Radikale werben um Jugendliche

Bei einer Informations- und Diskussionsveranstaltung im Hönne-Berufskolleg
Bei einer Informations- und Diskussionsveranstaltung im Hönne-Berufskolleg
Foto: WP

Menden..  Die extremistische Bewegung „Islamischer Staat“ wirkt inzwischen bis nach Westeuropa hinein und wird von vielen Menschen als ernsthafte Bedrohung für unsere demokratische Gesellschaft empfunden. Mehr als 600 hauptsächlich junge Männer, aber auch Frauen, sind inzwischen von Deutschland nach Syrien gegangen, um sich dort dem IS anzuschließen. Auch im Märkischen Kreis werben radikale Gruppen um Jugendliche. In Menden führte die Polizei Razzien durch, wobei Material sichergestellt wurde.

Aus diesem Grund hat die Europaunion Märkischer Kreis eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Die europäische Wertegemeinschaft und der Salafismus“ am Berufskolleg des Märkischen Kreises durchgeführt. Schülerinnen und Schüler des Rahel-Varnhagen-Kollegs gestalteten mit Texten und Szenen das Programm. Dr. Gabriele Schulte-Kurteshi war als Kennerin des Islams und des arabischen Kulturkreises eingeladen. „Die Europaunion ist eine Bürgerbewegung mit dem Ziel der Vereinigten Staaten von Europa. Wir wollen diesen Traum an die junge Generation bringen“, erklärte Michael Böck, der Geschäftsführer und stellvertretende Vorsitzende der Europaunion Märkischer Kreis.

Die Charta der Menschenrechte sei eine großartige Errungenschaft. Im Artikel 10 werde jeder Person das Recht auf freie Religionsausübung zugesprochen. „Natürlich ist der Islam auch bei uns angekommen“, so Michael Böck. Toleranz sei gefragt, aber Intoleranz unter dem Deckmantel der Religion könne nicht toleriert werden. Es gäbe islamistische Bewegungen, die Demokratie und Religionsfreiheit bekämpfen würden.

Toleranz und Fanatismus

Dr. Gabriele Schulte-Kurteshi sprach über Entwicklungen im Islam, aber auch in der christlichen Kirche: „Es gab im Islam Epochen großer Toleranz, zum Beispiel im maurischen Spanien. Hier hatten Juden, Christen und Muslime nebeneinander Platz. Erst als Spanien zurückerobert wurde und die christliche Kirche ihren Einfluss zurückgewann, mussten die Juden das Land verlassen. Der IS bedeutet heute einen Rückfall in die Barbarei.“ Die größten Opferzahlen verzeichneten allerdings die Muslime selbst. Auch junge Frauen ließen sich heute radikalisieren und gingen in Gefängnisse, um dort den Koran und islamistische Flugblätter zu verteilen.

Die Schülerinnen und Schüler des Rahel-Varnhagen-Kollegs zeigten dann auf einer Leinwand eine schockierende öffentliche Massenhinrichtung und berichteten, dass ein ehemaliger Schüler des Kollegs heute radikalisiert sei. Die Schüler Burak und Tolga stellten dann in einer Spielszene die Auseinandersetzung zwischen einem liberal denkenden und einem fanatischen Muslim dar. Die Meinung des einen: „Das hat nichts mit Religion zu tun.“ Der andere: „Ich ziehe in den Kampf. Als Märtyrer warten im Paradies 72 Jungfrauen auf mich.“

„Auch über die Musik wird versucht, islamistische Ideen zu verbreiten. Der ehemalige deutsche Rapper Denis Cuspert, der sich inzwischen in Syrien aufhalten soll, hat Textzeilen wie ‘Wir wollen euer Blut, es schmeckt so wunderbar’ geschrieben“, so der Rahel-Varnhagen-Schüler Philipp. Weitere Texte, zum Beispiel über die Rolle der Frau, kamen von Kai, Viola und Danial.

Werte achten und respektieren

„Der islamische Staat kann nur durch Muslime zurückgedrängt werden. Dies ist schwierig, denn einen Menschen, den man Bruder nennt, abzulehnen, ist sicher nicht leicht“, betonte Dr. Gabriele Schulte-Kurteshi und Michael Böck schloss mit den Worten: „Die Werte unserer Demokratie, die Charta der Menschenrechte, müssen in Europa von allen Religionsgemeinschaften geachtet und respektiert werden.“