Passion heißt Leidenschaft

Das passiert mir selten: Ich schicke eine Pressemitteilung raus, um einen Gottesdienst anzukündigen, und bekomme postwendend einen Anruf vom Öffentlichkeitsreferenten.

„Machen Sie das wirklich?“, fragt er mich. „Veranstalten Sie wirklich einen Gottesdienst über Schokolade zum Beginn der Fastenzeit?“

Zugegeben, das Thema wirkt gewagt. Ein Gottesdienst über Schokolade.

Und dann auch noch am ersten Sonntag der Passionszeit, wenn viele Menschen gerade angefangen haben, auf Alkohol oder Fernsehen oder ihr Handy zu verzichten – oder eben auf Schokolade! Bei der Aktion „Sieben Wochen ohne“ machen viele mit, die die Fastenzeit nutzen, um wieder auf das Wesentliche in ihrem Leben zu achten. Oder um zu erfahren, mit wie viel Luxus sie sich normalerweise umgeben. Oder um mehr Zeit für Gott zu haben, freie Stunden für das persönliche Gebet oder das Nachdenken über Gott. Und wir feiern einen Gottesdienst mit Schokolade…

Ein wenig war es Zufall, dass der Gottesdienst auf diesem Termin gelandet ist. Aber mir gefällt der erste Sonntag der Passionszeit.

Sollen sich doch die Leute und der Öffentlichkeitsreferent fragen, ob das zusammengeht: Fasten und die Leidenschaft für Schokolade! Ich finde ja. Für viele steht beim Fasten die Konzentration auf Wesentliches im Mittelpunkt. Und im Mittelpunkt der Passionszeit steht die Leidenschaft – die Passion Gottes für die Menschen.

Er hängt so sehr an uns, dass er uns nicht verloren gibt. Das ist seine Leidenschaft, seine unverbrüchliche Liebe, für die er leidet.

Von dieser überschwänglichen Liebe spricht das Hohelied (Kapitel 8, Vers 6a) mit poetischen Worten:

Leg mich wie ein Siegel an dein Herz

wie ein Siegel an deinen Arm.

Denn stark wie der Tod ist die Liebe.

Ja, stark wie der Tod ist Gottes Liebe zu uns. Das ist seine Leidenschaft. Darum erleidet er den Tod – und nimmt ihm die Macht. Die Liebe ist stark wie der Tod, sie muss ihn nicht fürchten.

Und dann? Dann kommt das Leben für uns. Ein Leben in überfließender Fülle. Ein Leben mit Genuss – besser als Schokolade auf der Zunge. Geschmack und Bild der Liebe Gottes.

Wer das in übertriebener Askese ablehnt, der wird die Liebe und Leidenschaft Gottes nicht in ihrer ganzen fließenden Fülle erleben. Wie schade wäre das! Ich möchte mich auf die Suche nach der Leidenschaft Gottes machen. Warum nicht mit dem Geschmack von Schokolade auf der Zunge!?

Ein Wochenende voller Leidenschaft wünscht Ihnen