Närrische Ratssitzung mit viel Biss

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Menden..  Sitzungspräsident Gordon Blankenhagen kaum bei Stimme, Prinzessin Carolin noch etwas weniger. Doch bereits nach ihrer Begrüßung erhob sich die närrische Schar von den Stühlen. Ovationen zu Beginn einer närrischen Ratssitzung: Damit war das Feld bestens bereitet. Und was folgte, war eine jecke Veranstaltung mit bissig-politischen Beiträgen.

Bürgermeister Volker Fleige, verkleidet als Verrückter Uhrmacher aus „Alice im Wunderland“, bekam dabei sein Fett ebenso weg wie FDP-Chef Stefan Weige, ins Scheich-Gewand gehüllt. Das Programm war hochklassig.

Bezirks-Polizeibeamter Dietmar Berendes führte den neuen Gockel ein: VHS-Leiter Achim Puhl. Mit dieser Auszeichnung werden Mendener bedacht, die im Jahresverlauf besonders laut gekräht haben. „Einen Schulleiter zu loben, das geht eigentlich nicht“, sagte Berendes. „Allerdings ist seine VHS eine Schule, in die sich Fleige und seine Strategen bislang nicht eingemischt haben, also ist alles gut.“ Wenn ein Mann aus Bayern in Menden VHS-Leiter werde, sei das eine „gelungene Integration“.

„Herr Professor“ in der Bütt

Achim Puhl trat als „Herr Professor“ in die Bütt. Der VHS-Stammkunde trippelte mit Gehwägelchen zum Rednerpult, den Kopf bedeckt mit einer an Einstein erinnernden Perücke. Man müsse die Geburtenrate in Menden steigern, unterstützt mit VHS-Kursen wie „Spaß im Bett ab 80“ oder „Wenn Großeltern Eltern werden“, erklärte Achim Puhl. Dann könnten die Altenheime auch wieder in Primarschulen umgewandelt werden.

Museumsleiterin Jutta Törnig-Struck, Novizin in der Bütt, begeisterte mit ihrem pseudowissenschaftlichen Lichtbild-Vortrag zum „Gescheckten Nagekäfer“, der das Mendener Fachwerk bedrohe, weil er es kaputt hämmere. So habe man im Gut Rödinghausen eine bis dato unbekannte Art, den „Xastobium rödinghausensis industrialis“, entdeckt, der sich nur noch mit besonders großer Hitze – zum Beispiel durch Heizstrahler oder einen Föhn – beseitigen lasse.

WP-Redaktionsleiter Thomas Hagemann stiefelte als Ritter Goswin ans Rednerpult. Der war nach 750 Jahren Koma im Mendener Krankenhaus wieder aufgewacht und verstand die Welt nicht mehr: „Da habe ich einen getroffen, der so aussieht, als würde er schon 750 Jahre leben“, so Goswin. „Lohmann, Franz-Josef.“ Der ehemalige Stadtdirektor half dem Ritter dann bei der Einordnung des Tagesgeschehens.

Und am Ende, gegen 17.30 Uhr, sorgte der Senatorenchor noch einmal für richtig Stimmung im Alten Ratssaal.