Missbrauchsvorwürfe glaubwürdig?

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Menden/Arnsberg.. Wie glaubwürdig ist die 19-jährige Frau, die ihrem Vater vorwirft, dass er sie jahrelang sexuell missbraucht habe? In dem Prozess gegen den 43 Jahre alten Vater aus Menden haben gestern zwei Psychologinnen zu dieser zentralen Frage Stellung bezogen.

Aussage steht gegen Aussage – diese Konstellation ist in sexuellen Missbrauchsfällen eher die Regel als die Ausnahme und erschwert auch der 2. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Willi Erdmann die Wahrheitsfindung. Die 19-jährige Tochter – Opfer, Hauptzeugin und Nebenklägerin – gibt an, ihr Vater habe sie in den Jahren 1999 bis etwa 2008 mehrfach missbraucht.

Wie glaubhaft die Vorwürfe sind, das beantworteten gestern auch die beiden Gutachterinnen nicht eindeutig. Denn dass die Tochter in ihren zahlreichen Aussagen die Übergriffe mit voneinander abweichenden Details geschildert hatte, bewerteten die Psychologinnen unterschiedlich.

So hält die eine Psychologin die Abweichungen für normal. Das menschliche Gedächtnis könne hundertprozentig fehlerfreie Erinnerungen so viele Jahre nach den angeklagten Fällen gar nicht leisten. Die zweite Psychologin hingegen zieht wegen der Abweichungen die „Detailverlässlichkeit“ der Aussagen generell in Zweifel.

Geteilter Meinung über die Glaubwürdigkeit der 19-Jährigen waren auch andere Zeugen. Eine frühere Klassenkameradin zweifelte gestern die Vergewaltigungs-Vorwürfe an. Der langjährige Lebensgefährte der Mutter beschrieb die junge Frau hingegen als verlässlichen Menschen.

Die Mutter einer ehemaligen Kindergartenfreundin der 19-Jährigen stellte sich klar auf die Seite der jungen Frau. Ihr sei schon früher aufgefallen, dass in der Familie etwas nicht stimmte, weil die Kinder immer „anders“ und distanziert gewesen seien, wenn der Vater in der Nähe war. „Im Nachhin-ein werfe ich mir vor, dass ich mit der Mutter nicht darüber gesprochen habe“, sagte die Zeugin.

Der 43-jährige Angeklagte sprach gestern erneut kein Wort zu den Vorwürfen. Am morgigen Freitag soll das Urteil gesprochen werden.