Neuer Schritt zu mehr Familienfreundlichkeit

Sie stellten der Presse die künftige Teilzeit-Ausbildungsstelle vor: (von links) Volker Fleige, Wolfgang Lück, Bettina Schneider, Sandra Krause und Heike Berkes.
Sie stellten der Presse die künftige Teilzeit-Ausbildungsstelle vor: (von links) Volker Fleige, Wolfgang Lück, Bettina Schneider, Sandra Krause und Heike Berkes.
Foto: WP

Menden..  Vorreiter sein und auch Firmen ein Beispiel geben für flexible, familienfreundliche Arbeitszeiten – das will die Stadtverwaltung laut Bürgermeister Volker Fleige jetzt mit dem Angebot einer Teilzeit-Ausbildung. Wer mit 30 statt 39 Wochenstunden die dreijährige Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten absolvieren will, sollte auf die in Kürze erfolgende Ausschreibung achten. Es geht um eine zusätzliche Ausbildungsstelle im Rathaus, die zum 1. August nächsten Jahres zu besetzen ist.

Gefragt seien dabei keineswegs nur Eltern: „Bewerben können sich auch ältere Berufsrückkehrer, die sich zuhause zum Beispiel um ihre Eltern kümmern“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Heike Berkes. Vor etwa fünf Jahren habe es im Rathaus schon einmal eine Teilzeit-Ausbildung gegeben – allerdings erst, nachdem sich in der Ausbildungsphase einer jungen Frau familiäre Gründe dafür ergeben hatten. „Die Kollegin hat uns später noch erklärt, wie wertvoll diese Chance für sie war. Sie hätte ihre Ausbildung sonst abbrechen müssen.“

Laut Wolfgang Lück, Personalchef im Rathaus, geht es bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf indes nicht mehr nur um Kita-Plätze. „Sondern in immer mehr Familien auch darum, Arbeit und Pflege unter einen Hut zu bringen. Dabei sind Angebote wie dieses hilfreich.“

Volker Fleige sieht die Teilzeit-Ausbildung denn auch nur als einen von vielen Schritten hin zur Familienfreundlichkeit, die Mendens Stadtverwaltung noch gehen will. „Es wird in dieser Hinsicht künftig noch einiges kommen.“

Erfahrungen mit der Teilzeit-Ausbildung, die seit 2005 gesetzlich verankert ist, hat Bettina Schneider von der Agentur Mark auch in Unternehmen gesammelt. „Dabei gibt es Arbeitsplätze, die dafür geeigneter sind als andere.“ Im Handwerk zum Beispiel sei die Nachfrage bei Null, in der Industrie gebe es erste Projekte, „vor allem da, wo die Inhaberin selbst noch kleine Kinder hat“.

In Arztpraxen und im Handel sei die Teilzeit-Ausbildung möglich, Verwaltungen kämen jetzt vermehrt hinzu, berichtet Schneider.

Woran wird gekürzt, wenn neun Wochenstunden gegenüber der herkömmlichen Ausbildung fehlen? „An den Praxisstunden“, erklärt Sandra Krause vom „Team Personal“ im Rathaus. Die Berufsschule sei nicht berührt. Bei der Bezahlung mache sich die geringere Stundenanzahl bemerkbar, doch gebe es hier auch Beihilfe-Möglichkeiten.

„Was uns ganz wichtig ist: Wir wollen keine Teilzeit-Großoffensive starten“, stellt Bettina Schneider klar. Regelarbeitszeiten, das fordere auch die Industrie- und Handelskammer, sollen auch tatsächlich die Regel bleiben.