Mit Schwung und EQ in Traumberuf

Menden..  Kirsten Pludra ist 22 Jahre jung und als Pflegeschülerin eine von elf Auszubildenden, die derzeit im Mendener Hansa-Seniorenzentrum an der Bodelschwingh-straße ihre Lehre machen. Vor Antritt ihrer Ausbildung am 1. April war die frühere Hauptschülerin Langzeit-Praktikantin: Seit August 2014 lernte sie in der „Einstiegs-Qualifizierung“ (EQ) ihren künftigen Ausbildungsbetrieb kennen – und umgekehrt. „Das war für mich eine wunderbare Zeit“, schwärmt die junge Frau, für die Altenpflege nach wie vor ihr Traumjob ist.

Selbstbewusst kontert sie die Pressefragen zu all den Vorurteilen, die es gegenüber ihrem Beruf gibt. Nicht genug Zeit für einsame Bewohner? „Ich nehme mir die Zeit, die jeder Bewohner braucht. Als Maßgabe gilt, dass bis Dienstschluss alle pflegerischen Aufgaben erledigt sein müssen.“ Zu viel Routinen ohne Abwechslung? „Morgen fahren wir mit Bewohnern nach Köln. Diesmal bin ich wegen der Schule leider nicht dabei. Aber Ausflüge standen bei mir genauso auf dem Aufgabenzettel wie Arbeiten in der Küche oder in anderen Bereichen des Hauses. Mir war hier noch keinen Tag langweilig“, sagt Kirsten Pludra.

Das hört Elisabeth Zubarev gern. Sie ist Pflegedienstleiterin bei Hansa – und stolz darauf, dass es die andernorts übliche Fluktuation in einem körperlich und seelisch hoch belastenden Beruf in ihrem Haus nicht gibt. „Man muss sich aber um seine Kräfte kümmern.“

Dazu zählt als jüngster Neuzugang nun auch Kirsten Pludra. Ihre Berufswahl stand fest, nachdem ihre Oma erkrankte und verstarb. „Da wusste ich, dass ich alten Menschen zur Seite stehen will.“

Bezahlt wurde Kirsten Pludra im Langzeit-Praktikum bei Hansa auch, allerdings niedriger als jetzt in der Ausbildung: „Sie bekam in der Quali-Phase 216 Euro von uns“, sagt Michael Woschnik vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur in Iserlohn. Agenturleiterin Karin Käppel ergänzt, was ihr besonders wichtig ist: Die EQ werde gern als Warteschleife schlechtgemacht. „Dabei bekommen hier beide Seiten die Chance, sich ausgiebig und ohne Druck auszuprobieren – bis zu zwölf Monate lang.“

Laut Woschnik wissen aber noch zu wenige Arbeitgeber von dieser Möglichkeit, vor allem kleinere Handwerksfirmen. Deshalb sei es Sinn und Zweck des Besuchs, dieses Instrument auch in Menden bekannter zu machen.

Ein Ziel, das auch der SPD-Landtagsabgeordnete Gordan Dudas verfolgt. Er betont zudem, dass die bei Bewohnern und Angehörigen eher ungeliebte Ausbildungspauschale von 3,69 Euro am Tag dafür sorge, dass in NRW einem Pflegenotstand durch Fachkräftemangel wirksam vorgebeugt werde. Allerdings hänge die noch ausbaufähige Anerkennung für die unersetzliche Arbeit der Pflegekräfte auch an deren besserer Bezahlung.