Ostermanns öffnen Stalltüren

Fröndenberg..  Groß war vor zwei bis drei Jahren die Aufregung um den Neubau eines weiteren Stalls auf dem Geflügelhof Ostermann in Stentrop. Und auch sonst produziert die Geflügelwirtschaft mit Horrorbildern eher Negativschlagzeilen. Das Ehepaar Ostermann möchte diesem Bild entgegenwirken und lädt für Sonntag zum „Tag des offenen Hühnerstalls“ ein.

Dr. Aline Veauthier möchte eines klarstellen: „99 Prozent der Betriebe arbeiten genauso vorbildlich wie die Ostermanns mit ihren 20 Mitarbeitern.“ Veauthier arbeitet als Geschäftsführerin am Wirtschafts- und Informationszentrum Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING) der Universität Vechta, wo über das hier ins Leben gerufene Projekt „Transparenzoffensive Geflügelwirtschaft“ Betriebe, genauer die Legehennenställe, ihre Türen für interessierte Besucher öffnen.

Bisher mit Schwerpunkt in Niedersachsen, knüpfte die Landwirtschaftskammer NRW nun den Kontakt zu Georg und Doris Ostermann aus Warmen, die vor gut zwei Jahren ihren Geflügelhof in Stentrop um einen weiteren Stall auf die Kapazität auf nun 60 000 Legehennen ausbauten. Nicht ohne Anwohnerbeschwerden und eine Klage des BUND gegen den Neubau. Mittlerweile scheint ein wenig Ruhe eingekehrt, zu den befürchteten Geruchsbelästigungen sei es, wie es heißt, nicht gekommen.

Am Sonntag sind nun alle interessierten Bürger eingeladen, die drei Legehennenställe und auch die Sortieranlage einmal aus der Nähe anzuschauen. „Ich freue mich auch über kritisch eingestellte Besucher“, greift Georg Ostermann die damaligen Differenzen auf. „Denn nur gesunde Tiere können Eier legen und damit die Existenz unseres Betriebes sichern.“ Auch auf kritische Themen wie Impfungen und Medikamentenverabreichung sowie generell auf Krankheitsfälle will er gerne eingehen. „Bei 60 000 Lebewesen ist es wohl normal, dass nicht alle gesund sind.“

Dr. Veauthier ging beim Pressegespräch am Mittwochvormittag noch einen Schritt weiter: „Natürlich gibt es auch schwarze Schafe, die dem Ansehen der ganzen Geflügelwirtschaft schaden und von allen anderen auch nicht geduldet werden. Tatsache ist aber auch, dass einige Tierschutzorganisationen falsche und gestellte Bilder in Umlauf bringen, um ihre Botschaft zu verbreiten und mehr Aufmerksamkeit und Spenden zu generieren. In diesen Fällen sind schon Gerichtsverfahren anhängig.“

Zur Legezeit wird es laut

Einen Vorgeschmack auf die Stallführungen am Sonntag gab es schon beim Pressetermin. Vermeintliche Vorurteile zum Thema Lärm oder Gestank ließen sich gestern jedenfalls nicht bestätigen: Tiere, die sich in der Bodenhaltungsanlage recht frei bewegen können, eine Lautstärke, die problemlos Gespräche zuließ - „frühmorgens zur Legezeit geht es aber kaum ohne Gehörschutz“, grinste Ostermann.

Ein computergestütztes System auf dem Geflügelhof nimmt die Sortierung danach vor, gebrochene, verschmutzte oder sogenannte Bluteier werden vorher ebenfalls schon ausgelesen. Wie das genau funktioniert und auch, was der auf jedes Ei aufgedruckte Code aussagt (nicht etwa das Legedatum) können die Besucher am Sonntag erfahren. Außerdem wird WING in Person von Dr. Veauthier und ihrem Team Umfragen rund um die Führungen vorher (Erwartungen) und nachher (Eindrücke) durchführen, wie sie es bei vielen Aktionstagen auf Geflügelhöfen gemacht haben. Veauthier: „Der Großteil der Besucher war positiv überrascht.“

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