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Nachfrage nach Osteopathie boomt derzeit

25.11.2012 | 09:00 Uhr
Nachfrage nach Osteopathie boomt derzeit
Immer mehr gesetzliche Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten für osteopathische Behandlungen. In der Vergangenheit mussten die Patienten die Kosten komplett selbst tragen. Im Bild demonstriert Osteopath Kai Julke an Patientin Monika Kotilge eine osteopathische BehandlungFoto: MARTINA DINSLAGE

Menden. Osteopathische Behandlungen boomen im Mendener Physiozentrum. Hintergrund ist unter anderem, dass immer mehr gesetzliche Krankenkassen die Kosten zu einem großen Teil übernehmen. Das Physiozentrum setzt einen Behandlungsschwerpunkt auf die Osteopathie.

Angefangen hat die Techniker Krankenkasse, die seit Januar dieses Jahres 80 Prozent der Kosten (höchstens 60 Euro) für maximal sechs osteopathische Behandlungen pro Kalenderjahr übernimmt. Weitere Krankenkassen zogen in den vergangenen Monaten nach. Andere haben angekündigt, dass sie dem Beispiel voraussichtlich folgen werden.

„Die osteopathische Therapie hatte auch vorher schon ihre Berechtigung“, erläutert Kai Julke, der sich gemeinsam mit drei weiteren Kollegen im Physiozentrum im Ärztehaus am St.-Vincenz-Krankenhaus um die osteopathischen Behandlungen kümmert. Doch da waren alle gesetzlich Versicherten private Selbstzahler.

1.Was benötigt ein Patient, damit die Kosten für eine osteopathische Behandlung von seiner Krankenkasse (anteilig) übernommen werden?

Zunächst einmal muss der Patient bei seiner Kasse nachfragen, ob sie zu den Krankenkassen gehört, die einen Teil der Behandlungskosten übernehmen. Ist das nicht der Fall, „lohnt es sich immer, mit der eigenen Krankenkasse ein Stück weit zu verhandeln“, rät Kai Julke, der Fälle kennt, in denen die Krankenkasse dann nach anfänglicher Ablehnung doch einen Teil der Kosten des Patienten übernommen hat. Darüber hinaus benötigt der Patient eine Verordnung, die von einem Arzt ausgestellt worden ist. Laut Kai Julke dürfen – bis auf Zahnmediziner – alle Ärzte eine entsprechende Verordnung ausstellen. Sinnvoll ist auch, so Kai Julke, dass der behandelnde Osteopath die genaue Diagnose des Arztes kennt.

2.Übernehmen die Kassen die Kosten bei allen Osteopathen?

Nein. Damit eine qualitätsgesicherte Behandlung durchgeführt werden kann, muss der Osteopath Mitglied eines Berufsverbandes der Osteopathen sein oder muss eine osteopathische Ausbildung absolviert haben, die ihn zum Beitritt in einen Verband der Osteopathen berechtigt. Das kann beispielsweise ein mehrjähriges Studium sein. „Die Bezeichnung Osteopath ist nämlich nicht geschützt“, erläutert Anabell Eckstein, Geschäftsführerin des Physiozentrums. „Das heißt, dass es auch Mitbewerber gibt, die zwei Wochenend-Seminare für Osteopathie belegt haben und dann osteopathische Behandlungen anbieten.“ Im Zweifel sollten sich Patienten mit ihrer Krankenkasse in Verbindung setzen und dort nachfragen. Im Physiozentrum gibt es derzeit vier Osteopathen, die die entsprechende Qualifikation haben; weitere sollen folgen. Darüber hinaus gibt es in Menden weitere Osteopathen, die ebenfalls über die entsprechende Qualifikation verfügen, damit Krankenkassen sich an den Behandlungskosten beteiligen.

3.Wie oft geht ein Patient zur osteopathischen Behandlung?

„Die Behandlungstermine liegen viel weiter auseinander als beispielsweise bei der Physiotherapie“, erläutert Kai Julke. „Meistens finden die Termine alle sechs bis acht Wochen statt. Insgesamt sechs Behandlungen sind eine gute Anzahl, um Patienten zu helfen.“

4.Ersetzt die Osteopathie andere Behandlungsformen?

„Nein“, sagt Kai Julke. „Die Osteopathie verdrängt zwar ein Stück weit andere Therapieformen.“ Aber oft sei auch eine Kombination beispielsweise aus Physiotherapie (früher: Krankengymnastik) und Osteopathie sinnvoll. „Bei der Physiotherapie muss der Patient selbst an sich arbeiten, und bei der Osteopathie korrigieren wir den Patienten“, beschreibt Kai Julke die Unterschiede.

5.Was macht die Osteopathie aus?

„Die Osteopathie bietet einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem man über den Tellerrand hinausschaut“, fasst Kai Julke zusammen und nennt ein Beispiel: „Wenn jemand Probleme mit den Füßen hat, dann kann die Ursache im Kiefergelenk liegen.“ Der Patient müsse sich dann eben je nach Erkrankung auch mit der Ursache der Beschwerden auseinandersetzen.

6.Welche Patienten suchen vorwiegend einen Osteopathen auf?

„Anfangs waren es eher die schulmedizinisch Austherapierten“, blickt Kai Julke zurück. Mittlerweile ist die Behandlungsform weiter verbreitet und hat durch die Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen in den vergangenen Monaten einen regelrechten Boom erlebt. Zum einen suchen Patienten, die sich osteopathisch „durchchecken“ lassen wollen, Kontakt zu Kai Julke und seinen Kollegen. Und zum anderen natürlich auch Patienten, die akut Beschwerden haben. Die Palette reicht von Patienten mit leichteren Beschwerden, die sich relativ schnell beheben lassen, bis hin zu Patienten, „die seit zehn oder 15 Jahren die gleiche Symptomatik haben und die im besten Fall nach wenigen osteopathischen Behandlungen Linderung oder gar Heilung erfahren“, resümiert Kai Julke. Als eher negativ empfindet es der 36-Jährige, dass aufgrund der Kostenbeteiligung durch die Krankenkassen manche Patienten die Osteopathie „einfach mal ausprobieren“ möchten. Denn in solchen Fällen fehlt bisweilen die Mitarbeit des Patienten.

7.Bei welchen Erkrankungen kann die Osteopathie eingesetzt werden?

„Osteopathie kann eigentlich bei jeder Erkrankung genutzt werden“, meint Kai Julke. Natürlich sei durch die Therapie nicht jede Erkrankung heilbar, gleichwohl könne die Behandlung unterstützend wirken. So können zum Beispiel bei einem MS-Patienten „die Defizite, die durch die Grunderkrankung entstanden sind, osteopathisch behandelt werden“, erläutert Kai Julke.

Grundsätzlich gelte, dass diese nicht-invasive Therapie bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt werden könne: beispielsweise auch bei Beschwerden im Wirbelsäulen- und Gelenkbereich, Verspannungen oder Verletzungen, Tinnitus, Verdauungsproblemen, Migräne, Herz- und Kreislauferkrankungen.

Alternative Behandlungsform Osteopathie

Der Ursprung des Begriffes „Osteopathie“ stammt aus dem Griechischen: „Osteon“ bedeutet „Knochen“ und „Pathos“ heißt „Leiden“. Die Behandlungsform ist dem Bereich der Alternativmedizin zuzuordnen. Der amerikanische Arzt Andrew Tylor Still (1828-1917) gilt als Begründer der Osteopathie, die seitdem immer weiterentwickelt wurde.

Die Osteopathie ist eine manuelle Therapiemethode, bei sich der Behandler mit feinfühligen Händen auf die Suche nach den Ursachen von Beschwerden begibt. Die Selbstheilungskräfte des Körpers spielen eine große Rolle. „Die Osteopathie versucht alle Gewebe zu normalisieren, die auf den Knochen eine mechanische oder neurovegetative Auswirkung haben“, beschreibt der Bundesverband Osteopathie e.V. „Sie ist ein medizinisches Behandlungssystem, das sich zur Untersuchung und Therapie der Hände bedient, also sanfter manueller Techniken, wobei das Individuum in seiner Ganzheit erfasst und respektiert wird.“ Das Ziel der Osteopathie sei die Wiederherstellung der Harmonie des Gesamtorganismus und seiner Selbstheilungskräfte.

Von Corinna Schutzeichel

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2012-11-25 09:00
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