Radfahrer zeigen Menden rote Karte

So begeistert wie diese Zweiradfahrer beim Volkssporttag sind nicht alle Freizeitsportler angesichts der Radfahrmöglichkeiten in Menden.
So begeistert wie diese Zweiradfahrer beim Volkssporttag sind nicht alle Freizeitsportler angesichts der Radfahrmöglichkeiten in Menden.
Foto: WP

Menden..  Bei Fahrradfahrern hat Menden keinen guten Ruf. Das gilt zumindest, wenn man die Ergebnisse der aktuellen Fahrradklima-Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zugrunde legt. Denn da ist die Hönnestadt in der Kategorie der Städte mit 50 000 bis 100 000 Einwohnern auf dem 98. Platz gelandet – von 100 Städten. Die Gesamtwert im Schulnotensystem: 4,4.

„Als verantwortlicher Planer tut so ein Ergebnis mit Sicherheit ein bisschen weh“, räumt Ralf Weier von der städtischen Abteilung Planung und Bauordnung ein. Es handele sich hier aber um eine „rein subjektive Bewertung“. Das Radverkehrskonzept sei im Rahmen der Verkehrsentwicklungsplanung derzeit ohnehin in Bearbeitung. Und die Bilanz einer repräsentativen Haushaltsbefragung im Rahmen der Verkehrsentwicklungsplanung sei „nicht ganz so dramatisch“. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorgestellt werden.

Nach Ralf Weiers Einschätzung hänge die subjektive Bewertung auch vom jeweiligen Stimmungsbild in einer Stadt ab. Er ist auch selbst viel per Fahrrad im Stadtgebiet unterwegs. Manche Kritik, so seine Einschätzung, sei sicherlich begründet, werde aber von Fahrradfahrern in anderen Städten nicht ganz so negativ eingeordnet: „Ich will das nicht herunterspielen, aber ganz so dramatisch – Platz 98 von 100 – würde ich das nicht sehen.“

Zudem sei auch immer die Frage, wie viel Geld eine Stadt in eine entsprechende fahrradfreundliche Infrastruktur investieren will, betont Ralf Weier. Das sieht auch Stefan Sommer so. „Menden ist mit Sicherheit nicht die Fahrradstadt schlechthin“, sagt der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft (WSG). „Aber wenn man das politisch wollte, dann müssten auch die entsprechenden Gelder zur Verfügung gestellt werden.“

Gefühl, Radfahrer nicht gewünscht

Der Mendener Franz-Josef Knur ist passionierter Radfahrer und täglich mit dem Fahrrad unterwegs. „Das größte Manko in Menden ist der grundsätzlich abnehmende Umfang von Fahrradverkehrswegen“, benennt er den aus seiner Sicht größten Schwachpunkt. Als Beispiel führt er den Weg entlang der Unteren Promenade an, einst Fuß- und Radweg, inzwischen ein Gehweg, den Radfahrer nur noch in Schrittgeschwindigkeit nutzen dürfen. Darüber hinaus gebe es in Menden keine Verkehrsregelung, die den Radverkehr gestalte. „Insgesamt bekommen Radfahrer das Gefühl vermittelt, sie werden nicht gewünscht.“

Topographische Lage nicht optimal

Nicht optimal für Radfahrer sei schlichtweg auch Mendens topographische Lage: „Wer beispielsweise ins Lahrfeld oder zur Platte Heide will, fährt nur hoch. Und es hat nun mal nicht jeder ein E-Bike.“ Selbst wenn Menden fahrradfreundlicher werde, hält Stefan Sommer es für unwahrscheinlich, dass anschließend die Touristenströme fließen: „Touristisch hat das erst dann einen Wert, wenn wir einen hönnebegleitenden Radweg durch bis nach Balve und Neuenrade hätten.“ Unter touristischen Aspekten würde auch Franz-Josef Knur den Hönnetalradweg sehr begrüßen. Die Frage sei jedoch, inwieweit die Politik bereit sei, ihn auch attraktiv zu machen.

Stärken und Schwächen

Beim ADFC-Fahrradklimatest 2014 konnten Radfahrer zum sechsten Mal bewerten, wie fahrradfreundlich ihre Stadt oder Gemeinde ist. In Menden haben 118 Menschen ihre Meinung abgegeben. Vor zwei Jahren – bei der vorherigen ADFC-Umfrage – gab es in der Hönnestadt zu wenig Teilnehmer, so dass es für Menden keine Vergleichswerte 2014 – 2012 gibt.

Kurioserweise schneidet das Thema Fahrraddiebstähle in der Umfrage am besten ab: Hier sehen die Befragten vergleichsweise wenig Probleme, und Menden wird besser bewertet als ähnlich große Städte. Auch mit der Falschparkerkontrolle auf Radwegen sind die Radfahrer im Städtevergleich eher zufrieden.

Mendens Schwächen aus Sicht der befragten Radfahrer: Es gibt keine öffentlichen Fahrräder und zu wenig in Gegenrichtung geöffnete Einbahnstraßen. Auch das Fahren im Mischverkehr mit Autos und Lastwagen sowie die Führung an Baustellen gehört danach zu den Schwachstellen.