Mendener Kreuztracht im Dauerregen mit tausenden Gläubigen

Was wir bereits wissen
Die Mendener Kreuztracht mit den vielen Stundenprozessionen ist trotz stundenlangen Dauerregens ein Großereignis.

Menden.. Viele Tausend Teilnehmer aus Menden und der Region beteiligten sich an den Kreuztrachten. Immer mehr wird die Jugendkreuztracht zum Publikumsmagneten.

Leidensweg Jesu Christi

Gründonnerstagabend: Die Stimme aus den Lautsprechern am Vincenz-Turm ist dunkel und tief. Sie spricht vom Glauben, vom Leidensweg Jesu Christi, fragt „Was hat das mit uns zu tun?“ Die vielen Gesichter auf dem Alten Rathausplatz blicken auf den Kirchturm, warten, dass sich alle in Bewegung setzen.

Kreuztrachten Eines dieser Gesichter ist das von Vincent Mackenbruck. Er sei letztes Jahr bereits hier gewesen, dieses Jahr ist er zum zweiten Mal dabei. Warum? „Es ist die Atmosphäre?“ sagt Vincent.“ – „Ein bisschen leiser“, flüstert seine Begleitung.

Musik von Sarah Connor und Herbert Grönemeyer

Die Stimmung ? Sie ist andächtig, ruhig, viele der Besucher sind konzentriert, ganz bei sich. Und trotzdem: Nur um die Atmosphäre gehe es nicht, meint Vincent. „Die Jugendkreuztracht ist für die Kirche eine schöne Möglichkeit, auch jüngere Menschen anzusprechen“, sagt der 19-Jährige, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, die Hände in den Taschen vergraben. Es ist kalt in der Nacht zum Karfreitag. Die Stimmung aber ist es nicht. Das liegt wohl auch an der Musik: Mal Modernes aus den Charts, mal klassische Stücke. Mal Sarah Connor, mal Herbert Grönemeyer. Mal deutsche, mal englische Musik.

„Was, wenn Gott einer von uns wäre?“, heißt es in einem Titel, passend zum Motiv der diesjährigen Jugendkreuztracht: „Einer von uns.“

[kein Linktext vorhanden] „Dass auch nicht-christliche Musik läuft“, sagt Lara Hans, „sorgt unter anderem für die besondere Atmosphäre.“ Die Prozession macht halt, die 25-Jährige schaut in die Nacht. Die Stimmung der Menschen, die Fackeln, die Musik, der Weg über den dunklen Kapellenberg – das alles mache die Jugendkreuztracht aus, meint Lara, die selbst ist in der KjG in Bösperde engagiert ist.

Die Stimme aus den Lautsprechern hat sich verändert. Eine jugendliche Stimme spricht von Jesu Leidensweg, aber auch von aktuellen Geschehnissen, Umbrüchen, der Flüchtlingskrise. Die Prozession: Sie ist mehr als Atmosphäre, es geht vor allem um Inhalte, um den Bezug zum Glauben. „Um die Botschaft, im Leiden nicht alleine zu sein“, sagt Lara.

Der Weg wird hinauf immer steiler, die St.-Antonius-Kapelle ist zu sehen. „Wo bist du jetzt?“, singt es aus den Lautsprechern in Richtung der vielen Teilnehmer. Dass darunter einmal mehr so viele Erwachsene sind, findet Lara nicht ungewöhnlich. Es sei die Eröffnungsprozession. „Da ist das dann eben so.“

Kreuztracht Auch Theresa Kalina ist unter den vielen Teilnehmern. Sie sei hier, weil sie gläubig ist, sagt Theresa entschieden. Seit ihrer Erstkommunion ist sie bei der Jugendprozession dabei, tags darauf geht sie noch einmal mit. Jahr für Jahr. Warum? „Die Prozession bedeutet, Zeit für sich zu haben“, sagt Theresa.

Auf dem dunklen Kapellenberg verstummt die Menge. Es kehrt besinnliche Stille ein, nur die Musik und Schritte sind noch hörbar. Die vielen jungen und alten Menschen, sie hören jetzt nur noch auf das, was die Stimme aus den Lautsprechern singt – und sind ganz bei sich...

Abertausende Teilnehmer folgen bis Karsamstagmorgen dem Kreuz. Auch wenn bei den textlich gestalteten Prozessionen immer wieder das Leiden und der Tod Christi im Mittelpunkt stehen, vermitteln viele Texte Hoffnung, noch bevor Ostern gefeiert wird. Zwei Text-Beispiele dafür aus der Großen Mendener Kreuztracht: „Für Gott ist der Tod keine Grenze.“ „Das Kreuz besagt: Leben ist stärker als der Tod.“