Oliver Kalkofe kritisiert die deutsche Medienlandschaft
21.10.2009 | 12:14 Uhr 2009-10-21T12:14:00+0200
Menden. Am Eingang der Wilhelmshöhe steht der Veranstalter. Er ist am Montagabend maßlos enttäuscht: Nur knapp 100 Zuschauer wollen die Multimedia-Show „Kalkofe Live 2009” in Menden sehen. Das ist wohl fast Negativ-Rekord der Tour.
Ob es daran liegt, dass einige Comedy-Fans in den Herbstferien verreist sind? Oder ist doch die viel diskutierte Veranstaltungs-Schwemme in Menden Schuld am Wegbleiben der Zuschauer? Fest steht: Wer am Montagabend gekommen ist, erlebt einen kurzweiligen Satireabend.
Dreckige Witze auf Pubertäts-Niveau
Denn Kalkofe läuft auf der Bühne zu Höchstformen auf: alles andere als politisch korrekt, mit dreckigen Witzen auch mal auf Pubertätsniveau und viel Macho-Gebaren. Am lautesten lacht das Publikum noch immer über Kalkofes TV-Coup: Er zeigt Film-Einspieler auf der Leinwand, in denen er als Gülcan und Astro-TV-Moderatorin verkleidet das deutsche Fernsehprogramm auf die Schippe nimmt. Das macht großen Spaß, rechtfertigt aber nicht das Eintrittsgeld für eine Live-Show.
Deshalb startet Kalkofe mit einer politischen Stand-Up-Nummer in den Abend. „Wer einmal in die FDP reingetreten ist, bekommt sie nicht mehr vom Schuh”, beschreibt der Berliner beispielsweise die Koalition aus CDU und FDP. Angela Merkel sieht für ihn aus wie „ein menstruierender Mops mit Migräne”. Frank-Walter Steinmeier ähnelt am Wahlabend „Hans Meiser auf Kortison”.
Kalkofes Medienkritik
Ähnlich deftig fällt auch Kalkofes Medienkritik aus: Der gebürtige Hannoveraner zeigt Ausschnitte aus den TV-Shows „Gräfin gesucht” und „Giulia in Love”, die schon im Original so abstrus sind, dass sie kaum noch einer Kalkof'schen Kommentierung bedürfen.
Der Höhepunkt des Abends ist jedoch seine Vincent-Raven-Parodie. Oliver Kalkofe im engen Leder-Dress, der den Schweizer „Mentalisten” mit Rabenfreund aus der Pro7-Show „The Next Uri Geller” nachmacht: Da kullern auch bei manchem Mendener Zuschauer die Lachtränen.
Oliver Kalkofe im DerWesten-Soundcheck sehen Sie hier.
16:06
Menden war und ist in gewisser Weise eine Stadt der Bildung. Offenbar gibt es hier doch ein anspruchsvolles Publikum, das sich den geistigen Auswurf dieser Art von Künstlern nicht zumuten und dafür auch noch Eintritt bezahlen will.
Kalkofe ist nicht der einzige Vertreter einer Unterhaltung, die jeden inhaltlichen Anspruch längst aufgegeben hat und sich an das geistige Milieu anpasst, das durch die kommerziellen Fernsehanstalten über dieses Land ausgegossen wird wie Jauche über eine grüne Wiese.
Auch generell gilt für das TV-Angebot dasselbe wie für die Prekariats-Bespaßung eines Kalkofe: das Niveau wird solange abgesenkt, bis der letzte Hirntote noch lachen kann. Im Zweifelsfall macht man es wie im Fernsehen: man stellt noch eine halbnackte Frau daneben.
Wenn in Menden keiner Karten für diesen Mist kauft, dann kann es mit dem Geschmack der Bewohner doch wohl nicht so schlecht bestellt sein.
13:16
Was geht denn hier ab? Laßt doch bitte dieses pseudophilosophische Geschwafel.....viel bitterer ist einmal mehr die Tatsache, dass Menden mal wieder den Minus-Rekord in puncto Zuschauerzuspruch einnimmt! (Hatte ich schon mal bei Subway To Sally vor Jahren erlebt - bundesweit ausverkaufte Hallen - nur in Menden war tote Hose....)
11:32
Die Büchse der Pandora?
Nun denn, altes Silbereisen, für Sie gibts ja immer noch die subventionierten Regionalsender, kein Zwang dem Belzebub während der Übertragung der Sonntagsmesse zu begegnen.
*An den Kopf fass*
11:00
Kalkofe ist selbst ein unerträgliches Abfallprodukt der kommerziellen deutschen Programmszene. Leuten wie ihm fehlt für gekonntes Kabarett einfach der Esprit und das Gespür für die richtige Form. Letztlich wären Dauerentgleiser wie er niemals bekannt geworden, wenn unter dem Kohl-Regime der 80er Jahre nicht die Büchse der Pandora geöffnet und kommerzielles Fernsehen zugelassen worden wären.