Mit 2,55 Promille auf dem Fahrrad

Foto: WP

Menden..  Sie gefährden sich und andere im Straßenverkehr erheblich. Immer mehr Fahrradfahrer setzen sich alkoholisiert auf den Drahtesel. Vor dem Amtsgericht war am Montag ein Mendener angeklagt, der allen Ernstes geglaubt hatte, mit 2,55 Promille noch fahren zu können. Das Verfahren könnte ihn davor bewahren, sich in den nächsten Monaten zu Tode zu trinken.

Für die Polizei ist es „trauriger Alltag“ geworden. Noch am Sonntag hatte sie einen Radfahrer aus dem Verkehr ziehen müssen, der ausgerechnet in der Nähe der Wache sturzbetrunken unterwegs war. Doch nur selten haben die Beamten mit einem Trinker zu tun, wie an jenem 25. Oktober 2014. Der betrunkene Radfahrer hatte wohl noch den Streifenwagen erblickt und versucht umzudrehen. Dabei stürzte er bereits.

„Ich war davon ausgegangen, dass es schon mit dem Fahren geht“, hatte der Platte Heider vor Gericht beteuert. Wer sich jedoch angesichts eines Blutalkoholgehalts von 2,55 Promille selbst so einschätzt, kann nur ein überaus erfahrener Suchtkranker sein. Ein Mann, der seit Jahren seinen Alkoholkonsum nicht mehr steuern kann.

Depressionen, Tabletten, Alkohol im Übermaß. Und das seit mehr als 20 Jahren. Sogar mehrfach aufgefallen und vor Gerichten verurteilt. Als betrunkener Radfahrer und Betrüger. Derzeit ist eine stationäre Therapie in Warstein letzter Rettungsanker. Der jahrzehntelange Missbrauch hat längst Spuren hinterlassen. Der Mann kann kaum noch Entscheidungen treffen und nur noch eingeschränkt Gesprächen folgen. Ein Betreuer muss ihm nicht nur in finanziellen Angelegenheiten zur Seite stehen.

Strafrichter Martin Jung verhängte 50 Tagessätze zu jeweils 15 Euro. Eine Menge Geld für den Frührentner, der am Existenzminimum lebt. Jung appellierte zudem: „Ich will, dass Sie die Therapie durchhalten.“