Misshandlung – Mädchen leidet bis heute unter Angstattacken

Noch heute ist die Zweijährige nach Angaben der Pflegeeltern ein äußerst ängstliches und schreckhaftes Kind.
Noch heute ist die Zweijährige nach Angaben der Pflegeeltern ein äußerst ängstliches und schreckhaftes Kind.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Ein Paar aus Menden hat seine Tochter (2) monatelang misshandelt. Vor Gericht kommen grausame Details zutage. Pflegeeltern haben das Kind aufgenommen.

Menden/Arnsberg.. Die ersten drei Lebensmonate des kleinen Mädchens im Jahr 2012 müssen der blanke Horror gewesen sein. Wegen ihrer Misshandlungen leidet die mittlerweile Zweieinhalbjährige bis heute unter Panikattacken, insbesondere nachts. Teilweise schreit das Mädchen stundenlang und sei kaum zu beruhigen. „In den Augen der Kleinen ist dann die pure Angst zu sehen“, berichtete die Pflegemutter des Kindes in der Fortsetzung des Strafverfahrens gegen die leiblichen Eltern. Sie sind wegen Misshandlung Schutzbefohlener durch unterlassener Hilfeleistung angeklagt.

Die Pflegeeltern sollten der 2. Großen Strafkammer einen Eindruck vom Zustand des misshandelten Mädchens vermitteln. Das nicht in Menden wohnende Paar hatte das Kind im Sommer 2013 bei sich aufgenommen – also ein gutes halbes Jahr, nachdem die Misshandlung entdeckt worden war.

Pflegevater weint vor Gericht

Seither kümmert es sich liebevoll, mit viel Zeit und Energie um das Mädchen. Das betonte auch ein Vertreter des Mendener Jugendamtes. Die Behörde hatte die Pflegeeltern behutsam ausgesucht, als klar wurde, dass die leiblichen Eltern das Mädchen nicht bei sich behalten durften.

Prozess Die ersten Monate mit dem Baby waren offenbar die kraftraubendsten. Das Kind ließ fast keinen Körperkontakt zu. Noch heute ist es nach Angaben der Pflegeeltern ein äußerst ängstliches und schreckhaftes Kind. Neue Situationen, fremde Erwachsene oder laute Geräusche bereiten ihm Angst. Es schläft keine Nacht durch und wacht häufig schweißgebadet und in Panik auf. Neben den seelischen wird es auch körperliche Narben der Misshandlungen ein Leben lang behalten.

Sehr ans Herz gewachsen

Glücklicherweise hat es sich mittlerweile an den Körperkontakt mit den Pflegeeltern gewöhnt. „Sie will sehr viel schmusen“, berichtete der Pflegevater. Grundsätzlich benötige das Kind sehr viel Aufmerksamkeit. „Aber sie ist uns sehr ans Herz gewachsen.“

Das Mendener Jugendamt hat eine psychologische Begleitung für die Pflegeeltern organisiert. Der Vertreter der Behörde erklärte, dass auch das Kind psychologische Hilfsangebote bekommen werde. Die Schilderungen über das Leiden des Mädchens ließen im Gerichtssaal Tränen fließen. Allerdings beim Pflegevater, als er im Zeugenstand berichtete. Die leiblichen Eltern auf der Anklagebank verfolgten die Schilderungen ohne Gemütsregung.