Protestantismus und Kunst – Gedanken zum Reformationsjubiläum 2017

Auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 lässt sich eine fast eindeutige Weichenstellung feststellen: Es soll eine ökumenische Feier mit Jesus Christus im Mittelpunkt geben. Ob damit Gedenken und Jubiläum zusammengeführt werden können, wird sich noch herausstellen müssen. Auf dem Hintergrund einer derartig geplanten Christusfeier seien hier ein paar Gedanken zum Verhältnis evangelische Kirche und Kunst zum Ausdruck gebracht. Bietet nicht gerade die Kunst eine Möglichkeit, 2017 ökumenisch zu feiern?


Wie der Protestantismus der Kunst, im Besonderen der Malerei, gegenüber steht, erfahren wir aus einer Stellungnahme Martin Luthers zu den Bildern. Er schreibt, sie seien „weder gut noch böse . . . man lasse es frei sein, sie zu haben oder nicht zu haben.“ Sie können jedenfalls zur Darstellung und Vergegenwärtigung des Glaubens beitragen, sagt der Reformator und hat diesbezüglich vor allem die Cranach-Bilder vor Augen. Im Gespräch mit Lukas Cranach d.Ä. entstanden zahlreiche Bilder, die die protestantische Lehre umsetzten, wie etwa das Altarbild in der Stadtkirche zu Wittenberg. So macht sich die Reformation die Kunst zu eigen, aber auch umgekehrt, die Künstler, die Maler – und hier sei auch Lukas Cranach d.J. erwähnt – versuchen die Reformation zu malen bzw. stellen ihre Werke in den Dienst derselben.


Ähnliches kann auch über die Musik gesagt werden. Für die meisten der Reformatoren gehört die Musik zu den segensreichsten Gaben der Schöpfung. Musik als „klingender Spiegel der Schöpfungsordnung“ .Bis ins 18. Jahrhundert hinein war unstrittig, dass der Musik „unmittelbare Spuren der Transzendenz“ innewohnen. Von hier ergibt sich der hohe Stellenwert der Musik innerhalb der evangelischen Kirche. Dabei dachten die Reformatoren vor allem auch an das Singen und Mit-Singen. Gesang als Ausdruck religiöser Erfahrungen sowie als Ausdruck des Lobpreises Gottes, denn erst damit gelangt die Musik an ihr Ziel. Der Mensch gibt, vereint mit der ganzen Schöpfung, im Lob Gottes das zurück, was er von ihm empfangen hat.


Dieses Anliegen nimmt etwa Johann Sebastian Bach im 18. Jahrhundert gleichsam auf und geht noch einen Schritt weiter: Die Vertonung der Bibeltexte geschieht mit dem deutlichen Ziel, die Ansicht der Reformatoren vom Verkündigungscharakter der Musik umzusetzen. Kirchenmusik ist lebendiges Christuszeugnis. So sind Bibel und Gesangbuch für Bach die entscheidende Quellen seiner Kirchenmusikalischen Werke.


Abschließend kann festgehalten werden, dass durch die Reformation die Rolle des Betrachters im Falle eines gemalten Kunstwerkes gestärkt hervorgehoben wird und die Rolle des Hörers sowie das Mit-Singen unterstrichen werden. Das hat Auswirkungen bis in die heutige Zeit. So könnte man sagen: Ja, gerade sie, die Kunst, bietet eine gute Möglichkeit, das Jubiläum 2017 ökumenisch zu begehen.


In diesem Sinne wünscht einen schönen und besinnlichen Sonntag
Hans D. Daubner, Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Menden