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Mendener will Hartz-IV-Sperre nicht abarbeiten, sondern im Knast aussitzen

16.09.2012 | 07:00 Uhr
Mendener will Hartz-IV-Sperre nicht abarbeiten, sondern im Knast aussitzen
Das Mendener Amtsgericht.Foto: Martina Dinslage

Menden.   Der junge Mendener hatte die Wahl: Abarbeiten gegen eine drohende Haftstrafe oder ab in den Knast. Er entschied sich freiwillig für das Gefängnis. Auch aus ganz praktischen Erwägungen. Denn die Arge hatte ihn gerade nach anhaltendem Fehlverhalten mit einer Hartz-IV-Sperre belegt. „Ich hatte noch nicht einmal mehr etwas zu essen“, sagte er vor dem Mendener Amtsgericht.

Wenn die aktuelle Haftzeit im Oktober endet, könnte bereits die nächste Haft-Schleife beginnen. Freitag kam es vor dem Amtsgericht erneut zu einer Verurteilung. Wegen Diebstahls geringwertiger Sachen von gerade einmal 11,30 Euro werden 80 Tagessätze von jeweils zehn Euro fällig. Es klang seitens der Staatsanwaltschaft und des Gerichtes fast gleichermaßen flehentlich wie fordernd: „Sie haben doch Zeit. Arbeiten Sie die Strafe ab.“ Richter Festersen: „Das Idiotischste wäre, wenn sie jetzt den Kopf in den Sand stecken.“

Es war das vorläufig letzte Glied einer langen Reihe von Straftaten: Im November vergangenen Jahres bediente sich der fast mittellos gewordene Mendener bei einem heimischen Discounter. Kohlrouladen, Frikadellen und eine Sechser-Packung Bier. „Für eine Mahlzeit und einen ordentlichen Schluck aus der Flasche dürfte das wohl gereicht haben“, befand Festersen. Der aus der Haft vorgeführte Angeklagte widersprach nicht. Er hat längst gelernt, sich mit Situationen zu arrangieren. Auch mit überaus misslichen.

Bereits Anfang August hätte der Discounter-Fall verhandelt werden sollen. Da jedoch war der Angeklagte wohnungslos geworden und nicht einmal für die Mendener Polizei auffindbar. Kurz danach gelang es Beamten einer Nachbarstadt, den Mendener ausfindig zu machen. Es folgte sogleich der Vollzug der Haftstrafe.

Der Mendener gestand Freitag ohne jegliche Beschönigung. Er mochte sich jedoch nicht äußern, ob er die neuerliche Strafe abarbeitet. Erst einmal sind ja weitere geregelte Mahlzeiten gesichert . . .

Heinz-Jürgen Czerwinski



Kommentare
17.09.2012
12:05
Mendener will Hartz-IV-Sperre nicht abarbeiten, sondern im Knast aussitzen
von AnetteP | #5

An die Redaktion, eine ALG 2 spere kann man weder abarbeiten noch in einer JVA aussitzen. Dagegen kann man ggf. vor einem Sozialgericht klagen.

17.09.2012
12:03
Mendener will Geldstrafe nicht abarbeiten, sondern im Knast aussitzen
von AnetteP | #4

Das ganze wird ihm doch nichts nutzen. In der Zeit in der in der JVA ein sitzt steht er der ARGE nicht zur Verfügung, und die Sperrzeit wird ausgesetzt. Wenn er wieder aus derJVA kommt beginnt sie von neuem.

Und verhungern muss niemand. Es gibt bei einer 100 % Sperre Lebensmittelgutscheine, und die Miete, Strom usw. wird als Darlehn gewährt.

1 Antwort
Mendener will Hartz-IV-Sperre nicht abarbeiten, sondern im Knast aussitzen
von schnakenhascher | #4-1

Ja dann geh mal hin und frage nach einem Darlehen wegen Stromsperre wenn du zu 100% sanktioniert bist. Das Darlehen ist ja wieder Geld und man bestraft ja Hartz-IV-Betroffene gerade mit Geld/Lebensgrundlageentzug.

Saktionen sind grundgesetzwidrig und man sollte sich mal über das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 9. Februar 2010 kundig machen.

Für alle, die mal von einer Sperre betroffen sind, ist ein Sanktionswiderspruch auf meinem Blog zu finden, der bisher immer einschlug wie eine Bombe. (schnakenhascher[punkt]de)

17.09.2012
12:02
Mendener will Geldstrafe nicht abarbeiten, sondern im Knast aussitzen
von AnetteP | #3

Das ganze wird ihm doch nichts nutzen. In der Zeit in der in der JVA ein sitzt steht er der ARGE nicht zur Verfügung, und die Sperrzeit wird ausgesetzt. Wenn er wieder aus derJVA kommt beginnt sie von neuem.

Und verhungern muss niemand. Es gibt bei einer 100 % Sperre Lebensmittelgutscheine, und die Miete, Strom usw. wird als Darlehn gewährt.

17.09.2012
11:19
Fast wie..
von bearny | #2

Es erinnert mich an einen Witz:
Ein Mann hatte Grippe und ging zum Arzt. Der verordnete er sollte abends heißen Tee trinken, damit er nachts ordentlich schwitzen könne.
Am nächsten Tag war er tot.
Der Arzt entsetzt zur Witwe: Wieso ist er gestorben? Es war doch nur eine Erkältung.
Darauf die Frau: Ach wissen Sie, mein Mann war doch Beamter. Und anstatt schwitzen zu müssen, hat er das Zeitliche gesegnet.

Großartig anders liegt dieser Fall wohl nun auch nicht.

16.09.2012
21:29
Mendener will Hartz-IV-Sperre nicht abarbeiten, sondern im Knast aussitzen
von telekomrichter | #1

Einen Menschen zu 100% zu sanktionieren ist zwar Menschenverachtend, eine offene Missachtung des Art 1 GG in Verbindung mit dem Sozialsstaatsgebot Art 20 GG, eine Ächtung der Menschenrechte und so weiter,

aber es ist z.Zt. noch durch das 2. aSozialgesetzbuch "legitimiert". (Das SGB II ist das schlechteste Gesetz Deutschlands, es wird dauernd geändert [inzwischen mehr als 50 Änderungen] und wird demnächst wieder in Teilen vom Verfassungsgericht außer Kraft gesetzt.)

Solange wird weiter sanktioniert und schikaniert. Weitere Hartz IV-Tote werden billigend in Kauf genommen.

. . . da erscheint der Knast als Alternative.

Es täte dem Mann sicherlich gut, sich mal rechtlich beraten zu lassen.

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