Mit „Dachdecker“-Trick Senioren geprellt

Schäden an Dächern
Schäden an Dächern
Foto: Olaf Fuhrmann
Was wir bereits wissen
  • Vermeintliche Dachdecker sind als Betrüger unterwegs
  • Hohe Rechnungen erschrecken Senioren
  • Aus Scham erfolgen häufig keine Anzeigen

Menden..  Sie geben sich einen hoch offiziellen Anschein und täuschen vor, erfahrene Dachdecker zu sein. Doch die Männer haben vor allem eins im Sinn: Sie wollen ganz massiv an das Geld von Senioren. Zwei betagte Mendener sind erst gerade wieder um hunderte Euro gebracht worden und am Boden zerstört. Die Kreispolizei warnte gestern gegenüber der WP dringlich vor der „Dachdecker“-Masche.

Bei den beiden der Redaktion geschilderten Fällen sind jeweils zwei Männer in einem weißen Sprinter samt großer Beschriftung „Dachdecker-Arbeiten“ vorgefahren. Ihre bevorzugten Adressen hatten sie zuvor gründlich ausgekundschaftet: ältere Häuser mit entsprechend alten Dächern, die von alleinstehenden Senioren bewohnt werden. Dann geben die Männer vor, dringend Arbeiten am Dach vornehmen zu müssen. Für die derzeit landesweit vielen Betroffenen nimmt das Unglück seinen Lauf.

Während der eine „Dachdecker“ vermeintlich Schäden auf dem Dach repariert, verwickelt der andere die Senioren in Gespräche oder lenkt sie anderweitig vom eigentlichen Geschehen ab. Nach einiger Zeit wird die Rechnung präsentiert: 460 Euro. Die heimische Senioren trauten sich erst gar nicht zu protestieren. Und schlimmer noch: Eine ältere Dame griff für das Begleichen der Arbeiten im Beisein der Männer in ihre Schatulle, zahlte den Betrag und wurde prompt erneut abgelenkt. Dann räumten die Trick-Diebe noch einmal richtig ab, erbeuteten weiteres Geld und Schmuck.

Hilflosigkeit macht sich breit

Erfahrene Polizeibeamte wissen: „Am Ende der langen Kette machen sich bei den betroffenen Senioren ganz oft große Scham und Hilflosigkeit breit. Dietmar Boronowski, Sprecher der Kreispolizei: „Es ist natürlich keine einfache Situation. Aber wir appellieren an alle Geschädigten, sich umgehend mit der Polizei in Verbindung zu setzen: Zeigen Sie die Taten an.“

Die „Dachdecker-Masche“ scheint das Land regelrecht zu überziehen. Dietmar Boronowski hat jedoch seitens der Kreispolizei derzeit „keine extreme Häufung“ in Menden ausgemacht. Gleichwohl gilt: Die Dunkelziffer jener Fälle, die niemals bei der Polizei angezeigt werden, ist groß. Mit ein Grund dafür: Die Senioren sind meistens extrem eingeschüchtert von dem, was ihnen widerfahren ist.

Der Rat von Verbraucherschützern und Polizeibeamten für alle Leser ist eindeutig und gilt nicht nur für Senioren: „Öffnen Sie ungebetenen den Handwerkern, die vermeintlich Schäden an Gebäuden erkannt haben und sofort beheben wollen, bloß nicht Ihre Haustüren.“

Die Maschen werden übrigens vielfältig eingesetzt und regelmäßig variiert. Viele Trickdiebe, so die Erfahrung der Polizei, geben sich auch gern mal als Stadtwerke-Mitarbeiter oder Fachleute für Gartenarbeit aus.

Vorschuss ergaunert

Manche dieser Männer lassen sich auch Beratungsgespräche bezahlen oder kassieren erhebliche Vorschüsse für zu erwartende Materialkosten. Zum Ausführen der Arbeiten rücken sie nicht an.