Rentnerin klaut Geldkarte aus Briefkasten

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Menden.. 75 Lebensjahre hatte sie straffrei überstanden. Und nun stand die Rentnerin aus Menden gleich wegen vier Vergehen vor Gericht. Der Vorwurf: Diebstahl und Betrug in jeweils zwei Fällen.

Laut Anklage soll die 75-Jährige zwei Briefe aus dem Briefkasten ihrer Nachbarn geklaut haben, einen mit einer Geldkarte der Sparkasse darin, den anderen mit der dazugehörigen PIN-Nummer. Die Angeklagte hingegen behauptete, die Briefe im Altpapier gefunden zu haben. Die geladenen Zeugen widersprachen dieser Aussage. „Ich habe jeden Tag in den Briefkasten geguckt, weil ich die Briefe erwartete. Ich hatte sogar schon bei der Bank angerufen, weil nichts kam“, so der eine Zeuge.

Gewissheit, dass die Karte geklaut wurde, erhielten die beiden Nachbarn der Angeklagten, als sie beim Online-Banking feststellten, dass mit der Karte Geld abgehoben wurde: erst 100 Euro und dann noch einmal 40 Euro. Daraufhin ließen sie die Karte sofort sperren. Richter Festersen stellte fest: „Selbst wenn sie die Briefe auf dem Müll gefunden haben, waren es ja eindeutig nicht ihre. Das wäre dann Unterschlagung. Das ist vor dem Gesetz von der Strafe her gleichwertig.“

Die Rentnerin hatte ihren Fehler schon vor der Verhandlung eingesehen, sich bei den Geschädigten entschuldigt und das Geld zurück gegeben. Das und die Tatsache, dass sie bis zu diesem Zeitpunkt straffrei geblieben war, veranlassten Richter und Staatsanwalt dazu, das Verfahren vorläufig einzustellen. Die Angeklagte muss nun als Auflage 600 Euro an das Kinder-Hospiz in Olpe zahlen. Dennoch blieben nach dem Verfahren einige Fragen offen: Warum hatte die Rentnerin, die sich in keiner wirtschaftlichen Not befand, die Briefe genommen? Und warum hob sie nur zwei Mal solche kleinen Beträge ab? Darauf hatte sie selbst keine Antworten. „Ich weiß selbst nicht, warum ich es gemacht habe“, gab sie reumütig vor Gericht zu.lmi