„Mendener Schlücksken“ zur 700-Jahr-Feier

Spezialitäten-Korb mit „Mendener Schlücksken“, „Mendener Tropfen“ (3 x täglich ein Glas), „Mendener Hönnekiesel“ und „Alt-Mendener Rumtopf“.
Spezialitäten-Korb mit „Mendener Schlücksken“, „Mendener Tropfen“ (3 x täglich ein Glas), „Mendener Hönnekiesel“ und „Alt-Mendener Rumtopf“.
Foto: WP

Menden..  Unterwegs im Urlaub, in fremden Ländern und Städten. Wonach sucht unser Blick? Nach Mitbringseln für Zuhause, nach Erinnerungsstücken. Typisch sollen sie sein für die jeweilige Gegend und am besten auch deren Namen tragen. Als vor rund 25 Jahren der Stadtdirektor unserer Partnerstadt Braine l’Alleud (Schlachtfelder Waterloo), Andre Taburiaux, Menden besuchte, brachte er mir einen Reiskuchen mit. Typisch für seine Heimat. Lecker war er auch.

Wenn einer erkannt hatte, wie auch Menden und das Sauerland mit „Kleinigkeiten“ auf sich aufmerksam machen, das Image pflegen und in guter Erinnerung bei seinen Gästen bleiben konnten, dann war das Josef Schulze Bertelsbeck. Angesichts der 700-Jahr-Feier der Stadt anno 1976 rückte er sein Feinkostgeschäft an der Unnaer Straße mit einer ganzen Ladung von Ideen für Mitbringsel aus Menden in den Mittelpunkt der Besucher von außerhalb, aber auch der Mendener selbst. Geschmackvoll aufgemacht fanden sie ungeahnten Absatz. Die Liste reichte vom „Mendener Schlücksken“ bis zum „Westfälischen Spezialitäten“-Geschenkkarton und umfasste mehr als ein Dutzend Artikel.

Klarer Kornmit einem Bauerntuch

Die Ära des Delikatessengeschäfts ist zwar seit 2003 vorbei, doch Gründer Josef Schulze Bertelsbeck (Jahrg. 1925) staunt heute noch, wie vom Jubiläumssekt seines Hauses innerhalb eines Jahres 6400 Flaschen verkauft wurden. Es war ein herzhafter Riesling von der Mosel und wurde begehrtes Mitbringsel.

Zu einem Hit, so stellte sich rasch heraus, wurde der Weizenkorn „Mendener Schlücksken“, ein Klarer mit 32 % Alkohol, den es in 0,1- bis 3-l-Flaschen mit Bauerntuch gab. Mit Altem Rathaus und Vincenzkirche auf dem Etikett: Man kann heute in Menden noch die Bürger danach fragen. Zumindest dem Namen nach kennen sie das Hochprozentige noch.

Josef Schulze Bertelsbeck hatte nicht einfach nur irgendein Etikett gewählt, er hatte vorher in der Geschichte gewühlt. Der als trinkfreudig geltende Ritter Goswin und die Rodenburg hatten es ihm angetan. Gesucht wurde ein Wein, der gut war und wohl auch dem Ritter Goswin gemundet hätte. So die Zielsetzung.

Ein besonderes Schmuckstück: die „Mendener Schoko-Taler-Dose“ mit neuem Menden-Motiv. Foto: Klaus Kimna „Rittertrunk“für den Tunichtrecht

An der Mosel wurde probiert, gefunden und auf den Namen „Rittertrunk“ getauft. Das Flaschenetikett zeigte einen Ritter im Harnisch und auf der Rückseite des Etiketts den Spruch: „Der Freigraf Gos von Rodenberg, der war ein Tunichtrecht. Der hat gar oft den ganzen Tag, die ganze Nacht gezecht.“

Das war der erste Jubiläums-Artikel. Er machte nicht nur Menden bekannt, auch die erst 1950 wieder entdeckten Reste der Rodenburg.

Wenn eine Stadt schon einen Fluss wie die Hönne hat, dann ist auch der eine Erinnerung wert. Die Feinkostleute zauberten dragierte, bunte Bonbon-Spezialitäten in ein rustikales Glas und nannten sie „Hönne-Kiesel“.

Genauso wenig durfte in den Regalen der „Alt-Mendener-Rumtopf“ fehlen. Den Topf zierte ein Bild von Menden um 1875. Ebenfalls ein beliebtes Mitbringsel wie eigentlich alle Ideen des Feinkost-Hauses.

Die „Mendener Knabbereien“ steckten in einem Plastikköcher und bestanden aus schokolierten Mandeln, Nüssen und Rosinen. Dazu ein weiteres Alt-Menden-Etikett.

Kräuterlikörvon der Kräuterhexe

Besonders schön war eine runde „Mendener Schoko-Taler-Dose“ mit einem neuen Stadtmotiv. Süßes gab es auch mit einer eingewickelten Praline, die als „Mendener Küsschen“ in manchem Mund verschwand.

Man sollte nichts Schlechtes dabei denken: Schulze Bertelsbeck kreierte auch einen Kräuterlikör, die „Mendener Kräuterhexe“. Passend dazu ein Etikett mit dem Teufelsturm. „Geholfen“ haben soll manchem aber auch, „3 x täglich ein Glas Mendener Tropfen“ genommen zu haben.

Deftiges durfte aus der Region auch nicht fehlen, „Sauerländer Hausschlachtung“ wurde angeboten. Leberwurst, Blutwurst und Sülze in drei Dosen, im Bauerntuch eingeschlagen. Im Laufe der Jahre wurden einige Tausend Dosen verkauft. Die Qualität wurde vom Veterinäramt Arnsberg ständig überwacht.

Natürlich passte dazu das „Mendener Frühstücksbrett“ aus Holz, das zusammen mit Korn, Pils, Mettwurst und Pumpernickel in Cellophanfolie eingepackt war.

Stumpenkerzemit Stadtwappen

Schulze Bertelsbeck hatte schon früh angeregt, Menden doch als „Tor zum Sauerland“ zu bewerben. Als Gegenpol zu den Alkohol-Angeboten wurde eine Fruchtsaftflasche, mit „Menden-Hönnetal-Vitaminsaft“ entsprechend ausgeflaggt. Das Etikett zeigte Berge und Tannen.

Wer es ganz gemütlich bei all den geschmackvollen Artikeln haben wollte, der zündete abends eine wachsfarbene Stumpenkerze mit Mendener Stadtwappen an.

In seiner Rückschau stellt Schulze Bertelsbeck fest, dass eigentlich alle diese Menden-Ideen nur für das Stadtjubiläum gedacht waren, dann aber einen so enormen und dauerhaften Umsatz nach sich gezogen hätten, dass das Bestreben, Menden über seine Stadtmauern hinaus bekannt zu machen, belohnt wurde. „Es war ein großes Erfolgserlebnis“.

Nicht unterschlagen werden sollen weitere Jubiläumserzeugnisse seines Hauses wie der „Mendener Schoppen“, Weiß- oder Rotwein, versehen mit einem Mendener Stadtbild, das Paul Emunds gemalt hatte, oder wie der „Höhlenbär-Honig“-Knochen.

Nachholbedarf anMenden-Werbung

Heute wünscht er sich, dass Menden wieder mehr Werbung für sich macht. Früher waren weiße Teller mit Stadtmotiven ein Renner und bevorzugtes Geschenk. Im Haus TicTac Oberkampf soll es sie gegeben haben. Und heute?

Es gibt im Bürgerbüro Tassen, Kappen, Jutebeutel mit Menden-Motiven: Bildmäßig zeigen Postkarten alle 2 -3 Jahre neue Motive von Menden. Im „Mendener Fass“ von Dieter Zettier am Südwall findet sich in verschiedenen Größen ein Obstler „Mendener Streuobstwiese“, den es auch in manchen Kneipen zu trinken gibt.

Ulf Schulte-Filthaut, Chef der Werbegemeinschaft, hätte mir sicher gern weitere Beispiele von heute genannt, doch sie sind dünn gesät. Er erinnerte an die Jahresuhren von Haus Köster mit jährlich wechselndem Menden-Motiv. Schulte-Filthaut selbst brachte 2014 ein Brillenputztuch mit dem Motiv „Nachtansicht Alter Rathausplatz“ heraus. Da war der Platz gerade neu gestaltet worden.

Die Gunst der Stunde mit der Öffnung des Glockenteich-Baches entlang der Bahnhofstraße nutzte Anlieger „Lernwelten-Kissing“ und brachte Anfang 2015 eine Kollektion heraus, die das Motiv Bach, Kirche und Rathausplatz mit Stadtturm zeigt auf Lesezeichen, Frühstücksbrettchen, Bonbondose, Glücksschoki, Früchtetee und Tasse.