Neues Kapitel aufschlagen
16.12.2011 | 19:35 Uhr 2011-12-16T19:35:00+0100
Menden.Es waren am Ende Worte, die einen fast an eine Wahlkampfkundgebung erinnern konnten. Mit feierlicher Stimme verkündete Investor Gerhard List: „Der alte marode Bahnhof ist Geschichte, ab heute wird ein neues Kapitel aufgeschlagen.“
Bürgermeister Volker Fleige war nicht gut vorbereitet – jedenfalls nicht an den Füßen. Mit „Anzugschuhen“ musst er durch den Schlamm bis zum Bagger gehen. Den hatte er sich eigens gewünscht – ein einfacher Spaten schien angesichts der Größe des Projekts wohl zu klein. Mit Hilfe eines Bauarbeiters gelang Fleige seine Aufgabe auch fehlerfrei: Schnell hob er eine Schaufel Erde aus.
Fleige machte gegenüber der WP keinen Hehl daraus, dass es durchaus kein Zufall war, dass der „Spatenstich“ noch in der Woche stattfinden sollte, in der auch das große Sparpaket für Menden beschlossen worden war. Es solle ein Zeichen für den Aufbruch gesetzt werden. In seiner Rede hatte er zuvor gesagt: „Der Bahnhof hing Menden wie ein Mühlstein um den Hals und drohte unsere Stadt in den mentalen Abgrund zu reißen.“
Fleige zitierte auch noch einmal eine vor fast vier Jahren in der WP erschienene Justiz-Satire von Redakteur Heinz-Jürgen Czerwinski, in der er die rechtlichen Folgen beleuchtet hatte, wenn ein „Volksheld“ den Bahnhof einfach in Schutt und Asche legen würde.
Die Stimmung war also bestens gestern bei dem Spatenstich. Und Gerhard List lobte ausdrücklich die Stadtverwaltung. Außergewöhnlich schnell sei das Planungs- und Genehmigungsverfahren gelaufen. Auch wenn die Sachbearbeiterin Birgit Rindel „die Interessen der Stadt hart verteidigt hat“.
Angereist war eigens Vize-Regierungspräsident Volker Milk. Auch er wertete den gestrigen Tag als „Wendepunkt für die Stadt Menden“. Er erinnerte an die ergebnislosen Versuche der Vergangenheit, am Bahnhof etwas zu bewegen. Das 2007 beschlossene Einzelhandelskonzept habe schließlich die Grundlage für die erfolgreiche Planung geschaffen. Ein Projekt wie das Einkaufszentrum am Bahnhof sei ein gutes Mittel, um die Innenstadt zu stärken. Ganz im Gegensatz zu dem geplanten Factory Outlet Center in Werl. Die Sorgen darüber könne er nachvollziehen.
Gekommen waren auch Vertreter aus Mendens Nachbarstädten. Fröndenbergs Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe bekannte, dass er mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Mender Aktivitäten schaue: „Ich gönne das der Stadt, aber wir werden das als Ansporn für unseren Einzelhandel nehmen und versuchen, Nischen zu besetzen.“
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