Odyssee zum Augenarzt-Notdienst

Menden..  Erst hing er 15 Minuten in der Warteschleife, dann bekam er Notdienst-Praxen in Gevelsberg, Warstein und Siegen genannt. „Das ist schon eine sehr weite Strecke, um im Notfall dorthin zu fahren“, sagt Winfried Büttinghaus. Der Mendener Rentner brauchte am vergangenen Sonntag einen Augenarzt. „Warum gibt es keinen Notdienst hier vor Ort?“

„Die fachärztlichen Notdienste sind auf rein freiwilliger Basis“, erklärt Mona Dominas von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Der Ärzte-Bund organisiert in seinem Gebiet einen Notdienst für Augen,- Kinder und HNO-Ärzte. Diese Hilfe sei aber einzig und allein ein Zusatzangebot.

„Vom Gesetzgeber ist es nur vorgesehen, dass ein hausärztlicher Dienst vorgehalten wird“, erklärt die Sprecherin. Die 63 Notfallpraxen im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung kümmern sich um alle hausärztlichen Notfälle, die außerhalb der normalen Sprechstundenzeiten auftreten. „Genauer gesagt ist das ein ärztlicher Bereitschaftsdienst“, sagt Mona Dominas. Für ernsthafte und möglicherweise lebensbedrohliche Notfälle sind Notarzt und Rettungsdienst zuständig. Diese sind ausschließlich unter der Nummer 112 zu erreichen. Auch die Notaufnahmen der Krankenhäuser nehmen echte Notfallpatienten auf. Für einen dicken Schnupfen sind die Notaufnahmen allerdings nicht zuständig. Solche Hausarzt-Patienten werden dort sogar abgewiesen.

Kontakt über 116 117

Lebensgefahr war auch bei Winfried Büttinghaus nicht im Spiel. Er wählte die einheitliche Rufnummer für den Haus- und Fachärztlichen Notdienst: 116 117. Das sei auch genau richtig so gewesen, betont Mona Dominas. Die Kollegen am Telefon seien so geschult, dass sie den richtigen Arzt für den Patienten auswählen.

Meist Fachärzte mit Spezial-Praxen

Das Facharzt-System sei im Notdienst automatisch etwas dünner, so dass Patienten etwas längere Strecken in Anspruch nehmen müssten. „Meist kommt es ja auch auf eine entsprechende Ausrüstung an“, sagt Dominas. Da sei es sinnvoll, den Facharzt-Notdienst zum Beispiel an entsprechende Kliniken anzugliedern. Für Büttinghaus war die Fahrt nach Gevelsberg, Siegen und Warstein dann doch zu weit. Er wartete bis Montag.