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Promis legen sich für Pflegevorsorge ins Zeug

22.01.2015 | 00:12 Uhr

Menden. Sie sind beide bekannt für klare Worte. Mal amüsante, mal knallharte. In jedem Fall Sätze, die Erinnerung bleiben. Gerade richtig beim Thema „Pflege und Demenz“. Franz Müntefering und Werner Hansch wissen beide, dass diese Probleme in der Gesellschaft immer noch zu oft tabuisiert und verdrängt werden. Auf der Wilhelmshöhe rufen sie am Mittwoch zum Handeln auf. 400 Menschen hören zu. Es sind die Gäste der Sparkasse Märkisches Sauerland Hemer-Menden, die mit dem Kundenforum das Bewusstsein der Menschen schärfen möchte – und am Ende auch ein klein wenig für die eigenen Vorsorgeprodukte werben will.

Familie spielt eine wichtige Rolle

Einst verglich der frühere SPD-Vizekanzler Müntefering üble Finanzinvestoren mit Heuschrecken. „Opposition ist Mist“ sagte er auch. Heute hört sein Publikum ihn Sätze sprechen wie „Zum Pflegen braucht man Herz und Hand“ oder „Hilfsbedürftigkeit ist keine Störung, sondern normal“. Müntefering hat selber seine Frau gepflegt, ist erst vor wenigen Tagen 75 Jahre alt geworden: „Ich weiß, wovon ich rede“, betont er. Er fordert mehr Geld, mehr Zeit und mehr Wertschätzung für Pflegekräfte. Und appelliert an alte Werte, die auch Pflegebedürftigen gut tun: „Die Familie ist der Kern der ganzen Veranstaltung“.

Werner Hansch nähert sich dem Thema „Pflege und Demenz“ mit Geschichten aus dem Leben von Rudi Assauer. Der Sportmoderator erlebte mit dem Schalke-Manager sportliche Höhen, aber auch die tragische Diagnose: „Der Macho aus der Sportszene hat plötzlich Alzheimer“, zitiert er die öffentliche Reaktion. Assauer ließ eine Dokumentation über sich drehen, damit habe er „entscheidende Impulse gesetzt“, betont Hansch. Seit jenem Frühjahr 2011 gehe die Gesellschaft offener mit dem einstigen Tabuthema um. Hansch ist sich mit Müntefering einig: Dieses Bewusstseinswandel ist die Chance dafür, dass sich die Politik und jeder einzelne Mensch mit dem Thema Pflege auseinandersetzt – und am besten handelt.

Dürfen zwei Prominente aus Sport und Politik bei solch einem ernsten Thema Werbung für Bankprodukte machen? Das ist wohl die falsche Frage, denn Pflege kostet Geld, und Pflegeversicherungen gibt es nicht ohne Banken und Versicherungen.

Forderung nach höheren Löhne

Zumal die Werbung nur dezent eingestreut wird. Erik Dagott, der Bereichsleiter Vermögensmanagement, rät bei der Podiumsdiskussion mit Müntefering und Hansch zu frühzeitiger Vorsorge, „es gibt da schöne und flexible Produkte“. Die Pflegeberaterin des Märkischen Kreises Annegret Röllmann pflichtet ihm aber schnell bei, weil die Finanzen für Pflegebedürftige und Pflegende eine große Rolle spielen. Auch Friedhelm Müntefering wird schnell wieder politisch – natürlich mit klaren Worten. Denn Geld für Vorsorge muss man erst mal haben. „Die Löhne müssen steigen“, fordert er. „Bei Niedriglöhnen und Minijobs kommt in Pflegeversicherungen zu wenig Geld an“.

Thorsten Bottin

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Promis legen sich für Pflegevorsorge ins Zeug
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2015-01-22 00:12
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