblüht, ist schlichtweg großartig.

Während Johanna Roefs-Harlinghausen als Julias ehemalige Amme den schiefhängenden Haussegen noch ein bisschen mehr in Schräglage bringt, läutet Frank Steinhage als leicht seniler Pater munteres Zitate-Raten quer durch Shakespeares Werke ein. Sogar der Dichter selbst verwechselt seine Dramen nach so vielen Jahren.

Das einzig Traurige an dem Stück ist, dass es endet. Niemand mag sich am Ende trennen, zu groß ist das Lechzen nach noch mehr Lachern. Oder liegt es an Werner Innigs Beinen? Die sehen in Strumpfhosen nämlich sehr gut aus. Wer wissen möchte, wie die größte Liebesgeschichte aller Zeiten eine zweite Chance bekommt, hat dazu noch bis Anfang Mai Zeit.