Musikalisches Wiedersehen in alter Heimat

Fortenbacher's Intimate Night: Sascha Rotermund und Carolin Fortenbacher.
Fortenbacher's Intimate Night: Sascha Rotermund und Carolin Fortenbacher.
Foto: Julian Gebhardt

Menden..  Keine Nervosität trotz „Familienfeier“: Sascha Rotermund feierte das Wiedersehen mit seiner alten Heimat Menden. Seine Musik- und Lebenspartnerin Carolin For­tenbacher machte derweil Witze über die vermeintliche Abgeschiedenheit der sauerländischen Provinz. Das Publikum fraß trotzdem beiden gleichermaßen aus der Hand, was an einer rundum überzeugenden wie stimmungsvollen musikalischen Darbietung im Theater Am Ziegelbrand (TAZ) lag.

Der Konzerttitel „Fortenbachers Intimate Night“ traf den Nagel vielleicht nicht ganz auf den Kopf. Oder eben doch, wenn das Verständnis der beiden von Intimität eben nicht nur die leisen und romantischen, sondern auch schrille, lustige und mitreißende Momente umfasst. Zwischen Rotermund und Fortenbacher selbst ist das auf jeden Fall gegeben, denn die beiden teilen nicht nur die Bühne miteinander, sondern auch ihr Leben und das Dach über dem Kopf. Letztgenanntes im Moment allerdings nicht, weil es vor kurzem bei einem Brand zerstört wurde, worauf die Zuhörer im Verlaufe des Samstagabends immer wieder hingewiesen wurden.

„Aber das Wichtigste ist: Die Gitarren haben überlebt“, erzählte ganz zu Beginn Rotermund, der in Arnsberg geboren wurde, in Balve wohnte, in Menden sein Abitur ablegte und mittlerweile gefragter Schauspieler und Synchronsprecher ist. Nebenbei lebt er seine musikalische Ader mit Stimme und Gitarre auf der Bühne aus, während Ehefrau Fortenbacher dies seit vielen Jahren hauptberuflich tut, am erfolgreichsten bisher als Hauptdarstellerin im ABBA-Musical.

Was sie mit Rotermund nicht teilt, sind die Wurzeln in der Hönnestadt, und das ließ sie das Publikum im TAZ am Samstagabend mit einem Augenzwinkern auch mehrfach hören. Sie machte Witze über die Abgelegenheit Mendens von den Me-tropolen dieser Welt, er freute sich darüber, gewissermaßen auf einer Familienfeier zu spielen. „Und bei so etwas ist man trotz noch so viel Bühnenerfahrung immer etwas nervöser.“ Jedenfalls sorgte auch der eine oder andere alte Freund und Bekannte mit dafür, dass kein einziger Platz im TAZ frei blieb.

Ausdrucksvolle Stimmen

Von vermeintlicher Nervosität war aber nichts zu hören, vielmehr beeindruckten zwei charaktervolle und ausdrucksstarke Stimmen, von denen die Fortenbacher quasi schon „von Berufs wegen“ häufiger die Führungsrolle übernahm, Rotermunds sanfter Bariton aber keineswegs in den Background gedrängt wurde, vielmehr tolle zweistimmige Harmonien und Melodien in den Raum entsandte.

Diese waren dem Publikum zu einem Teil ziemlich gut bekannt, denn neben versteckten Perlen der Musikgeschichte – unbekannte Tom-Waits-Songs, Balladen aus dem irischen Film „Once“, Querdenker- und Chaos-Pop der Norwegerinnen mit dem deutschen Namen „Katzenjammer“, einschließlich rasend schnellem und trotzdem absolut synchronem Stakkatogesang beider Stimmen – boten die zwei auch ihre ganz eigenen Versionen von großen Hits: „Je veux“ von Zaz mit von Fortenbacher selbst gesungenem Kazoo-Solo, den aktuellen Chart-Stürmer „All about that bass“: „Weil wir ja auch mal im Radio hören, was derzeit so abgeht.“

„Somewhere over the rainbow“ leitete ganz unbemerkt über in „What a wonderful world“ und wieder zurück und endete mit schrägen, sich fast überschlagenden Vogel-Imitationen Fortenbachers. Wie schon gesagt, so etwas scheint im Intimitäts-Verständnis der beiden Künstler durchaus vorzukommen. Ganz besonders viel Applaus bekam aber eine todtraurige Ballade von Natalie Merchant. Der musikalische Teppich kam ausschließlich von Rotermunds wenig zügellosem, aber versiertem und songdienlichem Gitarrenspiel und den singend-sägenden oder gezupften Klängen von Anja Strass am Cello. Dafür setzte Fortenbacher ihre fünf Oktaven umfassende Stimme immer wieder wie ein Instrument ein.

Viel Entertainment-Qualitäten und ein paar Anzüglichkeiten rundeten den Abend ab. Intim? Das kommt auf die Definition an. Intensiv, emotional und mitreißend? In jedem Moment.