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Satire-Abend

Rathausplatz-Rinne als Zeichen des Bösen

01.01.2012 | 18:54 Uhr
Rathausplatz-Rinne als Zeichen des Bösen
Eine Szene aus Scaramouche Katastrophen-Kultur Menden 21. Foto: Martina Dinslage

Menden.   Mit vor Stolz geschwellter Brust kann Volker Fleige künftig durch die Stadt gehen. Welcher Bürgermeister kann schon von sich behaupten, dass sich fast ein ganzer Satire-Abend mit ihm beschäftigt? Mit „Menden 11” arbeitet sich Mendens linke Kulturszene an ihrem ehemaligen Mitstreiter ab. Das aber auf furiose Weise.

Mit vor Stolz geschwellter Brust kann Volker Fleige künftig durch die Stadt gehen. Welcher Bürgermeister kann schon von sich behaupten, dass sich fast ein ganzer Satire-Abend mit ihm beschäftigt? Mit „Menden 11” arbeitet sich Mendens linke Kulturszene an ihrem ehemaligen Mitstreiter ab. Das aber auf furiose Weise.

Ob das die Autoren von „Menden 11“ am Anfang so beabsichtigt hatten? Nun gut, Volker Fleige wird heftig kritisiert: Als selbstgefälliger und ich-bezogener Alleinherrscher über Menden, der quasi ein Kritikverbot erlassen hat. Der die Hoffnungen enttäuscht hat nach dem Ende der jahrelangen schwarzen-dunklen CDU-Macht in Menden, die eingangs des Stücks in Herr-der-Ringe-Manier gezeigt wird. Doch wenn er wirklich so eitel ist, dann haben die Autoren und Schauspieler von „Menden 11“ Volker Fleige einen Riesen-Gefallen getan. Denn weite Teile des satirisch-sarkastischen Jahresrückblicks, der Silvester im Scaramouche seine viel umjubelte Premiere feierte, widmen sich dem Bürgermeister.

Menden-Interna

Stoff bietet er allerdings auch reichlich und die Umsetzung ist höchst intelligent. Etwa mit dem Ukulelen-Mann (Bodo Schulte), der für Volker Fleige vor der Wahl Lobeshymnen in der Fußgängerzone singt, ihn beim Amtsantritt noch als Lichtgestalt bedichtet, um später enttäuscht die Ukulele wegzuwerfen. Geadelt wird Volker Fleige aber vor allem durch einen grandiosen Hannes Lappe, der den Bürgermeister völlig überdreht, aber dennoch erstaunlich realitätsnah darstellt.

Es geht aber dann eben doch nicht nur um Fleige. „Menden 11“ – so die Rahmenhandlung – wird aus einem Studio im alten Bahnhofsgebäude gesendet. Die Moderatoren Claudia (Astrid Taubert) und Klaus (Stefan Neuhaus) moderieren den Rückblick, empfangen Gäste und schalten raus in die Stadt. Da wird etwa die umstrittene Wasserrinne auf dem Alten Rathausplatz zur Inkarnation des Bösen: Im Stile eines alten Edgar-Wallace-Krimis wird sie verantwortlich gemacht für blutige Verletzungen in der Stadt oder aber auch für den Verlust von Pastor Bechheims Schützenhut.

Börsenbericht aus Kneipe

Es sind die kleinen, aber feinen Menden-Interna, die das Stück zum Genuss werden lassen. In die Kategorie passt dann auch die Live-Schaltung aus dem Menden-11-Studio in Buddes etwas angeranzte (frühere) Markt-Kneipe, um im Stile der Börsenberichterstattung die Reaktion „des Markts” auf die Mendener Geschehnisse 2011 einzufangen. Vor den Mächtigen der Wirtschaft wird nicht Halt gemacht: OBO-Chef Ulrich Bettermann muss sich nach seinen öffentlichen Worten gegen die Frauenquote in Führungsetagen den Spiegel vorhalten lassen. Bei „Menden 11“ sind es die Putzfrauen, die das Unternehmen retten, die Bilanz polieren und am PC die Fehler des Chefs korrigieren.

Ein Riesen-Pfund der Inszenierung sind die bitterbösen Spott-Gesänge. Etwa der Chor des Kindergartens Osterfeld, den McDonalds aus Sympathie für die letztlich gescheiterte Hähnchenmastanlage gespendet hat. Jetzt wird gesungen: „In der Hähnchenmästerei gibt’s ne große Keulerei.”

Hier und da irritierte Gesichter im Publikum nur beim Schluss-Lied, weil das statt Spott einen großen Schuss Pathos enthält und die Bürger zum Mitmachen aufruft: „Was Menden braucht bist Du.” Die Katastrophen-Kultur mag links sein, im Grunde ihres Herzens ist sie aber auch äußerst Menden-patriotisch.

Was wichtig und gewichtig war, kam vor in „Menden 11“. Nachdenklich müssen die sein, die nicht oder nur in Nebensätzen vorkamen: etwa Mendens Parteien.

Michael Koch

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Kommentare
02.01.2012
22:04
Rathausplatz-Rinne als Zeichen des Bösen
von freier_buerger | #1

Gibt es dafür eigentlich schon einen Antrag für das Guiness-Buch der Rekorde für die längste Pinkelrinnne der Welt? lol

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